Ein zweites und ein letztes Mal für Jan Müller in Ilsfeld
Jan Müller gewinnt das Springen wie 2022 zu Hause in Ilsfeld auf Ciricu. Sein langjähriges Erfolgspferd Charly Champion verabschiedet er in den Ruhestand.

Die ewige Siegerliste beim Reitturnier des RV Ilsfeld ist und bleibt ein Hingucker. Immer wieder standen von Freitag bis Sonntag Reit-Interessierte vor den Plakaten und deuteten mal auf diese, mal auf jene goldene Plakette.
Welches Wetter bei den Siegen von Springer-Größen wie Otto Becker (1978), Gerd Wiltfang (1997), Cameron Hanley (1999) oder Hugo Simon (2003) im Großen Preis von Ilsfeld herrschte? Es wird in 20 Jahren keinen interessieren, ob es bei Jan Müllers Coup mit Ciricu in Strömen regnete - und deshalb vielleicht das eine oder andere Paar auf den Start verzichtet hatte.
Beim Turnier war es einmal zu warm und einmal zu nass
Barbara Steurer-Collée sagte ehrlich: "Wenn es nicht Ilsfeld gewesen wäre, ich wäre wohl auf der Couch geblieben." Die 55-Jährige aus Eberstadt-Hölzern hatte nach zwei Abwürfen mit Darlido aufgegeben und beklatschte den zweiten Heimsieg von Jan Müller nach 2022 anerkennend. Der Regen hatte die gewohnte Zuschauerzahl verringert, so wie am Samstag die schwüle Hitze. "Es war an beiden Tagen nicht schön", sagte Barbara Steurer-Collée. "Aber für das Wetter kann keiner was."
Der Reiterverein Ilsfeld hat alles dafür getan, dass bestmögliche Bedingungen herrschen
Der Reiterverein Ilsfeld, für den der 47-jährige Sieger startet, hatte aber alles getan, um für die Reiter beste Bedingungen zu gewährleisten. "Wir haben in den vergangenen Wochen 850 000 Liter Wasser auf den Platz gebracht, am Mittwoch hatten wir Starkregen", sagte RVI-Präsident Dieter Melwitz. "Dieser Platz wird niemals absaufen." Und so bot der robuste Rasen bis zum finalen Ritt von Nicoletta Müßig beste Bedingungen.

Kleines aber feines S*-Springen
Das S*-Springen war mit 14 Paaren klein, aber die mit Siegerrunde von zwei Männern und drei Frauen fein. Jan Müller hatte mit dem zwölfjährigen Hengst Ciricu eine gemächliche Nullrunde im Umlauf gezeigt und als Zweiter in der Siegerrunde Vollgas gegeben. Die Zuschauer unter den Dächern und Regenschirmen jubelten. Für was die fehlerfreien 43,50 Sekunden reichen würden?
Leonie Krieg vom RFV Donaueschingen hatte mit Indigo bei einem flotten Ritt eine Verweigerung (54,56 Sekunden), Katharina Schlosser (RFV Jagstzell) war mit Quiet and surprise mit bloßem Auge erkennbar deutlich langsamer (48,29). Und Nicoletta Müßig? Jan Müller hatte im Sattel seines Schimmels genau die richtige Höhe, um über die Absperrung zu schauen. Er sah, dass die Nürnbergerin mit Sir Flintstone nicht langsam, aber in 47,48 Sekunden nicht schnell genug war. So riss sich Jan Müller im strömenden Regen zwei Mal den Helm vom Kopf: Ein Mal bei der Siegerehrung, ein zweites Mal bei der Ehrenrunde. Und ein drittes Mal dann beim Siegerinterview im Kaffee- und Kuchenzelt.
Zu Hause zu gewinnen ist besonders schön
"Glückwunsch, Jan!", sagten Freunde und Zuschauer im Vorbeigehen. "Zu Hause zu gewinnen, ist halt einfach noch einmal schöner", sagte der nasse, aber nicht durchnässte Audianer. "Ich habe die ganze Saison schon einen guten Lauf und wusste: Wenn ich es gut erwische, ist der Sieg gut machbar." Er erwischte es sehr gut. Der Sieg war der Plan. Dass vielleicht "ein, zwei, drei" Konkurrenten wegen des Wetters auf den Start verzichteten, die Umsetzung des Plans vereinfachten, ist ihm egal - wie der ewigen Siegerliste.
Erfolgspferd Charly Champion in Rente verabschiedet
Es hatte für Jan Müller zuvor am Sonntag einen weiteren sehr besonderen Moment gegeben. Er verabschiedete vor Freunden und Verwandten sein langjähriges Erfolgspferd Charly Champion in die Sportrente. "Das war sehr schön", sagte Jan Müller, dessen Hauptziel in dieser Saison wie alle Jahre wieder die Qualifikation für das Hallen-Championat in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle ist. Dort waren der 16-jährige Wallach-Schimmel und Jan Müller vier Mal im Finale des BW-Bank-Cups: "Er hat so lange Zeit einen sehr guten Job gemacht und ist immer noch vergleichsweise fit", sagte Jan Müller. "Aber jetzt kommt er auf die Weide." Auf die ewige Siegerliste von Ilsfeld hat es Charly Champion allerdings nicht geschafft.
Weitere Turniere in der Region
Nach dem Spring- und Dressur-Turnier von Ilsfeld ist vor den reinen Dressurturnieren von Güglingen und Bad Friedrichshall: Für die Reiterinnen und Reiter aus der Region geht es von Freitag bis Sonntag bei den Güglinger Dressurtagen auf dem Reiterhof Faller in Frauenzimmern weiter. Eine Woche später folgt das dreitägige Turnier beim RV Bad Friedrichshall, das zum 52. Mal ausgetragen wird. Das Angebot reicht jeweils von Prüfungen der Klasse A (wie Anfänger) bis S (wie schwer). Beim Turnier des RC Güglingen sind vier S-Prüfungen ausgeschrieben. 136 Reiter mit 258 Pferden haben gemeldet. "Wir haben sehr gute Felder", sagt Veranstalter Stephan Faller.
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