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Ein neuer Stern am Volleyball-Himmel

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Bei der 1:3-Niederlage der Oberliga-Volleyballer der SG Sinsheim/Helmstadt ragt ein 15-jähriger Debütant hervor. Benjamin Himmel ist auf Anhieb der beste Spieler des Spiels.

Da half auch nur der Block selten: Sinsheims Benjamin Himmel (Zweiter von links) schmetterte den Gästen die Bälle um die Ohren.
Foto: Klaus Krüger
Da half auch nur der Block selten: Sinsheims Benjamin Himmel (Zweiter von links) schmetterte den Gästen die Bälle um die Ohren. Foto: Klaus Krüger  Foto: Krüger, Klaus

Erst später am Abend fiel Falko Böhme auf, dass jemand vergessen hatte, ein Sixpack zu besorgen. Das war selbst bei der Wahl zum Spieler des Spiels zunächst allen entgangen. Den gastgebenden Volleyballern der SG Sinsheim/Helmstadt, weil ihnen unmittelbar nach der unnötigen 1:3-Heimpleite (11:25, 25:19, 23:25, 20:25) am Samstagabend der Sinn ohnehin nicht nach Bier stand. Und den Gästen vom KIT Sport-Club 2010, weil sie schnell einen Kasten Lübzer Pils zur Hand hatten und auf ihren Sieg anstießen.

Der Abend war ideal für den kleinen Fauxpas, zumal der beste Spieler der Gastgeber seinen Preis rein rechtlich betrachtet ohnehin nicht hätte bekommen dürfen. Das wusste auch Böhme. "Er kriegt Sprudel", meinte der Kapitän lapidar. "Ab morgen darf ich dann", stellte Benjamin Himmel noch klar, für den der Samstagabend auf so vielen Ebenen besonders war. Zunächst einmal war es der letzte Abend vor seinem 16. Geburtstag, den der 1,91 Meter große Hüne am Sonntag entspannt mit der Familie feiern wollte. Ohne reinfeiern, ohne Bier.

Beim ersten Spiel überflügelt ein junger Hühne alle

Besonders war der Abend des jungen Himmel aber auch, weil an diesem 14. Januar sein Stern aufging. Der 15-jährige Gymnasiast feierte gegen das Team der Universität Karlsruhe sein Debüt im Oberliga-Team der SG. Und was für eines. "Genial der Typ. Der kommt hierher und haut alle weg", lobte Böhme den Linkshänder, der nicht nur im übertragenen Sinn alle anderen überflügelte. "Der liebe Gott hat ihm eine linke Hand und eine unglaubliche Sprungkraft gegeben", attestierte Rudi Sonnenbichler. Das will was heißen, zumal dem früheren Frauen-Bundestrainer, der in diesem Jahr die Oberliga-Männer der SG trainiert, angesichts der Niederlage gar nicht nach Lob zumute war. Dass ein Jungspund in seinem ersten Oberliga-Spiel gleich der Beste ist, mag zwar eine besondere Geschichte sein. Aber es spricht auch nicht für den Rest, alles mitunter gestandene Oberliga-Spieler.

"Wir haben heute das Spiel verloren, nicht der Gegner hat das Spiel gewonnen", sagte das Urgestein auf seine ganz eigene Art. Was der Trainer damit meinte: Diese Niederlage war unnötig. "So ein Spiel wie heute Abend tut weh", sagte er. Auf die Leistung im ersten Satz, den Sinsheim mit 11:25 praktisch herschenkte, wollte Sonnenbichler lieber nicht groß eingehen. Nur so viel: "So darf man nicht in ein Spiel gehen." Zwei frühe Auszeiten beim Stand von 2:7 und 5:13 verpufften im Nichts.

Die Kraichgauer drohen, den Anschluss ans Mittelfeld zu verlieren

Dass der SG in der Annahme gleich zwei Spieler fehlten, war für den Auftakt keine Entschuldigung. Über das gesamte Spiel hinweg aber war das ein entscheidender Nachteil. Immerhin: Durch Umstellungen fanden die Gastgeber ins Spiel. Was letztlich auch den Gegner freut. "Ich bin froh, dass Sinsheim das Niveau hochgesetzt hat, das hat das Spiel spannend gemacht", sagte Gästetrainer Denis Heim, der in der Folge mit ansah, wie ein 15-Jähriger seinem Team die Bälle um die Ohren schlug.

"Der Junge weiß noch gar nicht, was für ein Potenzial er hat", meinte Rudi Sonnenbichler nach der Partie, in der Sinsheim immerhin den zweiten Satz für sich entschied, die anderen beiden knapp verlor. "An ihm ist zu sehen, was für Möglichkeiten wir haben." Denn nach der Niederlage drohen die Kraichgauer als Vorletzter den Anschluss ans Tabellenmittelfeld zu verlieren. "Auf die Tabelle zu schauen, habe ich mir längst abgewöhnt", sagt Sonnenbichler, der auch keine Angst vor einem Abstieg hätte. "Wir bauen die Spieler mehrheitlich für die nächsten Jahre auf."

Im Training "pfeift es schon richtig", freut sich der Trainer

Und da hat der Trainer-Fuchs seit Saisonbeginn einen Aufwärtstrend erkannt. "Die Ernsthaftigkeit entwickelt sich langsam, im Training pfeift es schon richtig", sagt er. Auch die Hierarchie wird deutlicher. "Am Anfang haben die Jungen nach dem Spiel Bier getrunken - und die Alten haben abgebaut." Das sah am Samstag schon anders aus. Insofern passte es ganz gut, dass es das Sixpack für Benjamin Himmel nicht gab.

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