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Heiko Lüdemann aus Flein ist der Vincent Kompany des Tennis-Bezirks A 

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Mehr Doppel und gleichwertigere Wettbewerbe sind die ersten Ziele von Heiko Lüdemann, dem neuen Vorsitzenden der 158 Tennis-Clubs von Hohenlohe bis Ludwigsburg.

Steht mitten im Leben, steht seit mehr als einem Jahr dem TC Flein vor und fährt seine beiden Kinder regelmäßig auf Tennisplätze in der Region: Heiko Lüdemann. Der Mann aus Bremerhaven lebt seit 2011 in Flein.
Steht mitten im Leben, steht seit mehr als einem Jahr dem TC Flein vor und fährt seine beiden Kinder regelmäßig auf Tennisplätze in der Region: Heiko Lüdemann. Der Mann aus Bremerhaven lebt seit 2011 in Flein.  Foto: Seidel, Ralf

Der neue Mann an der Spitze des Bezirks ist ein unbeschriebenes Blatt – und eine ehrliche Haut. Warum übernimmt ein 61-Jähriger, der vor etwas mehr als einem Jahr sein erstes Ehrenamt im Tennis antrat, zum Vorsitzenden des TC Flein gewählt wurde, auch noch den Bezirksvorsitz? „Wenn man ehrlich ist: weil man sich einen Vorteil verspricht. Hätte ich keine Kinder, die Tennis spielen, hätte ich das Amt nicht übernommen“, sagt Heiko Lüdemann in seinem Wohn- und Arbeitszimmer in Flein.

„Hätte ich keine Kinder, die Tennis spielen, hätte ich das Amt nicht übernommen.“

Heiko Lüdemann

Seit zwei Wochen ist der Mann aus Bremerhaven, der sich über Stuttgart und Ludwigsburg dem Wohnort seiner Schwiegereltern annäherte, seit 2011 in Flein lebt, Nachfolger des Ludwigsburgers Hans-Joachim Seiz. Und will in den kommenden drei Jahren das Umfeld seiner ambitionierten Tochter (zwölf) und seines ambitionierten Sohnes (neun) optimieren – „und das Umfeld des Umfeldes“. Was kommt da auf den Maschinenbauingenieur zu? Und was auf die 158 Vereine und ihre Mitglieder?

Heiko Lüdemann packt an und hat ein sportliches Händchen

Heiko Lüdemann war ein „recht ordentlicher“ (Landesliga-)Fußballer, spielte in der Badminton-Bundesliga und brachte es als Golfer bis in die 2. Liga und zu Europameisterschaften, wie er erzählt. „Seit 18 Monaten habe ich aber kein Golf mehr gespielt.“ Weil jetzt Tennis die Nummer eins ist – bei seinen Kindern. Und somit auch beim anpackenden Vater mit dem sportlichen Händchen.

„Mitgliederzuwachs in einem Verein hat immer mit einem starken Vorstand oder Jugendwart zu tun“, sagt der Chef des TC Flein, der in seiner Amtszeit von 320 auf 370 Personen gewachsen ist. Heiko Lüdemann ist gut vernetzt, trifft sich regelmäßig mit Thomas Nolte (der Neckarsulmer ist ebenfalls Vater einer ambitionierten Tennisspielerin), Hansi Hochmuth (Trainer beim TC Lauffen) und Dirk Schwarzer (unter anderem Studiengangsleiter für Sportmanagement an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn und ehemaliger Sportdirektor der Heilbronn Open).

Vorgänger Hans-Joachim Seiz und Ursula Lilienfein haben geholfen

„Ich habe mich von Hans-Joachim Seiz über die Tätigkeiten aufklären lassen“, so Lüdemann, zudem helfe ihm die Bönnigheimerin Ursula Lilienfein. Die Medienbeauftragte führte den Bezirk die vergangenen Monate („Sie macht mir den Einstieg wahnsinnig leicht“). Bei der Versammlung in Ilsfeld stellte sich Lüdemann den 32 Vertretern der Vereine mit einem humorvollen Verweis auf die langwierige Trainersuche beim FC Bayern München vor: „Ich bin der Vincent Kompany des Tennis-Bezirks, der Letzte, der übrig ist.“

„Ich bin der Vincent Kompany des Tennis-Bezirks, der Letzte, der übrig ist.“

Heiko Lüdemann

Was will Heiko Lüdemann anpacken? „Ich sehe mich zunächst einmal als Dienstleister für die Vereine.“ Dass in Ilsfeld kein Sportwart gefunden werden konnte, sieht er als Problem: „Das ist das entscheidende Amt – das ein Stück weit an mir hängenbleiben wird. Da suche ich noch Mitstreiter.“ Seine Arbeitsschwerpunkte hat er in einem Grundlagenpapier formuliert, zwei Din-A4-Seiten lang.

Zu viele Angebote sind ihm bezahlpflichtig

Es geht ihm um die Mitgliederentwicklung, das Training („Mir sind zu viele Angebote bezahlpflichtig, Golf ist fast billiger als Tennis“), Nachhaltigkeit („Schon bei der nächsten Hitzeperiode könnte es zu Einschränkungen bei der Bewässerung der Plätze kommen – es ist ja Trinkwasser“) und Infrastruktur der Tennishallen.

„Golf ist fast billiger als Tennis.“

Heiko Lüdemann

Was Heiko Lüdemann konkret als Erstes angehen möchte: „In der Regel werden die Bezirksmeisterschaften nur im Einzel ausgetragen – ich möchte mehr Doppelwettbewerbe. Und es gibt in den Mannschaftsspielen zu viele krasse Ergebnisse.“ Deshalb soll es während der Saison Auf- und Abstieg geben – „damit die Kinder einen gleichwertigeren Wettbewerb bekommen“. Denn Zu-null-Siege jedes Wochenende nutzen weder dem Verlierer noch dem Gewinner. Klingt jedenfalls nach frischem Wind. Klingt gut.

Struktur im Bezirk A Franken-Neckar-Enz

2013 beschloss der Württembergische Tennis-Bund (WTB), seine Struktur zu erneuern, machte aus acht Bezirken sechs – um annähernd gleich viele Vereine und Mannschaften in den Bezirken zu haben. Der Bezirk A Franken-Neckar-Enz setzt sich aus den Sportkreisen Mergentheim, Hohenlohe-Kreis, Heilbronn und Ludwigsburg zusammen, umfasst 158 Vereine. „Ich habe ein bisschen Angst vor den Terminen als Repräsentant“, sagt Heiko Lüdemann. „Die Wege sind zu lang, um bei einem 70. Geburtstag eines Vereins 20 Minuten Hallo zu sagen.“ Der WTB ist mit seinen 172 685 Mitgliedern (Stand August 2024) in 1000 Vereinen der zweitgrößte Tennisverband in Deutschland.

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