Moritz Böhringer über die gewaltigen Unterschiede zwischen GFL und NFL
Football-Spieler Moritz Böhringer hat sein Glück in der NFL, der größten Liga der Welt, versucht. Jetzt ist er zurück in Deutschland - und will sich mit den Schwäbisch Hall Unicorns einen Wunsch erfüllen.

Von der kleinen German Football League (GFL) in die Liga der Superlative und zurück: Für Moritz Böhringer ist das Abenteuer in der National Football League (NFL) beendet. Aus den USA ist er im Frühjahr zu den Schwäbisch Hall Unicorns zurückgekehrt. Während die eine als die umsatzstärkste Liga der Welt gilt, versucht die andere mehr zu sein als eine Randsportart. Der größere Stellenwert ist nicht der einzige Unterschied, den Böhringer in seiner Zeit in den USA festgestellt hat – zumal er sich auch selbst von anderen Spielern ziemlich unterscheidet.
Herr Böhringer, haben Sie heute schon einen Döner gegessen?
Moritz Böhringer: Heute noch nicht, vorgestern hatte ich einen.
Das war, neben der Kässpätzle der Mama, die Speise, die Sie in den USA am meisten vermisst haben.
Böhringer: Ja, genau. Seit ich wieder hier bin, habe ich fast jede Woche einen gegessen.
Deutlich größer als der kulinarische Unterschied dürfte im Vergleich zum Football in Deutschland der spielerische gewesen sein.
Böhringer: Auf jeden Fall! GFL und NFL kann man nicht vergleichen. Aber am Ende ist es immer noch Football, es soll Spaß machen.
Was sind die footballerischen Hauptunterschiede?
Böhringer: In Deutschland ist Football zu spielen kein Job. Man ist einfach müde, wenn man vor dem Training normal gearbeitet hat. Es ist logisch, dass das Niveau niedriger ist.
Haben sich die Niveauunterschiede in der Saisonvorbereitung bemerkbar gemacht?
Böhringer: Ja, aber das ist kein Problem. Es ist ja nicht so, dass gar nichts klappt – und Spaß macht es trotzdem.
Sie selbst unterscheiden sich ja von vielen anderen Akteuren, weil sie es als erster Spieler aus Europa ohne College-Erfahrung zu einem NFL-Team geschafft haben. Wie war der Start damals?
Böhringer: Es war manchmal viel auf einmal, weil die ganze Vorbereitung gefehlt hat, einen Sport professionell zu betreiben. Zuvor hatte ich Football als Hobby betrieben. Das änderte sich von einem Moment auf den anderen.
Galt es, Dinge neu zu lernen?
Böhringer: Der Hauptunterschied ist, dass es viel detaillierter zugeht. Die Spielzüge sind präziser vorgegeben, man muss die Routen präziser laufen. Es sind viele kleinere Dinge, die unterschiedlich waren.
Auch die mediale Aufmerksamkeit war eine andere. Sie waren plötzlich – dank Ihrer außergewöhnlichen Vorgeschichte – ein Gesicht in den Medien.
Böhringer: Das war das Übel, das ich mitnehmen musste (schmunzelt). Ohne die mediale Aufmerksamkeit denke ich nicht, dass ich genügend Reichweite gehabt hätte, um gedraftet zu werden (im US-Profisport werden Nachwuchsspieler beim Draft von den Klubs ausgewählt, Anm. d. Red.). Andererseits hat es keinen Spaß gemacht, im Mittelpunkt zu stehen.
Einiges war eben ungewöhnlich an Ihnen. Zum Beispiel haben Sie anfangs den Weg zum Trainingsgelände zu Fuß zurückgelegt.
Böhringer: Ich wollte den Aufwand nicht betreiben, ein Auto zu kaufen, ohne zu wissen, wie und ob es in den USA für mich weitergeht. Es waren vielleicht 15 Minuten Laufzeit, das ist jetzt auch nicht so viel.
Es ging so weiter, dass Sie bei zwei Klubs im Practice Squad landeten (Teil eines Teams, das nicht spielberechtigt ist, aber am Trainingsbetrieb teilnimmt, Anm. d. Red.). Wie unterscheiden sich die Spieler in den Trainingsgruppen von denen im 53-Mann-Stammkader?
Böhringer: Während der Woche machten wir das klitzegleiche, sogar eine Einheit mehr. An den Spieltagen sind wir hin und wieder mit zu den Auswärtsspielen gefahren. Bei den Heimspielen sind wir drei Stunden vor Spielbeginn ein paar Routen (vorgegebene Laufwege, die Teil der Taktik eines Teams sind, Anm. d. Red.) im Stadion gelaufen. Der einzige größere Unterschied ist, dass man beim Spiel nur an der Seitenlinie steht.
Wie fühlt sich das an?
Böhringer: Man muss den Fakt akzeptieren, dass man nicht aufs Feld darf. Natürlich will man das, aber ein NFL-Spiel aus der ersten Reihe zu sehen, ist auch nicht schlecht. Man befindet sich im Zwiespalt, aber es ist kein Grund, sich unnötig aufzuregen.
Gibt es Neid unter den Spielern?
Böhringer: Das würde ich nicht sagen. Jeder bringt seine Leistung und solange das jeder macht, denke ich nicht, dass jemand neidisch ist. Jeder weiß, wie hart der andere arbeitet.
Ein NFL-Spiel zu bestreiten, war Ihnen nicht vergönnt. War der Sprung zu groß?
Böhringer: Es hat an Kleinigkeiten gelegen. Man braucht die richtige Situation, ein bisschen Glück. In meinem ersten Jahr waren Spieler verletzt, da durfte ich aus dem Practice Squad heraus aber nicht aktiviert werden. Im zweiten Jahr war ich an der Wade verletzt. Im letzten Jahr wurde die Grenze der Kadergröße für die Vorbereitungszeit von 90 auf 80 heruntergesetzt – und wir waren 82, darunter viele Talente.
Was hat letztlich gefehlt?
Böhringer: Ein bisschen Glück, ein bisschen College-Erfahrung – wahrscheinlich die Kombination aus allem. Ich habe mich jedenfalls nicht so gefühlt, als würde ich dort nicht hingehören. Ich war nicht unterlegen, aber es gibt eben viele Spieler, die gut sind.
War es ein Fehler, in die USA zu wechseln?
Böhringer: Auf keinen Fall. Allein schon wegen der Erfahrungen, die ich gesammelt habe. Ich würde es wieder so machen, selbst wenn es wieder das Practice Squad werden würde.
Ihr Verein in Deutschland, die Schwäbisch Hall Unicorns, wurden in Ihrer Abwesenheit zweimal Deutscher Meister.
Böhringer: Jetzt bin ich wieder hier, um das auch mal zu erleben.

Was läuft im Training hierzulande anders?
Böhringer: In der NFL geht man vor den ersten Saisonspielen in ein Trainingscamp, wo man sich 24 Stunden am Tag, jeden Tag die Woche mit Football beschäftigt. Hier hatten wir wegen der Corona-Pandemie zum Glück überhaupt Training.
In die USA gingen Sie als Wide Receiver, zurück kamen Sie als Tight End – wie funktioniert so ein Positionswechsel?
Böhringer: Im Prinzip war es gut, drüben als Receiver angefangen zu haben, weil es da vor allem ums Laufen geht. Als Tight End braucht es mehr footballerisches Verständnis. Man muss lernen, zu blocken und an Masse zulegen.
Hat letzteres geklappt?
Böhringer: Es hat am Anfang ein bisschen gebraucht, das Gewicht geht immer in Etappen hoch. Man muss viel essen, so habe ich 15 Kilogramm zugelegt.
Auf welcher Position werden wir Sie hier sehen?
Böhringer: Viel als Tight End, ein bisschen draußen als Receiver. Einfach überall (lacht).
Wo sehen Sie Ihre Zukunft abseits des Football?
Böhringer: Ich will jetzt zunächst mein Studium abschließen. Eine Rückkehr in die USA ist immer noch Teil der Pläne, aber ich möchte mir jetzt erstmal kürzere Ziele setzen.
Welchen Reiz haben die USA?
Böhringer: Ich mag, dass dort mehr Platz ist. In Deutschland ist alles näher beisammen, ich mag hingegen den weiten Raum. Es gibt viele Unterschiede innerhalb der USA, gerade landschaftlich. Deshalb verlassen die Einheimischen auch so selten ihr Land zum Urlauben.
Und die Kässpätzle gibt's dann nur selbstgemacht?
Böhringer: Ja, die habe ich drüben schon ein paar mal selbstgemacht. Das geht ja noch, aber täglich einen Döner selber machen? In Florida habe ich einen guten Dönerladen gefunden, der war schon richtig gut. Aber in zwei, drei anderen, in denen ich war – das kann man nicht als Döner bezeichnen.
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