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Basketball

Große Herausforderung für Merlins Crailsheim

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Die BBL hat die Anforderungen an Erstligisten verschärft. Der Crailsheimer Basketball-Erstligist muss sich nun ernsthafte Gedanken über eine neue Halle machen.

Die Arena Hohenlohe in Ilshofen bietet 3000 Plätze, einst wurde sie für Viehversteigerungen konzipiert. Ab 2032 liegt die Mindestkapazität bei 4500 Fans.
Foto: Schmerbeck
Die Arena Hohenlohe in Ilshofen bietet 3000 Plätze, einst wurde sie für Viehversteigerungen konzipiert. Ab 2032 liegt die Mindestkapazität bei 4500 Fans. Foto: Schmerbeck  Foto: Schmerbeck, Marc

Noch wirkt Martin Romig entspannt. Aber wer den Geschäftsführer der Hakro Merlins Crailsheim kennt, weiß, dass er schon lange mit der Arbeit im Hintergrund begonnen hat. Im Moment drängt die Zeit auch nicht, doch der Basketball-Bundesligist steht vor einer Mammut-Aufgabe. Die Liga hat beschlossen, die Mindestanforderungen für die BBL zu erhöhen - und zwar gewaltig.

Ab 2032 liegt die Mindestkapazität für eine Halle bei 4500 Zuschauern. Die Arena Hohenlohe in Ilshofen fasst 3000. Außerdem wird der Mindestetat der Clubs von aktuell drei Millionen Euro schrittweise verdoppelt, beginnend ab der Saison 2024/25 in Schritten von 500 000 Euro alle zwei Jahre. "Es geht um Ambition und darum, die Clubs hinter einer gemeinsamen Idee zu versammeln", sagt BBL-Geschäftsführer Stefan Holz. Mit den Maßnahmen hofft man auch darauf, dass sich größere Erfolge in den internationalen Wettbewerben einstellen.

Halle ist ab 2032 zu klein

Romig meint dazu: "Ich befinde nicht alles für gut, was beschlossen wurde, aber ich bin Teil der Liga und muss mitlaufen. Wir haben ja atmosphärisch keine Probleme. Die Halle ist nur zu klein. Auf Teufel komm raus und um des Bauens Willen eine Halle hinzustellen, finde ich nicht nachhaltig." Auch der Fakt, dass Standorte mit kleineren Kapazitäten sich für einige Spiele in Eventhallen einmieten können, um in einer Saison auf einen Gesamtschnitt von möglichen 4500 Zuschauern zu kommen, hilft den Merlins nur wenig, da es in de Nähe keine Halle mit geeigneter Größe gibt.

Doch nicht nur die Crailsheimer sind betroffen, auch der MBC aus Weißenfels und deutlich größere Standorte wie Würzburg oder Göttingen müssen Lösungen finden.

Martin Romig sieht es als Herausforderung an

"Wir sind ja schon lange raus aus den Sporthallen", sagt Romig. Damit wurde vor Jahren durch Mindeststandards ein Ziel erreicht und die Atmosphäre bei den Spielen deutlich verbessert. In den vergangenen zehn bis 15 Jahren machte der Basketball in Deutschland einen großen Schritt nach vorne - auch was die Professionalität der Clubs angeht. "Es erschrickt uns jetzt nicht alles, aber es ist eine Herausforderung, eine Challenge", sagt Romig. "Wir sind ja generell lösungsorientiert."

Ihm geht es vor allem um Unterstützung - und zwar nicht nur von Sponsoren, sondern von der Stadt. Schließlich sind die Merlins ein überaus positiver Botschafter für Crailsheim. "Ich sehe die Erweiterung der Hallenkapazität auch nicht als den großen Umsatztreiber an, aber es ist wichtig, wie Vip-Kapazitäten zu erhöhen", sagt Romig.

Alternativen sind rar

Auf dem Hangar in Crailsheim würde den Merlins die Fläche für eine Halle zur Verfügung stehen. "Wir sehen uns da aber in einer Partnerschaft mit der Stadt. Alleine können wir es nicht leisten", sagt Romig, der einfach Unterstützung möchte. Dass sich die Merlins und ihre Partner auch mit einbringen, steht außer Frage. "Es geht nur mit echter Kooperation. Die Frage ist, will man sich etwas leisten, will man sich einen Bundesligisten leisten."

Auch die Arena Hohenlohe auszubauen ist für ihn keine Option. Schließlich sind die Basketballer dort nur Mieter. Wenn, dann müsste die Initiative vom Eigentümer kommen. Die Halle gehört der Rinderunion Baden-Württemberg und wurde ursprünglich für Viehversteigerungen konzipiert. "Es ist nicht denkbar, dass wir in ein Mietobjekt Millionen reinstecken", sagt Romig.

Ein weiteres Problem: In der näheren Umgebung von Crailsheim gibt es keine Bundesligisten in anderen Hallensportarten, die ähnliche Probleme haben und mit denen ein gemeinsames Projekt realisiert werden könnte.

Noch strahlt Romig Zuversicht aus

Und das Unterland, in dem sich für Eishockey-Zweitligist Heilbronner Falken sowie die Sport-Union Neckarsulm und den TSB Horkheim im Handball auch immer wieder die Hallenfrage stellt, ist verhältnismäßig weit weg. Synergieeffekte oder gar gemeinsame Projekte erscheinen da eher schwierig - auch wenn Romig nicht unbedingt am Standort Crailsheim hängt. So sagt er: "Wir haben bisher immer eine Lösung hinbekommen. Ob sie lokal oder regional ist, wird man sehen. Wenn alle an einem Strang ziehen, gibt es Möglichkeiten. Viele sind sensibilisiert." Noch ist der Merlins-Geschäftsführer entspannt. Aber der Countdown läuft bereits.

Weitere Änderungen für die Bundesligisten

Ab der neuen Saison sollen auch Zweitligisten am Pokal-Wettbewerb teilnehmen dürfen. Bisher waren hier nur Erstligisten vertreten. Höhere Attraktivität soll auch die Einführung eines sogenannten Play-In-Turniers vor den Playoffs bringen. Nur noch die ersten Sechs nach der Hauptrunde werden dann automatisch für die K.o.-Runde qualifiziert sein, die Teams auf den Rängen sieben bis zehn spielen die restlichen zwei Playoff-Teilnehmer aus.

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