Es gibt für Clemens Rapp ein Leben außerhalb des Beckens
Der Schwimmer Clemens Rapp beendet seine Karriere. Der Olympionike bleibt der Neckarsulmer Sport-Union aber als Teammanager erhalten. Nun hat er viel Zeit für sich oder die Familie.

Als 13-Jähriger hat er mit dem Schwimmen begonnen. Ein fortgeschrittenes Alter für einen leistungsorientierten Athleten dieser trainingsintensiven Sportart.
Zu Erfolgen schwamm Clemens Rapp dennoch, unter anderem als Staffel-Europameister und zweifacher deutscher Meister. Jetzt, wenige Wochen vor seinem 30. Geburtstag beendete der zweimalige Olympionike, der seit Januar 2016 offiziell für die Neckarsulmer Sport-Union startet, seine Karriere.
Keine Lust mehr, sich zu quälen
"Im Oktober stellte ich ich fest, es fehlt die Lust, mich weiter im Training zu quälen", erzählt Rapp. "Die Motivation war nicht mehr da und somit die Zeit gekommen, den Fokus auf meine berufliche Laufbahn auszurichten."
Der Wirtschaftsingenieur und Projektmanager arbeitet bei der ONEflow GmbH in Stuttgart, einer Firma für digitales Logistik-Management. Einer der beiden Geschäftsführer ist NSU-Trainer Christian Hirschmann.
Rapp bereut nichts
Beim Blick zurück bereut Clemens Rapp nichts. Nicht das frühe Aufstehen, das fast täglich zweimalige Training und auch nicht die tausende geschwommenen Kilometer im 50-Meter-Becken. "Ich habe das gemacht, was mir Spaß macht, und das war Schwimmen", sagt Rapp.
Dass seine Zeit als Teenager anders verlaufen ist, als die seiner Freunde - Rapp zuckt mit den Schultern. "Jede Woche Party, war eh nicht mein Ding, daher habe ich auch nichts vermisst."
In Kindertagen wurde fast alles ausprobiert. "Von Fußball über Tischtennis, bis hin zu Karate", erzählt Rapp. "Ein Sportlehrer an der Schule hat mir das Schwimmen empfohlen. Und so ist eins zum anderen gekommen." 2005 feierte der junge Clemens seinen ersten Erfolg, gewann Bronze bei der Jahrgangs-DM über 1500 Meter Freistil.
"Das kam völlig unerwartet. Bis dahin war ich nur der Hobby-Sportler, der alle Qualizeiten vermasselte", erinnert sich Rapp. Es war der Startschuss in das leistungsorientierte Schwimmen. "2007 habe ich meine Bestzeit über 200 Meter Kraul in einem halben Jahr um vier Sekunden verbessert. 2008 nochmals um 3,5, bin erstmals unter 1:50 Minuten geschwommen." Dennoch fehlte eine knappe halbe Sekunde zur Olympia-Qualifikation.
Rapp erfüllt sich den Traum, bei Olympischen Spielen teilzunehmen
Den Traum Olympische Spiele erfüllte sich Rapp 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro. "London war mein schönstes Erlebnis, da war alles perfekt.
Brasilien dagegen südamerikanisch chaotisch", sagt Rapp. In all den Jahren ist der gebürtige Weingartener viel rumgekommen in der Welt. "Vielleicht mal eine kurze Stadtbesichtigung, aber letztlich habe nicht viel gesehen außer Hotel-Lobbys und Schwimmbäder."
Nun ist viel Zeit, alles nachzuholen. Doch in die große weite Welt zieht es Clemens Rapp nicht. "Ich bin eher der Typ Camper. Im Sommer geht es wohl an den Bodensee, dort haben meine Eltern einen Wohnwagen stehen. Grillen: morgens, am Mittag und abends, was gibt es Schöneres", sagt Rapp und grinst zufrieden. "Einfach die Seele baumeln lassen, mal drei Tage nur daheim in Heidelberg zu bleiben, das genieße ich jetzt."
Der Übergang vom Leistungssportler zum Freizeitschwimmmer - Rapp treibt "nach Lust und Laune" weiter rund zehn Stunden Sport pro Woche - war fließend und dennoch hart. "Plötzlich ein freies Wochenende zu haben. Man steht da und fragt sich, was mache ich jetzt?", sagt Rapp, hat inzwischen aber erkannt: "Es gibt auch ein Leben außerhalb des Beckens."
Der Ex-Leistungssportler bleibt dem Wasser verbunden
Was im Wasser passiert, lässt Rapp jedoch auch weiterhin nicht los. "Ich gebe meine Erfahrung weiter", sagt Rapp. An die Kids seiner Trainingsgruppe in Heidelberg und an den Nachwuchs im Aquatoll-Sportbad. Für die Aktiven der NSU stellt er sich zudem als Teammanger zur Verfügung.
Den Wechsel vom TSV Bad Saulgau über Nikkar Heidelberg zur Neckarsulmer Sport-Union hat er nicht bereut. "Als ich zur NSU kam, war das ein kleiner Verein, ist im Schwimmsport aber inzwischen mit führend in Deutschland", lobt Rapp die Entwicklung der Sport-Union. "Hier geht es brutal familiär zu, das war mit ein Grund hier her zu kommen."
Erfolge, Türöffner und Teammanager

Die Liste der Erfolge und Medaillengewinne von Clemens Rapp ist lang. Herausragende Triumphe des Freistil-Speziallisten waren 2007: Junioren Staffel-Europameister über 4 x100 Meter. 2010: EM-Siebter (400m) und EM-Staffelsilber (4x200m). 2012: 4. Platz Olympia (4x200m), 0,29 Sekunden hinter dem Dritten China. 2013: Deutscher Meister über 200 und 400 Meter. 2014: EM-Staffelgold (4x200m). 2015: WM-Siebter (400m). 2016: 5. Platz Olympia (4x200m).
"Ohne Clemens wäre die Entwicklung in Neckarsulm so nicht möglich gewesen, er war ein Türöffner", hebt Trainer Christian Hirschmann die Verdienste von Rapp für die Sport-Union hervor. "Er gibt uns jetzt viel zurück." Rapp ist als Teammanger für die Planung und Durchführung großer Events zuständig, arbeitet im Nachwuchs- und Scoutingbereich.
"Er ist das Bindeglied zwischen den verschiedenen Leistungsgruppen sowie Ansprechpartner für die Kids und deren Eltern. Clemens entlastet damit mich und Hannes Vitense", sagt Hirschmann.
Stimme.de
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