Hochsprung Heilbronn: Symbiose zwischen Athleten und Fans
Die familiäre Atmosphäre bei Hochsprung Heilbronn sorgt für gute Leistungen und eine ungewöhnliche Fannähe.

Seit Mutaz Essa Barshim stolzer Papa eines Sohnes ist, kennt er auch die Perspektive eines Kindes und tut alles, um den dreieinhalbjährigen Josef strahlen zu sehen. Da unterscheidet sich ein Hochsprung-Olympiasieger nicht von jenen Familienvätern, die am Sonntag bei Hochsprung Heilbronn auf der Tribüne gesessen haben und im Anschluss an den Wettbewerb mit ihren Kindern auf der Anlage Autogramme gesammelt haben. Der 33-Jährige aus Katar hat alle Wünsche erfüllt, auf Shirts wie Tickets unterschrieben und für unzählige Fotos gelächelt. "Das gehört zu meinem Job", sagt er und lässt - auch dank Josef - kein Kind mit unerfüllten Wünschen zurück.
Sportler honorieren die Unterstützung der Zuschauer
Der freie Zugang zu den Stars bei der Veranstaltung auf dem Heilbronner Marktplatz zeigt aber auch, welch familiäre Atmosphäre bei aller Professionalität hier noch herrscht. Keine Absperrgitter, keine getrennten Bereiche. Die Profis wissen um die befruchtende Symbiose mit den Fans und sind gerne bereit, für die Unterstützung, das rhythmische Klatschen, Anfeuern und all die La-Ola-Wellen als Motivationsschub für die nächste Höhe etwas zurückzugeben.
Edgar Rivera, der Mexikaner, strahlt, als ihm eine Zuschauerin erzählt, dass ihr seine landestypische Musik am besten gefallen habe. "Das freut mich, dass wir den gleichen Geschmack haben. Musik ist etwas sehr Wichtiges", antwortet Rivera begeistert. Zuvor hat er nach fehlerfreien Flügen zur Freude der Fans auf der Matte den Pistolero gegeben. Kleine Einlagen, die eine Verbindung zu den Zuschauern aufbauen. Und Nähe schaffen. Wie bei Donald Thomas. Der 40-Jährige gibt den Spaßvogel und wird zum heimlichen Liebling - ohne dabei die sportliche Leistung zu vergessen. Am Weltrekord seiner Altersklasse scheitert der Entertainer von den Bahamas nur knapp.
Bei großen Meetings stehen die Hochspringer nicht derart im Mittelpunkt
"Für uns ist ein Traum in Erfüllung gegangen, ich hatte Gänsehaut", sagt Oliver Blumenstock am Sonntagabend bei der Pressekonferenz im Namen des sechsköpfigen Organisations-Teams. "Es war eine tolle Show und Atmosphäre." Brian Raats, der Springer-Novize aus Südafrika, sagt über sein erstes Mal in Heilbronn: "So eine Kulisse habe ich nicht erwartet, es war eine Erfahrung. Ich möchte gerne wiederkommen, denn ich habe noch so viel mehr zu geben."
Die Athleten genießen es, im Mittelpunkt zu stehen, die alleinige Aufmerksamkeit zu haben. Nicht wie bei internationalen Meisterschaften oder in knapp drei Wochen bei Olympia im weiten Rund des Stade de France nur Mitspieler zu sein. Auf dem Marktplatz in Heilbronn fokussieren sie in Ruhe die Latte, ist es - wenn gewünscht - mucksmäuschenstill. Hier bündeln sie ihre Energie für die Sprünge und verbrauchen keine, darauf zu achten, ob sie Läufer auf der Bahn behindern. "Wir müssen mehr solcher Meetings haben", sagt Clarisse Duarte vom Leichtathletik-Weltverband World Athletics, die viel Positives gesehen hat.
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