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Biathlon

Fritz Fischer spricht in Heilbronn Biathlon-Klartext

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Aussagen bei der Bundesgartenschau: Warum sich für das deutsche Frauenteam nach dem Abschied von Laura Dahlmeier einiges und doch nicht so viel ändert.

Von Lars Müller-Appenzeller

Alles im grünen Bereich: Die deutschen Biathleten arbeiten gerade an den Grundlagen, sind hauptsächlich mit dem Rennrad, dem Mountainbike, den Skirollern oder joggend im Grünen unterwegs. Alles ist wie immer. Und doch ist eines anders: Ausnahmeathletin Laura Dahlmeier hat vor einem Monat mit 25 Jahren ihre Karriere beendet. Das Frauenteam muss sich neu sortieren, braucht eine neue Hackordnung. Oder etwa nicht?

"Laura war die vergangenen Jahre nicht so oft bei den Lehrgängen dabei, weil sie im Sommer oft krank war. Deshalb hat sich für uns nicht so viel geändert", sagt Vanessa Hinz. "Genau über dieses Thema habe ich bei der gemeinsamen Herfahrt mit Vanessa und Franziska Preuß gesprochen", sagt der ehemalige Biathlet und jetzige Trainer Andreas Birnbacher − die drei waren am Samstag auf der Bundesgartenschau beim 5. Würth Promi-Biathlon am Start, ebenso Skispringerin Svenja Würth und Alpin-Ass Viktoria Rebensburg.


Einzelsport im Team

Biathlon ist ein komplexer Sport. Mit einem komplexen Teamgefüge. Der 37-jährige Birnbacher sagt es so: "Es muss bewusst sein: Man trainiert im Biathlon als Team, aber betreibt eine Einzelsportart." Will heißen: Für den Einzelnen verändere sich nach dem Abschied von Laura Dahlmeier nicht so viel, denn jeder schaue nach wie vor auf sich. "Ein Athlet ist raus, dafür kommt ein anderer nach." Andererseits, sagt Birnbacher, passiere etwas mit dem Team, wenn so ein Orientierungspartner fehle. Dem Deutschen Skiverband (DSV) fehlt am Ende des nächsten Winters, dessen Höhepunkt die Weltmeisterschaften im Februar in Antholz sind, aber womöglich vor allem eines: die Dahlmeierschen Siege und Medaillen.

Andreas Birnbacher nickt. Der Weltmeister von 2008 in der Mixed-Staffel arbeitet derzeit mit Junioren am Stützpunkt in Ruhpolding und am Abschluss zweier Studiengänge in Leipzig und Köln; Birnbacher ist bald Diplomtrainer. Er weiß, dass es eine Erwartungshaltung gibt, der DSV Jahr für Jahr (Medaillen-)Ziele formulieren muss. "Wir als Trainer sind aber gefordert, den Leistungsdruck wegzunehmen, weg vom Ergebnis zu kommen." Es stehe vielmehr die Handlungsorientierung im Vordergrund. Denn nur die ermögliche den Athleten eine bestmögliche Entwicklung.

Alter Hase sieht Zukunft gelassen

Wie gut, dass es Fritz Fischer gibt. Der ehemalige Athlet und Trainer sagt es bei der an den Gaudi-Wettkampf anschließenden Podiumsdiskussion mit ganz einfachen Worten: "Als deutscher Biathlet wird von dir erwartet, dass du auf dem Podest stehst − Würth zahlt als Sponsor ein Schweinegeld dafür." Die 27 Jahre alte Vanessa Hinz gibt, von Moderator Michael Antwerpes angesprochen auf das Thema Dahlmeier, ein Versprechen ab: "Wir versuchen, da anzuknüpfen." Großer Applaus der etwa 350 Zuhörer. Motivation. Und Druck.

"Jetzt müssen und sollen andere im Rampenlicht stehen", sagt Fritz Fischer. "Der Prozess ergibt sich. Es geht weiter." So wie es nach dem ebenfalls überraschend frühen Karriereende von Magdalena Neuner auch weiterging − mit den Erfolgen von Laura Dahlmeier. Fischer ist gelassen, sagt: "Wir haben nach wie vor die beste Langläuferin des Biathlon-Weltcups im Team." Die 30 Jahre alte Denise Herrmann. "Und mit die Beste am Schießstand." Die 25 Jahre alte Franziska Preuß. Der 62 Jahre alte Biathlon-Fuchs Fritz Fischer merkt noch an: "Du bist alleine erfolgreich, aber du brauchst das Team." Mit Konkurrenten, Betreuern und Trainern.

"Es ist von Vorteil, gerade am Schießstand, wenn du das selber alles mal erlebt hast", sagt Jungtrainer Andreas Birnbacher, der von "sensationellen Erfolgen" berichtet, zuletzt neun Medaillen bei den Junioren-Weltmeisterschaften. "Es wird immer schwerer, die Kinder bewegen sich nicht mehr so viel", merkt Andreas Birnbacher nachdenklich an. "Aber es kommen Talente nach." Alles im grünen Bereich.

 
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