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Hockey-WM-Silber, ein bisschen „Made in Heilbronn“

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TSG-Heilbronn-Trainer Sven Lindemann hat mit Österreichs Frauen Deutschland geärgert und dem Außenseiter zu einem Coup verholfen.  

Alles im Blick: Sven Lindemann (links) bei einem Heimspiel der Heilbronner Hockey-Männer, neben ihm Co-Trainer Uwe Schöneck. Lindemann hat Österreichs Frauen zur WM-Silbermedaille im Hallenhockey geführt. Foto: Berger
Alles im Blick: Sven Lindemann (links) bei einem Heimspiel der Heilbronner Hockey-Männer, neben ihm Co-Trainer Uwe Schöneck. Lindemann hat Österreichs Frauen zur WM-Silbermedaille im Hallenhockey geführt. Foto: Berger  Foto: Berger, Mario

Am Dienstagmorgen musste Sven Lindemann seine WM-Silbermedaille abgeben. „Die durfte mit in den Kindergarten“, sagt der Vater von drei Söhnen und lacht. Der Mittlere wollte das funkelnde Edelmetall unbedingt allen seinen Freunden zeigen. Papa war ja auch lange genug dafür unterwegs und weg von daheim. Eigentlich ist Sven Lindemann seit vergangenem September Trainer der Hockey-Männer der TSG Heilbronn. Im Nebenjob verantwortet der Mitvierziger aber eben auch seit September 2023 als Cheftrainer den kompletten weiblichen Bereich in Österreich. Und am Sonntag holte er überraschend mit Österreichs Frauen Silber bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Porec (Kroatien). „Kaputt, aber sehr stolz auf das Team“, ist Lindemann. Siebeneinhalb Stunden Heimfahrt am Montag stecken auch einem Berufspendler in den Knochen. „Ich freue mich jetzt wieder auf meine Teams in Heilbronn“, sagt Lindemann, der mit seiner Familie in der Nähe von Nürnberg lebt.

Erster Sieg von Österreich gegen Deutschland  

Die WM-Woche in Porec war für Lindemann und seine Österreicherinnen eine voller Aufs und Abs. In der Vorrunde ging eine Partie verloren, im Halbfinale folgte dann das Aufeinandertreffen mit dem deutschen Team – mit geschichtsträchtigem Ausgang. Erstmals verlor eine deutsche Frauennationalmannschaft nämlich ein Duell mit dem kleinen Nachbarland. Wenn man auf den deutschen Kader blickt, hätten die Österreicherinnen die Partie nie und nimmer für sich entscheiden dürfen. „Es kam dann halt auch alles zusammen: Spielverlauf, Matchglück“, sagt Lindemann. Deutschland führte 2:0, Österreich glich zum 2:2 aus.

Und im Penaltyschießen setzte sich der Außenseiter durch. „Das war dann wie nach einem Disney-Film-Drehbuch“, sagt Lindemann: „Mir haben die deutschen Spielerinnen leidgetan. Es war ja ein Turnier, das sie nicht verlieren dürfen.“ Am Ende gab es fürs von Markus Weise (Doppel-Olympiasieger, Bruder Uli war lange als Trainer in Heilbronn) mitverantwortete Team nur Blech, Rang vier. Freuden-Tränen hingegen bei den WM-Finalistinnen. Österreich ist keine große Hockey-Nation. Auf dem Feld sind die Österreicherinnen in Europa nur zweitklassig. „Da wollen wir in den A-Pool rauf“, sagt Lindemann. In der Halle geht es auch mit einem kleinen Stamm aus Spielerinnen. „Es fehlt halt an der Masse“, sagt Lindemann. 45 bis 50 Spielerinnen gibt es pro Jahrgang in ganz Österreich. Vergleichbaren Output haben alle Hockeyvereine allein in Hamburg zusammen. Als Lindemann mit Österreichs Frauen mal in den Niederlanden zu einem Testspiel weilte, da verfügte allein der gastgebende Club über mehr Hockeyfelder als ganz Österreich.

Frust nach dem 0:1 im Finale 

Der ganz große Coup, WM-Gold, blieb Lindemanns Frauen aber verwehrt. Im Finale setzte sich Polen mit 1:0 durch. Auf einmal gab es anders als zuvor im Halbfinale eben doch etwas zu verlieren. Erst recht, weil die meisten Fans in Kroatien tatsächlich aus Österreich kamen, da auch die Männer im WM-Finale standen. „Das war einfach keine gute Partie“, sagt Lindemann übers Endspiel. Eine halbe Stunde lang hätten sich seine Spielerinnen geärgert, dann setzte wieder der Stolz auf WM-Silber ein.

Lindemann war lange in München tätig, über den Kontakt zum Sportdirektor des österreichischen Verbands kam der einstige U18-Bundestrainer zu seinem Nebenjob. „Ich fand es ganz cool, mal ein internationales Erwachsenenteam zu coachen, auch wenn es nicht die Niederlande, Belgien, Deutschland oder Indien ist“, sagt Lindemann, der auch die U21 verantwortet. Die Länderspiele sind meist in spielfreien Phasen. „Es ist ein klarer Nebenjob, und ich muss immer schauen, dass ich das alles unter einen Hut bekomme“, sagt Lindemann. Mit den Heilbronner Hockey-Männern ist er gerade mit einem jungen, unerfahrenen Team aus der Oberliga abgestiegen, auf dem Feld soll ab Mai der Klassenerhalt in der 2. Regionalliga gelingen. Was können seine TSG-Männer von Österreichs Frauen lernen? Dass man es mit Defensivstärke und wenigen Gegentoren weit bringen kann, findet Lindemann.

Medaille zum Anfassen für den Heilbronner Nachwuchs

Seine Heilbronner U10-Mannschaft, die im Unterland eifrig mitfieberte, durfte übrigens auch die WM-Medaille aus der Nähe bewundern. „Wenn sie in den Kindergarten muss, dann natürlich auch ins Training in Heilbronn“, sagt Lindemann – und lacht. 

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