Mit 20 bei Olympia: Laura Raquel Müller aus Verrenberg schafft den Sprung nach Paris
Weitspringerin Laura Raquel Müller aus Öhringen-Verrenberg ist für die Olympischen Spiele in Paris nominiert worden. Ihr Trainer Tamas Kiss hält ein Versprechen.

Es gibt viele Wege, Träume wahrzumachen. Bei Laura Raquel Müller kommt die Überraschung digital daher. Die wunderbare Nachricht landet am Freitagmittag auf ihrem Smartphone. Um 13.33 Uhr. Kurioserweise ist der Hintergrund in Schwarz gehalten. Eine Farbe, die ihre Gefühle konterkariert. Laura Raquel Müller leuchtet, denn: Die Weitspringerin der ULG/TSG Öhringen ist bei Olympia dabei, vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) wie Malaika Mihambo und Mikaelle Assani für die Spiele in Paris nominiert worden.
"Wir sind glücklich und stolz, dass du nun offiziell Teil von Team Deutschland bist und die deutschen Farben bei den Olympischen Spielen in Paris vertrittst. Du hast lange auf diesen Moment hingearbeitet. Jetzt hast du es geschafft!" So steht es auf der Willkommensnachricht. Wahre Worte. Und doch Sätze, die Laura Raquel Müller erst einmal verarbeiten muss: "Das ist mein absoluter Traum", sagt die junge Frau aus Verrenberg im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. "Ich raffe das noch gar nicht - vermutlich tu ich das erst, wenn es losgeht." Olympia startet am 26. Juli, die Leichtathletik-Wettkämpfe beginnen jedoch erst in der zweiten Woche.
Laura Raquel Müller wird am Sonntag in Düsseldorf für die Olympischen Spiele in Paris eingekleidet
Am Sonntag reist Laura Raquel Müller nun erst einmal nach Düsseldorf. Auf dem Messegelände werden alle Olympia-Fahrer eingekleidet. Drei Stunden lang rein in die Klamotten, raus aus den Klamotten. Sie hat sich mit Kugelstoßerin Alina Kenzel vom VfB Stuttgart zusammengetan, gemeinsam erleben sie zum ersten Mal dieses Prozedere, es werden aufregende Stunden für die Olympia-Novizinnen. "Dann komme ich mit einem vollgepackten Koffer wieder und darf erstmal waschen", sagt Laura Raquel Müller und lacht. "Was danach noch alles auf mich zukommt, da lasse ich mich einfach überraschen."
Hinter dem Mitglied des Olympia-Perspektivteams der Sporthilfe Unterland liegt eine Achterbahn der Gefühle. Am Sonntag ist die Hohenloherin bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig gestürzt. Ein unglücklicher Stolperer an der Kante der Weitsprung-Grube, der eine starke Prellung nach sich zieht. Diese lässt sie in Mannheim physiotherapeutisch behandeln. Ein MRT unter der Woche bringt zudem Sicherheit, dass die Kniescheibe nicht gebrochen ist. Laura Raquel Müller hat einen dritten Versuch gemacht, um vielleicht doch noch ins Finale zu rücken - und um nicht diesen Schrecken als letztes Bild im Kopf zu behalten. Sie sagt: "Das sind meine berühmtesten Meisterschaften gewesen, ich bin noch nie so aufgefallen."
Müllers Bauchplatscher wird von der Sportschau inszeniert
Bei den Bildagenturen schafft es ihr Bauchplatscher auf den Rasen des Eintracht-Stadions in die Topgalerie des Tages, selbst die Sportschau inszeniert ihr Missgeschick. Als Zehnte der Titelkämpfe ist die letzte sportliche Chance dahin, doch noch die als Direktnorm geforderten 6,86 Meter zu springen.
Aus der Hallensaison hat die EM-Dritte der U 20 ihre Bestleistung mit 6,81 Meter, dazu 6,73 Meter als Bestätigung - und einen Platz unter den besten 32 Weitspringerinnen im bereinigten sogenannten World-Ranking. Damit schlägt der nationale Verband Laura Raquel Müller für Olympia vor, und am Freitagmittag bestätigt der DOSB die Nominierung.
Trainer Tamas Kiss zahlt ein schlichtes Tattoo
Das hat auch Folgen für Müllers Trainer Tamas Kiss. Er hat seiner Athletin nämlich versprochen, ihr ein Tattoo zu bezahlen, wenn der jungen Hohenloherin der Sprung nach Paris gelingt. "Es sollen die Olympischen Ringe werden, im Nacken. Aber nur schwarz, ganz schlicht", sagt Laura Raquel Müller. Tamas Kiss wird sein Wort halten. Mit reichlich Stolz in der Stimme meint er: "Mit 20 Jahren zu Olympia, das ist schon eine große Sache."

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