Stimme+
Tischtennis

Mehr als nur die große Schwester

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Alexandra Kaufmann will bei Tischtennis-Drittligist Neckarsulm den Spaß am Spiel wiederfinden. Beim Debüt schaut ihre kleine Schwester zu, die gerade erst bei Olympia für Schlagzeilen gesorgt hat. 

Gelungener Start im Neckarsulmer Trikot: Alexandra Kaufmann steuerte zwei Siege zum 6:2-Auftakterfolge gegen Rastatt bei.
Fotos: Alexander Bertok
Gelungener Start im Neckarsulmer Trikot: Alexandra Kaufmann steuerte zwei Siege zum 6:2-Auftakterfolge gegen Rastatt bei. Fotos: Alexander Bertok  Foto: Bertok, Alexander

Eine schnelle Umarmung nach dem verwandelten Matchball, dann ist die kleine Schwester auch schon wieder weg. Annett Kaufmann drückt Alexandra Kaufmann am Sonntagnachmittag in der Neckarsulmer Ballei fest an sich, es ist Glückwunsch und Abschiedszeremonie in einem. Die beiden sind nun wieder in getrennten Tischtenniswelten unterwegs. Die Nationalspielerin musste am Sonntagnachmittag direkt los, zum Flughafen nach Frankfurt. Der Flieger nach Peking zum WTT Smash der besten Tischtennisspielerinnen der Welt wartete nicht. Mutter Anna fungierte als Chauffeurin. Davor hatte es sich Nationalspielerin Annett nicht nehmen lassen, der großen Schwester bei ihrem Drittligadebüt für die Sport-Union Neckarsulm die Daumen zu drücken, ein bisschen olympischen Glanz auf der Tribüne zu verteilen.

Kaufmann junior ist aktuell der hellste Stern am deutschen Tischtennis-Firmament. Als Ersatzspielerin war der Teenager nach Paris gereist, rutschte ins Team und führte die deutschen Frauen beinahe im Alleingang im olympischen Teamwettbewerb auf Rang vier. Der Hype direkt nach den Olympischen Spielen sei schon groß gewesen, sagt die junge Frau aus Bietigheim-Bissingen, die vor kurzem ihr Abitur mit einem Schnitt von 2,0 bestanden hat.

Annett wird nun auch mal auf der Straße erkannt 

Die vielen Sponsorenanfragen sind neu. Und auch das hier: „Ich werde jetzt auch mal auf der Straße erkannt“, sagt sie. Ihre Herangehensweise ist dabei nicht anders als in den magischen Tagen von Paris: „Ich gehe das recht gelassen an“, sagt sie und lächelt. Alles andere als gelassen wirkte ihre große Schwester am Sonntag. „Ich war total nervös“, sagt sie nach dem 6:2-Heimsieg gegen Aufsteiger TTF Rastatt. Einen Sieg im Doppel an der Seite von Ronja Mödinger und einen klaren Einzelsieg steuerte sie dafür bei.

Sie will in Neckarsulm die Freude am Tischtennis wiederfinden, der ihr kurioserweise in jenem Alter verloren ging, in dem ihre Schwester nun gerade ihren großen internationalen Durchbruch gefeiert hat, mit gerade einmal 18 Jahren. „Der Spaß am Tischtennis war eine Zeit lang weg bei mir“, sagt sie. Auch Alexandra Kaufmann galt lange als das große deutsche Tischtennis-Talent, irgendwann stagnierte sie sportlich. In den vergangenen Jahren verschoben sich bei der heute 22-Jährigen die Prioritäten. „In der 1. Liga war ja klar, egal wie sehr ich trainiere, ich kriege zu 95 Prozent einen auf die Kappe“, sagt sie über die Zeit in Böblingen. Nun studiert sie als angehende Realschullehrerin in Ludwigsburg an der Pädagogischen Hochschule Geschichte und Sport.

Neckarsulms Trainer Christian Hofmann kennt sie von Lehrgängen, die neuen Mitspielerinnen aus dem Stützpunkt-Training, von Meisterschaften und Turnieren. Das hat das Ankommen menschlich wie sportlich vereinfacht. Nun ist sie Teil eines Neckarsulmer Sextetts aus Spielerinnen, die allesamt aus der Region stammen, wozu auch Bietigheim-Bissingen gezählt werden darf.

Zwei Vereine im gleichen Trikot 

Der Start am Sonntag stand unter dem Motto „schöner siegen“. Die neuen Trikots, mit viel Pink, gefallen den Damen sehr. Die Kaufmann-Schwestern tragen aktuell das gleiche Trikot-Modell von Tibhar. Annett für Erstligist Kolbermoor, Alexandra für Neckarsulm. „Nur die Sponsoren sind andere“, sagt Alexandra Kaufmann: „Mir gefällt es super.“

Nun immer als die „Schwester von“ vorgestellt zu werden, das ist kein Problem für die Ältere. „Ich kenne das noch von früher, da war es andersherum“, sagt die vier Jahre Ältere und lacht: „Ich freue mich für sie und finde schön, dass sie mir zuschaut.“ Das soll auch bei weiteren Heimspielen der Fall sein, sofern es der internationale und nationale Spielkalender für die junge Nationalspielerin zulässt.

Sport-Union Neckarsulm - TTF Rastatt 6:2

Hessenthaler/Minh-Thao Nguyen - Vydruchenko/Kiziuk 9:11, 11:5, 10:12, 14:12, 11:9 1:0

Mödinger/Kaufmann - Gaiser/Wormuth 5:11, 11:5, 11:3, 11:8 2:0

Hessenthaler - Kiziuk 11:7, 11:2, 11:8 3:0

Nguyen - Vydruchenko 11:8, 9:11, 7:11, 11:9 5:11 3:1

Mödinger - Wormuth 11:9, 7:11, 11:5, 8:11, 11:8 4:1

Kaufmann - Gaiser 11:8, 11:3, 11:5 5:1

Hessenthaler - Vydruchenko 9:11, 11:5, 4:11, 7:11 5:2

Nguyen - Kiziuk 11:6, 11:8, 11:2 6:2

Annett Kaufmann war als Olympia-Vierte mit dem deutschen Team eine der Entdeckungen von Paris. Am Sonntag schaute sie ihrer Schwester zu.
Annett Kaufmann war als Olympia-Vierte mit dem deutschen Team eine der Entdeckungen von Paris. Am Sonntag schaute sie ihrer Schwester zu.  Foto: Bertok, Alexander
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben