Schlaflos in Duisburg: Kanute Julian Schmiech trotzdem auf Kurs
Kanute Julian Schmiech von der TSG Heilbronn schafft erneut den Sprung in den deutschen U18-Nationalkader. Ob es für ihn zur WM geht, klärt sich Ende Mai.

Der ein oder andere erinnert sich sicherlich noch an die schlaflose Nacht vor einer Prüfung am nächsten Morgen. Im Kopfkino läuft ein Film in Dauerschleife, sein Inhalt: Das kann ja gar nichts werden, so unausgeschlafen wie ich bin. Und genau diese Gedanken halten die Aufregung hoch und wach. Abiturienten erleben derzeit ähnliches. Julian Schmiech macht erst nächstes Jahr Abitur, aber er weiß jetzt schon mal, was ihm da droht. Am Ende geht es trotzdem gut. Irgendwie halt.
Trotz zweier schlafloser Nächte hat sich der Kanute von der TSG Heilbronn am vergangenen Wochenende für den Nationalmannschaftskader der U18 qualifiziert. "Ich weiß jetzt auch, dass ich mit Schlafentzug Leistung bringen kann", sagt der 17-Jährige und lacht mit Blick auf die Nächte von Donnerstag auf Freitag und Freitag auf Samstag.
Zu viel Koffein im Körper
Am Freitag fand das Finale über die 200-Meter-Strecke erst um kurz vor 18 Uhr statt. Um hellwach zu sein braucht es da Koffeintabletten oder Energydrinks. Die hatten ihren Effekt auf Schmiech, der nicht zur Nachtruhe fand. "Ich habe halt nachts gemerkt, dass dann mit Schlafen gar nicht mehr war", sagt er. Trotzdem reichte es über die 200 Meter zu Rang sechs. Wesentlich unzufriedener war er am Samstag mit Rang neun, dem letzten Platz im A-Finale. "Das war suboptimal", sagt Schmiech, der fünfeinhalb Sekunden nach dem Sieger ins Ziel kam.
Am Sonntag zeigte der Leingartener dann ausgeschlafen, was in ihm steckt. Zudem kam in Duisburg noch Glück mit dem Wind dazu. "Ich habe die richtige Bahn erwischt", sagt er. So wurde Schmiech hinter seinem bayerischen Dauer-Rivalen Vincent Hoiß Zweiter.
In Summe steht in der Addition der Ergebnisse der ersten Qualifikation (Rang zwei) und der zweiten Qualifikation ein vierter Gesamtrang für den von der Sporthilfe Unterland geförderten Kanuten. Knapp hinter den Rängen zwei und drei. Überragend mit dem besten Athletiktest und drei Siegen bei fünf Rennen präsentierte sich Sieger Romeo Schroller aus Potsdam.
Über Linz und Bratislava zur WM?
Am Montag bekam Schmiech vom Bundestrainer die Mitteilung, dass er wie im Vorjahr zur Nationalmannschaft zählt, um die EM- und WM-Tickets paddeln darf. Gelernt hat Schmiech in Duisburg zuletzt eins: "Energydrinks gibt es künftig nur vor 12 Uhr", sagt er und lacht. Vom 16. bis 23. Mai geht es ins Trainingslager nach Linz, anschließend (24. bis 26. Mai) wird es auf einer internationalen Regatta in der slowakischen Hauptstadt Bratislava ernst. Dann stehen die Ausscheidungsrennen an.
Auf jeder Strecke gehen zwei deutsche Boote an den Start, das bessere darf zum Saisonhöhepunkt, der WM Mitte Juli in Plovdiv. Das schlechtere muss mit der EM vorlieb nehmen. In den vergangenen Tagen stand übrigens Regeneration auf dem Trainingsplan. "Und vor allem Ausschlafen", sagt Julian Schmiech.
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