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Punktabzug kostet den Hockeyclub Heilbronn vielleicht den Aufstieg

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Heilbronner Hockeyclub hat Ärger mit dem Landesverband und will nun juristische Schritte gegen ein Urteil einlegen. Die Hängepartie überschattet das entscheidende Meisterschaftsspiel.

Ohne Schiedsrichter geht es auch im Hockey nicht. Ein Formfehler könnte nun beim HC Heilbronn gravierende Konsequenzen haben.
Ohne Schiedsrichter geht es auch im Hockey nicht. Ein Formfehler könnte nun beim HC Heilbronn gravierende Konsequenzen haben.  Foto: IMAGO/Axel Kaste

Der Inhalt einer E-Mail des Hockeyverbands Baden-Württemberg (HBW) hat den Heilbronner Hockeyclub in seinen Grundfesten erschüttert. "Unser ganzer Verein ist in Aufruhr", sagt Daniela Bamberg. Am Montag wurde sie als Vorsitzende darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Männermannschaft der TSG Heilbronn in der laufenden Feldsaison drei Punkte abgezogen bekommt. Der Grund: Zum wiederholten Mal sei man nicht der Aufgabe nachgekommen, wie vereinbart Spiele in anderen Ligen mit einem Heilbronner Schiedsrichter-Duo zu besetzen.

Durch den Punktabzug fällt das Team von Rang eins auf drei

Das hat heftige Folgen: Bis zum Montag war das junge Männer-Team mit einem Durchschnittsalter von 20 Jahren Tabellenführer in der Oberliga, der höchsten Spielklasse Baden-Württembergs. Durch den Abzug von drei Punkten ist das Team um Spielertrainer Klemens Barthle von Rang eins auf drei abgerutscht. Am Samstag können so die punktgleichen SSV Ulm und der VfB Stuttgart (jeweils 25 Punkte) im direkten Duell am letzten Spieltag den Oberliga-Meister ausspielen.

Nur bei einem Unentschieden der beiden Konkurrenten im direkten Duell würde Heilbronn (nun 23 statt 26 Punkte) mit einem Sieg beim HC Ludwigsburg II (17.30 Uhr) auf Platz eins springen und doch noch in die 2. Regionalliga aufsteigen. "Wir versuchen den Fokus auf den Sport zu richten, am Samstag zu gewinnen", sagt Klemens Barthle, der Spielertrainer. Das ist in der aktuellen Situation schwierig genug: "Unsere Männer werden für etwas bestraft, das sie nicht zu verantworten haben", sagt Daniela Bamberg.

Nur ein Formfehler oder eben ein Vergehen zu viel?

Und das kommt so: Der sogenannte Zuständige Ausschuss, ein fünfköpfiges Verbandsgremium, welches die Strafe ausgesprochen hat, moniert insgesamt drei Heilbronner Vergehen mit Blick auf zu besetzende Verbandsspiele. Nur wenn alle 38 Vereine im Spielbetrieb mit aktiven Spielern auch Schiedsrichter stellen, ist ein Spielbetrieb möglich. Ein Vergehen nehmen die TSG-Heilbronn-Männer auf ihre Kappe, beim zweiten habe es an der Kommunikation mit dem Verband gehapert, so Klemens Barthle. Man habe gewusst, dass man in Sachen Schiedsrichter angezählt sei, gesteht Daniela Bamberg.

Das dritte Heilbronner Vergehen ist das strittige. "Es heißt, wir hätten keine Schiedsrichter gestellt, dabei haben zwei junge Frauen für uns das Verbandsligaspiel in Mannheim gepfiffen", erklärt Daniela Bamberg. Doch für den Verband haben sie das noch für ihre alten Vereine in Weinheim und Stuttgart getan. "Spieler- und Schiedsrichterlizenz sind voneinander getrennt", erklärt Carsten Behr, der Vorsitzende im Schiedsrichter- und Regelausschuss des HBW. Bamberg spricht von einem fehlenden unterschriebenen Formular bei einer in und für Heilbronn absolvierten Schiedsrichter-Schulung, einem Formfehler, der nun gravierende Folgen haben kann.

Verein hat anwaltliche Schritte eingeleitet

"Einem aufstrebenden Verein etwas so um die Ohren zu hauen, das ist schon brutal", sagt die Vereinsvorsitzende: "Wie soll ich junge Sportler motivieren, Schiedsrichter zu werden, wenn das solche Konsequenzen haben kann?", beklagt sich Daniela Bamberg über das viel zu strikte Vorgehen des Verbands und die viel zu vielen Regularien im Schiedsrichterwesen. "Die gibt es in anderen Landesverbänden nämlich nicht", sagt sie. Die Geldstrafe von 875 Euro akzeptiere man, den Punktabzug nicht. Warum die Männermannschaft bestraft wird, obwohl das dritte Vergehen von zwei TSG-Frauen "begangen" wurde, das erklärt Carsten Behr so: Die Regeln sehen einen Punktabzug beim höchstklassigen Team vor. "Und das sind nun mal die Heilbronner Oberliga-Männer", sagt Behr.

Der Verein lässt sich nun juristisch beraten, prüft anwaltliche Schritte in verschiedene Richtungen und wird den Punktabzug wohl noch vorm Meisterschaftsfinale der Männermannschaft am Samstag anfechten. Verbandsmann Carsten Behr kann sich allerdings nicht daran erinnern, dass Verbands-Urteile in den vergangenen Jahren in höherer Instanz einkassiert worden wären. Da die neue Feldsaison schon in wenigen Wochen im September startet, sollte schnell ein letztinstanzliches Urteil her. Daniela Bamberg bleibt siegessicher, nicht nur was das Geschehen auf dem grünen Kunstrasen im heimischen Pfühl, sondern auch den grünen Hockey-Tisch anbelangt.

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