Für das KTT stellt sich die Aufstiegsfrage
Nach dem Erfolg gegen den TSV Wetzgau II müssen sich die Oberliga-Turner des KTT Heilbronn nun Gedanken über ihre sportliche Zukunft machen.

Gemeinsam haben sie gefeiert. Am Samstagabend zuerst den souveränen 57:20-Erfolg gegen den TSV Wetzgau II, denn vor dem Ligafinale am 27. April in Ludwigsburg steht das KTT Heilbronn in der Oberliga auf Platz zwei hinter dem VTS Vorarlberg.
Nach Mitternacht den Geburtstag von Fabian Gayer. 21 Jahre jung ist der Student für Luft-und Raumfahrttechnik geworden - und einer seiner Wünsche ist es gewesen, die Zeit mit seinen Turn-Kumpels zu verbringen.
Gayer mit großem Potenzial
Die knapp 100 Zuschauer in der Römerhalle haben am Samstag wieder einmal gesehen, welch turnerisches Potenzial Fabian Gayer besitzt. An den Ringen wie am Barren hat er sein Duell jeweils mit der Höchstnote 5:0 gewonnen.
Dass er nach dem Rückzug des KTT aus der 1. Bundesliga vor wenigen Monaten auch in der vierten Liga noch beim Team geblieben ist, zeigt, wie wohl er sich in der Unterländer Riege fühlt. Trotzdem hat Fabian Gayer geplant, die zweite Hälfte der Erstliga-Saison im Herbst für Schwäbisch Gmünd-Wetzgau an die Geräte zu gehen. Dorthin hat sein Freund Carlo Hörr nach Jahren in Heilbronn gewechselt, hier turnen auch andere aus seinem Bekanntenkreis wie Helge Liebrich. "Danach zeigt sich, wie er sich positioniert", sagt KTT-Trainer Kai Werner, "ich könnte mir vorstellen, dass es ihm in dem Verein gut gefällt."
Aufstiegswettkampf im Herbst

Die große Frage beim KTT aber ist nun, wie es im Herbst mit der Mannschaft weitergeht? Dann steht der Aufstiegswettkampf in die 3. Bundesliga an. Bis dahin müssen Turner wie Verein eine Grundsatzentscheidung getroffen haben: Wollen sie wieder eine Bundesliga-Mannschaft sein, einen Ausländer verpflichten und weitere Fahrten zu den Auswärtswettkämpfen in Kauf nehmen? Oder lieber in der Oberliga bleiben, um Talente wie Axel Schuster oder Colin Staufert hochzuziehen und weiter den eigenen Turnern die Möglichkeit geben, sich in Ruhe hinter den Arrivierten wie Sascha Otten, Patrick Storz oder Stefan Payer zu entwickeln?
"Das ist alles noch sehr offen, wir haben ja auch noch Zeit", sagen Fabian Gayer und Moritz Thiele. Auch Kai Werner hat sich noch nicht intensiv mit der Thematik beschäftigt, wie es weitergeht. Klar ist bisher nur, dass Tabellenführer Vorarlberg aufgrund der Liga-Statuten nicht aufsteigen darf, somit wäre für die Heilbronner der Weg nach oben frei - wenn sie denn überhaupt wollen. Das KTT hat nach den frustrierend-hohen Niederlagen in der 1. Bundesliga wieder das Siegen gelernt. Ein schönes Gefühl. "Das Turnen macht wieder mehr Spaß", sagt Kai Werner. "Klar, wir haben in der Bundesliga auch Leistung gebracht, aber wir sind nicht so belohnt worden. Wenn man sieht, was andere turnen und du weißt, du hast nichts entgegenzusetzen, das ist schon schwer."
Der Jugend eine Chance
Mit dem Neuanfang in der Oberliga hat Kai Werner entschieden, die Devise ausgegebenen, die Jüngeren zu fordern. Sie sollen einen guten Teil der Mannschaft ausmachen. Dass kurzfristig Bundesliga-Turner wie Fabian Gayer dazugestoßen sind, hat er als "positiven Nebeneffekt" angesehen. Sie sind eingesprungen - und haben stets ihre Leistungen gebracht. So auch die Erfahrenen, wo im Moment noch nicht geklärt ist, ob sie allesamt weitermachen.
Ohne sie aber wäre ein Start in der 3. Bundesliga sinnlos, ihre Routine wäre neben dem notwendigen großen Kader die Basis für ein Bestehen. Während in der gut besetzten Oberliga der ein oder andere Patzer noch zu kompensieren ist, braucht es eine Stufe darüber Konstanz auf allen Positionen und an allen sechs Geräten.
Mehr Sponsoring ist nötig
"Ich persönlich würde im Moment eher der Jugend nochmal die Möglichkeit geben und sagen, wir bleiben ein weiteres Jahr in der Oberliga", sagt Kai Werner. "Wenn es dann gut läuft und wir in Sachen Sponsoring wieder mehr Unterstützung bekommen, ist die Chance vielleicht auch im übernächsten Jahr da, die Bundesliga noch einmal anzugreifen." Darüber hinaus ist das KTT beim Turngau Heilbronn angesiedelt, die Entscheidung fällt also nicht allein in der Mannschaft.
Stimme.de
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