Kein Mittel gegen den Nebel des Grauens
Warum gibt es immer wieder Schwierigkeiten mit Nebel in der Kolbenschmidt-Arena wie gestern beim DEL-2-Derby zwischen den Heilbronner Falken und den Bietigheim Steelers?

Thorsten Veigel packte das Problem mit Humor an. "Zu viele Raucher im Stadion", mutmaßte der Steelers-Fan angesichts des fehlenden Derby-Durchblicks am Sonntag, um die immer schlimmer werdende Nebelsuppe in der Heilbronner Kolbenschmidt-Arena später mit den Worten zu kommentieren: "Da kann man ja blinde Kuh spielen."
Gespielt wurde aber Eishockey. So gut es eben ging.
In den Dritteln zwei und drei des DEL-2-Lokalduells zwischen den Heilbronner Falken und den Bietigheim Steelers (2:5) waren die Nebelschwaden in der Eishalle so dicht, dass immer wieder Zwangspausen eingelegt werden mussten, in denen die Profis Kringel drehten, um die Luft in Bewegung zu bringen und so für kurze Zeit freie Sicht zu bekommen.
Vor allem für die beiden Torhüter Sinisa Martinovic und Niklas Deske wäre es ohne diese Unterbrechungen schwer gewesen, den Puck in der weißgrauen Wolke über dem Eis noch erkennen zu können.
Normalerweise dauert ein Eishockeyspiel etwa 2:15 Stunden, wenn es nicht in die Verlängerung geht. In Heilbronn vergingen am Sonntag drei Stunden, um die 60 Minuten reine Spielzeit über die Bühne zu bekommen.
OB war Zuschauer beim Nebel-Derby
Falken-Fan Armin Knaack schrieb auf der Facebookseite der Heilbronner Stimme vom "Nebel des Grauens", der sich übers Spiel gelegt habe. In modernen, gut belüfteten Hallen gibt es diese Problematik eigentlich nicht mehr, auch wenn es draußen warm ist. Doch die im November 2002 eingeweihte Heilbronner Arena ist bekannt für derlei (und noch viele andere) Schwierigkeiten. Oberbürgermeister Harry Mergel saß als Derby-Zuschauer auf der Haupttribüne und machte in den vielen Phasen mangelnden Durchblicks einen sehr gelangweilten Eindruck − so ging es in den zähen Pausen auch den restlichen 2713 Zuschauern.
Zuständig für die technischen Gegebenheiten in der Kolbenschmidt-Arena sind die Stadtwerke Heilbronn. "Wir hatten dort nachgefragt, welche Einstellung der Lüftung wir wählen sollen, um es bestmöglich hinzubekommen", sagte Falken-Geschäftsführer Atilla Eren auf Nachfrage der Heilbronner Stimme. "Wir hatten erwartet, dass es dieses Problem geben würde. Es gibt ja Erfahrungen aus der Vergangenheit." Doch ganz offensichtlich gibt es angesichts der baulichen Gegebenheiten keine Chance, Nebel in gewissen Situationen zu verhindern. "Die technischen Möglichkeiten der Halle sind eben begrenzt."
Nebel, der nicht zu vermeiden ist?
"Es gab die Aussage der Stadtwerke, dass es unter bestimmten Bedingungen, nämlich einer hohen Außentemperatur und einer großen Zuschauerzahl, nicht möglich ist, das zu vermeiden", berichtete Atilla Eren, der sich in dieser Thematik inzwischen sehr gut auskennt: "150 Watt strahlt jeder Zuschauer ab. Bei knapp 3000 Leuten in der Halle ist das dann eine einfache physikalische Rechnung. Da kondensiert die warme Feuchtigkeit halt über dem kalten Eis."
Der Falken-Geschäftsführer wird nun "versuchen, nochmal ein Gespräch mit allen Beteiligten anzuregen". Aber es dürfte sich improvisatorisch wenig verbessern lassen. "Ich habe schon probeweise Ventilatoren aufgestellt", erzählte Eren. "Aber das Problem ist, dass die feuchte Luft aus der geschlossenen Halle dann nicht raus kann. Das ist nicht wie in teiloffenen Stadien, in Bad Nauheim zum Beispiel, wo der Nebel weggeblasen werden kann."
Aus Sicht der Stadtwerke Heilbronn ist eine wesentliche Ursache des Problems, dass Türen während des Spiels nicht geschlossen seien. So komme etwa aus dem Bereich der Pistenbar viel warme Luft in die Halle. Das sei eine Angelegenheit desjenigen, der den Spielbetrieb organisiere, also der Falken-GmbH.
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