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Österreichische Gelassenheit in der Schlammschlacht

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Feuchtes Finale beim Frankenbacher Winter-Motocross: Nach sonnigem Zeitfahren trotzt Neurauter am erfolgreichsten den widrigen Bedingungen.

Von Dominik Knobloch
Auf Abwegen: Nicht nur junge Fahrer wie Lion Florian mussten mitunter unfreiwillig von der Maschine steigen. Die Schlacht mit dem Schlamm verloren viele.
Auf Abwegen: Nicht nur junge Fahrer wie Lion Florian mussten mitunter unfreiwillig von der Maschine steigen. Die Schlacht mit dem Schlamm verloren viele.  Foto: Veigel, Andreas

Die Reifen graben sich tief in die schmierige Erde. Dreck spritzt meterhoch durch die feucht-kalte Luft. Dumpf wabern die Vibrationen über die zerfurchte Strecke. Es ist eine wahre Schlammschlacht, der sich die 29 gezeichneten Motocross-Helden am Sonntagnachmittag im Frankenbacher Super-Finale tapfer stellen.

Am besten meistert die widrigen Bedingungen der Österreicher Lukas Neurauter. Beinahe eine Minute schneller als der zweitplatzierte Tscheche Petr Smitka flitzt er durch die tiefen Spurrillen am Pfauenhof. Dritter wird nach starker Aufholjagd der deutsche Favorit Dennis Ullrich.

Gemeinsames Saubermachen

Überzogen mit einer klebrigen Schmutzschicht wirkt Neurauters Siegerlächeln noch ein klein wenig strahlender. "Es war schon richtig schwierig und eine Herausforderung, hier zu fahren. Das liegt nicht jedem. Aber mir ist egal, ob es schlammig ist oder nicht - ich zieh" raus und hab" Riesenspaß", sagt der 26-Jährige mit typischer österreichischer Gelassenheit in der Stimme. Eines hat ihn aber doch ein wenig aus der Ruhe gebracht: "Der einzige Scheiß ist nachher, das Ganze sauber zu machen. Aber gemeinsam mit der Freundin und meiner Familie helfen alle zusammen. Die sind total fanatisch."

Zusammengehalten hatten auch die Fanatiker des Motocross-Clubs Frankenbach. Und damit den ersten großen Erfolg bereits vor dem wechselhaften Sonntag eingefahren. Nach den ergiebigen Regenfällen unter der Woche stand die 48. Auflage des Winter-Motocross" kurzzeitig nämlich komplett auf der Kippe. Doch der Verein setzte auf schweres Gerät und Wasserpumpen, um eine befahrbare Strecke zu stellen. Fiel die Konkurrenzveranstaltung in den Niederlanden ins Wasser, blieb der MCC auf Kurs. Und brachte die Starter zum Staunen. Besser als bei so manchem Weltmeisterschaftslauf seien die Umstände, lobten die Motocross-Fahrer.

Tausende drängen sich am Vormittag um den Kurs

Überflieger: Der Österreicher Lukas Neurauter verlor den Sieg selbst ohne die beschlagene Brille nicht aus dem Blick und sprang auf den ersten Platz.
Überflieger: Der Österreicher Lukas Neurauter verlor den Sieg selbst ohne die beschlagene Brille nicht aus dem Blick und sprang auf den ersten Platz.  Foto: Veigel, Andreas

Nicht nur deshalb hatte sich die Mühe gelohnt. Als am Sonntag um 8.30 Uhr das Freie Training begann, schien die Sonne über Frankenbach. Tausende drängten sich bereits am Vormittag um den Kurs. Auch sie hatten den Wetterbericht aufmerksam verfolgt. Und er sollte Recht behalten. Ging der Qualifikationslauf der 250 Kubikzentimeter starken MX2-Klasse noch trocken über die Runden, kam der Regen bei der Quali der 450 Kubikzentimeter schweren MX1-Klasse nachmittags zurück. Da war auch der MCC machtlos. Die Bedingungen wurden immer schlechter, das Wetter erst nach Stunden wieder besser.

Als das Starterfeld für das gemeinsame A- und B-Finale ausgefahren war und eine einstündige Zwangspause auf dem Programm stand, flüchteten viele Zuschauer vor den Schauern. Auch so mancher Fahrer verzichtete lieber auf den kleinen Endlauf. Nicht so MCC-Lokalmatador Lars Reuther. Im 15er-Feld kam er allerdings nur als Elfter über die Ziellinie. Sieger wurde Bernhard Ekerold vor Tobias Linke und Josiah Natzke.

Da wie dort geht es sauber zur Sache

Zu wenig Zeit war Reuther zur Vorbereitung geblieben. Die Reinigungsfirma der Familie bindet den Pleidelsheimer. Um das Frankenbacher Clubgelände vom vielen Dreck zu befreien, war allerdings Papa Reuther im Einsatz. Aber erst nach dem Super-Finale. Doch auch da ging es schon sauber zur Sache.

Hatte Dennis Ullrich im Qualifikationslauf noch seine Brille und dann mit Dreck im Auge die Sicht verloren, bewies er beim Start im Endlauf absoluten Durchblick. Von Platz 18 rauschte er an die Spitze des Feldes. Halten konnte der Titelverteidiger die Führung nicht: "Ich bin leider zweimal in die falsche Rille rein, da kann man bei diesen Bedingungen kaum noch bestimmen, wo es hingeht. Dann bin ich eben zweimal umgeknickt."

Beschlagene Brillen, verdreckte Gashähne

Damit war Ullrich in guter Gesellschaft. Neben dem Kampf um Positionen war es für die Fahrer vor allem eine Schlacht mit dem Schlamm. Beschlagene Brillen, ein verdreckter Gashahn - das Winter-Motocross in Frankenbach war diesmal ein tückische Generalprobe.

Und Gelassenheit war an vielen Fronten von Vorteil.
 


 

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