Schneller als der weltberühmte "Albatros"
Der ehemalige Neckarsulmer Schwimmer und Olympia-Starter von 1984 in Los Angeles, Andreas Behrend, arbeitet heute als selbstständiger Physiotherapeut. 1980 war er sogar für Olympia in Moskau qualifiziert, an denen Sportler aus dem Westen jedoch dann nicht teilnahmen.

Er scheint in ruhigem Fahrwasser angekommen zu sein. Langeweile kommt bei Andreas Behrend trotzdem nicht auf. Seine Tage sind ausgefüllt. Der ehemalige Neckarsulmer Vorzeigeschwimmer aus der Zeit Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre ist nun 56 Jahre alt, lebt seit fünf Jahren mit seiner Freundin in Pegnitz, einer 13.200 Einwohner zählenden Stadt im oberfränkischen Landkreis Bayreuth und arbeitet als selbstständiger Physiotherapeut. "Die Leute sind etwas schwierig, aber landschaftlich ist es hier sehr reizvoll", meint Behrend. Er ist einer, der immer sagt, was er denkt - und damit oft angeeckt ist.
Viel herumgekommen durch den Sport
In seiner besten Zeit war Behrend schneller als der spätere Jahrhundert-Sportler Michael Groß und nahm an den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles teil.
"Ich habe nirgendwo länger als fünf Jahre gewohnt, und bin durch den Sport und private Umstände überall herumgekommen", erzählt Andreas Behrend. Geboren in Berlin-Schöneberg folgte der erstmalige Umzug nach nach Pegnitz, wo auch die Großeltern lebten. Mit acht führte die Reise nach Bad Friedrichshall und zu den Schwimmern der Spfr Neckarsulm.
Mit 15 zu Hause ausgezogen
An der Otto-Klenert-Realschule war Behrend Schülersprecher. Es folgte ein Jahr am Technischen Gymnasium. "Danach Würzburg. Das Abitur habe in Heidelberg gemacht. Ich bin durch den Sport mit 15 von Zuhause weggezogen, war mal wieder da, mal wieder weg", sagt Behrend. "Die Bundeswehrzeit verbrachte ich in Neckarelz im Untertage-Depot. Ich hätte ja in eine Sportförderkompanie gehört." Doch daraus wurde nichts, weil "ich permanent Krach gehabt habe mit meinen Funktionären und Trainern. Es haftet mir bis heute an, ein unruhiger Geist zu sein".

Die Monate in Neckarelz waren wichtig. "Dort wurde mir viel geholfen, sonst hätte ich das mit Olympia nicht nochmals gepackt." Behrend war schon für die Spiele 1980 in Moskau qualifiziert, doch die wurde vom Westen wegen des russischen Einmarschs in Afghanistan boykottiert.
Weniger Professionalität als heute
Unvergessen der Empfang nach Olympia durch OB Eberhard Klotz und Audi-Chef Gerd von Briel. "Das war auf dem Ganzhornfest", erzählt Behrend. "Heute ist vieles professioneller. Zu jener Zeit musste man sich noch alles zusammenfummeln. Aber die Stadt, der Verein, das Audi-Werk, das Autohaus Neff - die haben richtig viel für mich getan."
Etliche Namen sind in Erinnerung geblieben: Wie Willy Brecht, Trainer Franz Rink oder Bruno Dickreiter. "Den Bruno haben sie mir als Manager vor die Nase gesetzt, weil ich so schwierig war. Er musste stets vermitteln, alles lief über ihn", sagt Behrend lachend.
Der angeordnete Verzicht auf Olympia schmerzt noch ein wenig. "1980, das wären die besseren Spiele für mich gewesen. Ich war Vierter der Weltbestenliste. Es gab den Begriff Boykott-Geschädigter", sagt Behrend. "Wir waren nicht viel langsamer, als die heute. Die Technik bei den Wenden, die Startblöcke und auch das Reglement haben sich aber verändert. Man darf jetzt länger tauchen, das macht viel aus."
Die A-Lizenz als Trainer gemacht
1985 zog Behrend nach Erlangen und Darmstadt, wo er 1992 seine Karriere beendete. Er studierte Maschinenbau, erwarb die Schwimmtrainer-A-Lizenz, gründete eine eigene IT-Firma und lebte im hessischen Michelstadt. "Mit 40 bin ich ausgestiegen, machte die Ausbildung zum Physiotherapeuten. Und das mit 18-jährigen Mädels. Das war ganz witzig für eine Woche, aber danach ziemlich aufreibend mit denen. Das musste ich ein paar Jahre durchhalten", erzählt Behrend mit einem Schmunzeln.
Die Physiotherapie ist sein Ding. Behrend beschäftigt sich viel mit der schwedischen Variante. "Die Skandinavier sind wesentlich weiter. Es ist immer gut über den Tellerrand zu blicken, das passt zu mir", sagt Behrend. Vor fünf Jahren zog Andreas Behrend zurück nach Pegnitz, dort ist er auch Schwimmtrainer. "Ich habe mich überreden lassen, wieder an den Beckenrand zurückzukehren", sagt Einer, der das nach seiner Zeit von 1996 bis 2008 als Coach in Hessen bei der SSG Rödermark ausgeschlossen hatte. Selbst schwimmen gehen, darauf verzichtet er. "Ich bin viel mit dem Mountainbike unterwegs, habe einen Hund, fahre Ski und mache Gewichtheben", sagt Behrend, dessen Mutter und sein Stiefvater ("ohne deren Unterstützung wäre nichts gelaufen", Behrend) in Bad Friedrichshall leben.
Und was ist aktuell angesagt? Mal wieder ein Umzug, diesmal aber innerhalb von Pegnitz.
Die wichtigsten Erfolge
Andreas Behrend, Jugend-Europameister von 1978, wurde 1979 deutscher Meister über 100 Meter Schmetterling, 1980 gar mit deutscher Rekordzeit in 55,33 Sekunden vor dem späteren Olympiasieger, Welt- und Europameister Michael Groß. Deutsche Rekorde schwamm Behrend auch über 50 Meter Schmetterling und auf der Kurzbahn über die 200-Meter-Distanz. Seinen Rekord über die lange Strecke schwamm Behrend 1981 bei der baden-württembergischen Oberliga-Meisterschafte als 18-Jähriger in 1.58,7 Minuten. Er verbesserte damals die Bestzeit von Groß. "Die Bestmarke über die 200 Meter hatte als württembergischer Rekord noch ewig Bestand, wurde, so glaube ich, erst letztes Jahr verbessert", erzählt Andreas Behrend. Bei den Olympischen Spielen in Los Angeles 1984 wurde der Schmetterlings-Spezialist Behrend Siebter (100 m) und 25. (200 m) zudem Staffel-Vierter.
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