Neues Jahr, neue Umgebung für Nationalmannschaftsturner Milan Hosseini
Milan Hosseini von der TG Böckingen hat vom Stützpunkt Berlin nach Stuttgart gewechselt. Alles über die Hintergründe und die Folgen.

Silvester bei Freunden in Frankfurt. In gemütlicher Runde den Ausklang eines zehrenden Jahres feiern, das hat Milan Hosseini gut getan. Ohne zu viel Zeit zu investieren, denn sein 2026 startet nicht erst gemütlich nach Dreikönig. Turner sind Disziplin-Menschen – und jeder Tag, an dem sie ihren Körper nicht gezielt trainieren, bringt spürbare Folgen mit sich. Die enormen Belastungen sind alles andere als ein Zuckerschlecken. Doch wer zu viele Einheiten schleifen lässt, bekommt die Rückmeldung. Prompt und umso heftiger.
Hosseini: „Ich werde im Januar viel Muskelkater haben“
Milan Hosseini weiß nur zu genau, welch anstrengende Phase vor ihm liegt, sagt daher offen und ehrlich: „Ich werde im Januar viel Muskelkater haben. Es gibt Dinge, die mehr Spaß machen.“ Doch: Der 24-Jährige von der TG Böckingen hat einen „guten Plan“ – eben jenen wird er mit der gebotenen Akribie umsetzen. Und viel Motivation, denn das Mitglied des Eliteteams der Sporthilfe Unterland ist mit einem anderen Dreh ins neue Jahr gestartet, nachdem sich in seinem Alltag mächtig viel verändert hat. Der EM-Dritte von 2023 hat den Stützpunkt gewechselt, ist von Berlin – wo er mit 14 Jahren ins Internat gezogen ist – nach Stuttgart und trainiert nun beim WM-Dritten von 2007, Thomas Andergassen, und dem Neckarwestheimer Rainer Arnold.Ohne Zoff. Ohne Abwerben. Ohne Druck.
Mehr Zeit für die Familie
Der Grund: Brian Gladow, Hosseinis langjähriger Trainer, hat dem Fleiner schon im Sommer 2025 mitgeteilt, dass er zugunsten seiner Familie künftig weniger reisen und seinen Umfang reduzieren möchte. Weil das mit dem extrem hohen zeitlichen Aufwand eines Mitglieds der Nationalmannschaft nicht praktikabel ist, hat Milan Hosseini Alternativen gesucht, Probetage an den Stützpunkten in Cottbus, Hannover und Stuttgart absolviert, zahlreiche Gespräche geführt, darunter mit Männer-Bundestrainer Jens Milbradt und viel überlegt. Lange. Reiflich. „Mich hat es schon getroffen“, sagt Milan Hosseini, „denn ich habe sehr eng mit Brian zusammengearbeitet.“ Zudem hat er ein Jahrzehnt in der Hauptstadt verbracht.
Liste mit Plus- und Minuspunkten erstellt
Doch der Mann aus Flein, der in Paris 2024 als Ersatzmann unter den Zuschauern in der Arena von Bercy gesessen hat, möchte seinen Traum von den Olympischen Spielen in Los Angeles 2028 verwirklichen. Daher ist ihm schnell klar, dass nun die Zeit für eine Veränderung gekommen ist. Ein großer Schritt, für den alles passen muss. Also macht sich Milan Hosseini eine Liste mit allen Plus- und Minuspunkten für jeden Standort, geht alle Optionen zigfach durch, um sich sicher zu sein.

Mit Freundin Linda und 56 Kartons nach Esslingen
„Ich wollte nicht hinterher zweifeln“, erklärt Milan Hosseini den längeren Prozess, „daher habe ich gewartet bis es sich für mich richtig anfühlt.“ Das Ergebnis: „Die Arbeit mit Thomas Andergassen hat mir am besten zugesagt.“ Nun trainiert der ehemalige Unterländer Sportler des Jahres mit seinen Nationalmannschaftskollegen Timo Eder und Gabriel Eichhorn im Stuttgarter Kunstturnforum. Seit 1. Dezember wohnt Milan Hosseini in Esslingen. Ein großer Aufwand – nicht nur wegen der 56 Kartons –, den primär Freundin Linda geschultert hat. In Berlin haben sie zusammengelebt, nun auch im Süden. „Das waren sehr stressige Wochen, das würde ich ungern nochmal machen. Die Fahrerei war der Wahnsinn“, sagt Hosseini. Noch passt nicht alles, Geduld ist gefragt.
Ziel für 2026: Qualifikation für Europa- und Weltmeisterschaft
Die hat der Boden-Spezialist auch ob seiner hartnäckigen Nackenprobleme in Folge eines Sturzes vor knapp einem Jahr gebraucht. Nach der Heim-EM Ende Mai in Leipzig mit Platz vier im Mannschaftsfinale hat Milan Hosseini keinen Wettkampf mehr bestritten, stattdessen ungezählte Reha-Übungen und Termine bei Physiotherapeut Cyrus Salehi in München hinter sich gebracht. Seine Ziele für 2026: Wieder absolut fit werden, denn: „Ich will unbedingt die Qualifikation für die EM und WM schaffen, sonst hätte ich nicht gewechselt. Ich will das Maximale rausholen und Bestandteil des Nationalteams bleiben.“
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