Stimme+
Volleyball

Noch ist beim SV Sinsheim längst nicht überall Musik drin

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Beim glatten 3:0-Sieg gegen Beiertheim nach vierwöchiger Pause glänzt der SV Sinsheim nur in manchen Phasen. Trainer Peter Lember ist in Teilen mit der Leistung seiner Spielerinnen zufrieden.

Am Block: Die Sinsheimerinnen Johanna Resch (links) und Marie-Christin Werner (Mitte) gegen Beiertheims Vanessa Petri. Foto: Klaus Krüger
Am Block: Die Sinsheimerinnen Johanna Resch (links) und Marie-Christin Werner (Mitte) gegen Beiertheims Vanessa Petri. Foto: Klaus Krüger  Foto: Krüger, Klaus

Da stand Peter Lember also und wusste nicht so richtig, was er von diesem Abend halten sollte. Sicher, seine Drittliga-Mädels hatten gerade ihren dritten Sieg im dritten Saisonspiel eingecheckt. Nach vierwöchiger Pause. Am Ende stand für den SV Sinsheim gar ein glattes 3:0 (25:18, 25:18, 27:25) gegen den SV Karlsruhe-Beiertheim. Und doch war der Trainer der Kraichgauerinnen nur in Teilen zufrieden. "Es war ein komisches Spiel", sagte Lember.

Dass es kein Wunschkonzert werden würde, zumal für ihn als Trainer, das war Lember bereits von vorneherein bewusst. "Das gibt es immer nur sonntags zwischen 19 und 21 Uhr", scherzte er in Anlehnung an Radiosendungen.

In Gedanken waren die Spielerinnen noch woanders

Anstatt aber überhaupt mal Musik zu spielen, gab es nur eine Kakophonie, eine schlecht klingende Folge von Tönen. Nichts passte richtig zusammen, nichts klappte, rasch stand es 0:4, 1:6, 3:10. "In Gedanken waren wir ganz woanders, noch in der Kabine vielleicht." Aber eben nicht da.

Der Harmoniemeister kochte innerlich ob der ungeheuren Ungenauigkeit seines Ensembles. "Aber äußerlich habe ich mir nichts anmerken lassen, die Ruhe bewahrt." Eine weise Entscheidung, die Ruhe übertrug sich, mit dem Punkt zum 9:14 verstimmten die Misstöne. Vanessa Rühl übernahm die erste Geige, gab mit ihren starken Aufschlägen den Ton an, dem das Sinsheimer Orchester nun folgte. Die Folge: ein 11:0-Lauf bis zum 20:14. Der Rest: kein Problem. Der erste Satz gewonnen. "Wir haben dominiert", war Peter Lember nun zufriedener.

Das Publikum, das an diesem Abend in kleiner Besetzung gekommen war, es waren nur 48 Zuschauer zugelassen, war das auch. Die Stimmung war jedenfalls gut, das Publikum trug seinen Teil zum Konzert bei. Vor allem die mit der großen, lauten Trommel ausgestatten Herren II des SV Sinsheim. Kleinere Pausen überbrückten sie, indem sie die typische Melodie der Quizsendung Jeopardy pfiffen.

Froh, überhaupt vor Zuschauern spielen zu dürfen

Das Zusammenspiel mit dem Publikum funktionierte. Wenngleich die gelichteten Reihen nicht jedem gefielen. "Wir wollen einfach vor mehr Zuschauern spielen", erklärte Kim Anna Kretzler, die Zuspielerin fand es ungewohnt. Aber in diesen Zeiten, "müssen wir froh sein, dass wenigstens 50 Leute da sein durften."

Die gaben ihr Bestes, beflügelten die Mädels auch im zweiten Satz. 6:0, 9:2, 10:4: Sinsheim hatte seinen Takt gefunden, hielt das Tempo hoch, setzte Akzente. "Da gab es nicht viel zu meckern", lobte der Trainer das 25:18. Viel sprach nicht dafür, dass sich das noch einmal ändern würde.

Im dritten Satz liegt Sinsheim 8:16 zurück

Doch für Sinsheim typisch, folgte im dritten Satz ein Bruch. Statt die Partie locker nach Hause zu spielen, liefen die Gastgeberinnen wieder einmal einem Rückstand hinterher, lagen mit 8:16 zurück. "Ich glaube bald, die machen das, um mich zu ärgern", unkte der Trainer. Es war halt kein Wunschkonzert, umso mehr freute er sich, dass seinem Ensemble eine Umkehrung gelang. Beim 19:19 war der SV Sinsheim wieder dran, setzte dann auch den Schlussakkord.

Im Staccato donnerte Angelina Schatz im Finish die letzten Bälle beinahe schon wütend über das Netz, jeder einzelne ein Paukenschlag. Beim 27:25, ihrem fünften Punkt in Folge, war dann Schluss. 3:0. Und das Fazit: "Wir haben uns ohne Hektik und Stress selber aus dem Tief gezogen", sah Peter Lember das Positive. Der Gegner war konsterniert. "Schade, wir hätten wenigstens einen Satz verdient gehabt", sagte Beiertheims Trainer Sebastian Kaschub. Aber Volleyball ist eben kein Wunschkonzert.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben