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Marktplatz der Anekdoten bei Hochsprung Heilbronn

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Athleten aus allen fünf Kontinenten starten bei Hochsprung Heilbronn am Wochenende.

Nachts in Heilbronn: Bis 23 Uhr haben die Macher und Helfer auf dem Marktplatz gearbeitet, um den Boden für die Hochspringer zu verlegen. Foto: Rosemarie Just-Espert
Nachts in Heilbronn: Bis 23 Uhr haben die Macher und Helfer auf dem Marktplatz gearbeitet, um den Boden für die Hochspringer zu verlegen. Foto: Rosemarie Just-Espert  Foto: privat

Ein Hochsprung-Meeting mit Jugend (Samstag, 11.30 Uhr), Frauen (Samstag, 15.15 Uhr) und Männern (Sonntag, 14.15 Uhr) ist eine ziemlich facettenreiche Veranstaltung. Ein (unvollständiger) Blick auf und neben die Anlage.

Olympische Ringe: Sie hängen derzeit am Eiffelturm. Denn dort starten in zwei Wochen die Olympischen Spiele. Die Leichtathletik startet traditionell in Woche zwei, das Hochsprung-Finale der Männer am 10. August um 19.10 Uhr - zur Primetime in Paris. "Trotz Olympia musste ich nicht viel reden", sagt Günter Eisinger. Der Athletenmanager von Hochsprung Heilbronn weiß, die Veranstaltung auf dem Marktplatz ist eines der letzten Kräftemessen vor dem Saisonhöhepunkt im Stade de France. Stolz ist er vor allem auf eines: Erstmals ist es ihm gelungen, Vertreter aller fünf Ringe, sprich aller fünf Kontinente, zu verpflichten. "Das ist etwas ganz Besonderes im Olympia-Jahr", meint der Hesse. Komplett gemacht hat den Reigen der Südafrikaner Brian Raats. Seine Flugdaten sind am Donnerstag eingetroffen, er am Freitag.

Männer-Freundschaft: Vor mehr als vier Jahrzehnten haben sich Günter Eisinger und Carl Georgevski kennengelernt. Damals sind beide Hochsprung-Nationaltrainer gewesen. Einer in Deutschland, einer in Kanada. "Wir waren jung, und in Deutschland gab es zwei Spitzentrainer: Dragan Tancic und Günter. Zwei komplett andere Typen. Gelernt habe ich von beiden, und meinen eigenen Weg gefunden", sagt Georgevski. Am Mittwochabend sind sich die Freunde um den Hals gefallen - wen wundert"s nach 30 Jahren. Der 70-Jährige aus Toronto ist einer der Teilnehmer des internationalen Trainerkongresses gewesen, der am Freitag im Parkhotel stattgefunden hat. Nach dem Tod des Sportwissenschaftlers Wolfgang Ritzdorf hat sich das Team des Trägervereins auch darum gekümmert. Aus Irland, der Schweiz, Japan und anderen Ländern sind Kenner angereist. Carl Georgevski hat einst Milton Ottey trainiert - ein alter Bekannter in Eberstadt -, ist heute noch Coach des Uni-Teams und sagt über seine Disziplin: "Wir brauchen Show-Typen, die auch Topathleten sind wie Gianmarco Tamberi."

Athleten von morgen: Ob Jacob Thomä wie der italienische Hosprung-Star auch mal Olympiasieger wird? Deutscher Schülermeister ist er schon. Und im Idealfalle am Samstag beim ersten Jugendspringen (11.30 Uhr) dabei. Daher hat Thomä am Donnerstag in der Praxis des Neckarsulmer Orthopäden Boris Brand vorbeigeschaut. Seines Rückens wegen. Vor einer Woche hat er sich verletzt. Dabei ist der 16-Jährige fit aus Kanada gekommen, wo er ein Jahr im Schüleraustausch - und die letzten zwei Wochen in Toronto verbracht hat: bei Carl Georgevski. Man kennt sich eben in der Hochsprung-Welt. Und hilft sich. Von Mittwoch auf Donnerstag hat der Teenager bei Christl Seethaler in Böckingen geschlafen. Mehr noch: Sie hat den Athleten in bester Mama-Manier verpflegt.

Hotel Mama: Und das nicht nur, weil ihre Tochter Niki Seethaler zu den Meeting-Machern gehört. Die ackern derzeit Tag und Nacht. Am Donnerstag haben sie mit fleißigen Helfern bis 23 Uhr den Boden für die Springer verlegt - und sich danach noch ein schnelles Feierabendbier genehmigt. "Das war eine tolle Mannschaftsleistung", sagt Oliver Blumenstock. "Dieses Herzblut spüren die Athleten wie das Publikum. Uns gibt es nur im Sechserpack." Dennoch brauchen sie Verstärkung, und die ist am Abend auch gekommen. Der neue Boden ist blau und neu - anders als der Belag aus Lausanne 2023 -, daher "konnten wir selber planen und optimieren", sagt Jacob Denzel. "Bei den Springern ist die Marke auch beliebt, weil sie nicht zu hart ist", meint Andreas Werner. Das Führungsteam ist eine Truppe, die sich bestens ergänzt.

Kuddelmuddel: Jeder hat seine ganz speziellen Jobs - und doch läuft vor einem Meeting längst nicht alles glatt. Im Mai sind bereits die Siegerpokale bestellt worden, doch statt drei für die Männer und drei für Frauen, sind am Freitag sechs für die Frauen geliefert worden. Wie gut, dass das Sextett kompetente, schnelle und unbürokratische Hilfe bekommen hat. Wenn am Sonntag der Männer-Sieger feststeht, erhält er auch einen Pokal - dank Familie Ebert von Stempel Hofmann in Heilbronn. Auch Clarisse Duarte, die Abgeordnete des Leichtathletik-Weltverbandes World Athletic ist noch rechtzeitig aus Portugal angereist. Das erste Ankunftsdatum hat 9. August gelautet. Etwas spät fürs Meeting. Am 10. Juli hat die Dame dann geschrieben, sie käme am 9. Juli - etwas problematisch. Dann lautet die Ansage, Ankunft am 9. Juli, Abflug am 12. - beide Termine liegen bekanntlich vor den Springen auf dem Marktplatz. Als der Fahrer am Freitag um 9.40 Uhr am Stuttgarter Flughafen gestanden hat und Miss Duarte fehlt, ist die Lösung flott gefunden. Sie landet erst 9.40 p.m. Irren ist menschlich!

Probe für Paris: In Heilbronn sind Springer aller fünf Kontinente dabei.
Foto: dpa
Probe für Paris: In Heilbronn sind Springer aller fünf Kontinente dabei. Foto: dpa  Foto: Stefano Rellandini
Die Australierin Eleanor Patterson ist Titelverteidigerin bei Hochsprung Heilbronn. Die 28-jährige Weltmeisterin von Eugene hat eine Bestleistung von 2,02 Meter und ist Teil des illustren Feldes, das am Samstag um 14.15 Uhr startet.
Die Australierin Eleanor Patterson ist Titelverteidigerin bei Hochsprung Heilbronn. Die 28-jährige Weltmeisterin von Eugene hat eine Bestleistung von 2,02 Meter und ist Teil des illustren Feldes, das am Samstag um 14.15 Uhr startet.  Foto: Seidel, Ralf
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