Hilfe für studierende Topathleten in Heilbronn
Wer studiert und gleichzeitig Leistungssport betreibt, braucht finanzielle und organisatorische Unterstützung. Wie das in Heilbronn funktioniert.

Einen passenderen Protagonisten als Serafin Schefold gibt es kaum. Eloquent und erfolgreich ist der sechsmalige Kunstrad-Weltmeister (im Elite Zweier mit Max Hanselmann) vom RV Öhringen. Nach seinem Bachelor in Wirtschaftsinformatik, steckt der 27-Jährige nun im Master-Studium in Management. Weil der Hohenloher vor zwei Monaten seine Karriere beendet hat, erzählt er am Donnerstagmittag in der Aula auf dem Bildungscampus entspannt aus der Praxis, wie er in Mannheim jahrelang vom Spitzensport-Stipendium profitiert hat. Dorthin ist Serafin Schefold nach zwei Jahren an der Hochschule Heilbronn gewechselt – „wegen des Sports“, wie er sagt.
Das müsste der Hohenloher nun nicht mehr, denn von jetzt ab gehören auch die Heilbronner Hochschulen mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), dem DHBW Center for Advanced Studies (CAS), der Hochschule Heilbronn (HHN) und der TU München Campus Heilbronn zu den Partnerschulen des Spitzensports. Möglich geworden ist dies durch das finanzielle Engagement der Dieter-Schwarz-Stiftung. Bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages sagt die Geschäftsführerin Silke Lohmiller: „Wir drücken die Daumen, dass es ein tolles Projekt wird.“
Nach Mannheim und Heidelberg nun auch Heilbronn
Die Voraussetzungen sind geschaffen. 2009 hat der Unternehmer Klaus Greinert das Spitzensport-Stipendium an der Uni Mannheim initiiert und unterstützt es seitdem konsequent. 2018 ist die Dietmar-Hopp-Stiftung als weiterer Förderer mit der Uni Heidelberg hinzugekommen. Nun auch Heilbronn.
Klaus Greinert erinnert sich an die Anfänge: „Es ist eine schwierige Geburt gewesen, weil es schwer war die Professoren davon zu überzeugen, dass das eine gute Idee ist.“ Für mehr als als 300 Leistungssportler ist es das, denn: Die Doppelbelastung von Spitzensport und Studium ist enorm. Zumal beides in der Rushhour des Lebens stattfindet.
„Die größte Herausforderung ist immer die zeitliche“, sagt Serafin Schefold. „Sport und Studium sind jeweils sehr zeitintensiv. Dazu kommt die Überlappung. Wenn du im Training bist, kannst du nicht gleichzeitig in der Vorlesung sein. Du musst immer alles abstimmen.“ Besonders knifflig sind auch Prüfungsphasen . Liegen sie vor oder nach einem Saisonhöhepunkt wie Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften, „ist das für die sportliche Vorbereitung suboptimal“, meint Schefold, „man schaut, wie man das hinbekommt.“
„Die größte Herausforderung ist immer die zeitliche.“
Serafin Schefold
In allen Bereichen hilft das Stipendium. Zunächst finanziell. Denn neben dem Training und den studentischen Aufgaben „kann man nicht noch arbeiten, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen“, sagt der Hohenloher Kunstradler und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Ich komme aus einer nicht-olympischen Sportart, entsprechend sieht es mit der finanziellen Ausbeute etwas dürftig aus.“ Da tun die 100 Euro Unterstützung im Monat gut.
Mehr Verständnis bei den Profs
Nicht allein der finanzielle Aspekt hilft weiter. Auch organisatorisch sind die Gesamtkoordinatorin und Spitzensportbeauftragte in Mannheim Sarah Seidl oder Jan Willner in Heilbronn wichtig. Weil sie auch das Bindeglied zu den Professoren sind und Verständnis für die besonderen Bedürfnisse der Spitzenathleten schaffen. „Es ist angenehm zu wissen, dass jemand da ist, der unterstützt und weiß, in welcher Situation man sich befindet, das nachvollziehen kann und den Sport entsprechend gewichtet“, sagt Serafin Schefold, „entsprechend hat man ein viel besseres Standing“. Sind die Möglichkeiten an der Hochschule institutionalisiert, ist bereits viel gewonnen.
Ein Tutor hat dem Erstsemester Serafin Schefold einst den harten Einstieg im Bereich Informatik erleichtert. Kleine Hilfe, große Wirkung. Einen weiteren positiven (Neben-)Effekt als Stipendiat verrät Eishockey-Nationalspielerin Lucia Schmitz: „Ich finde es total cool, dass man direkt eine Gemeinsamkeit und auch Basis mit den anderen Leistungssportlern hat.“
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