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Die prominente Nebenrolle der Neckarsulmerin Lorena Schädel in bizarrem Video

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Beim Tennisturnier in Nairobi feiert Lorena Schädel vom TC Bad Friedrichshall einen befremdenden 6:0, 6:0-Sieg. Wie kam Gegnerin Hajar Abdelkader zur Wildcard?

Ihr Match gegen Hajar Abdelkader hat die ganze Tennis-Welt verfolgt: Lorena Schädel, hier bei einem Match 2021 für die Frauen des TC Oberstenfeld.
Ihr Match gegen Hajar Abdelkader hat die ganze Tennis-Welt verfolgt: Lorena Schädel, hier bei einem Match 2021 für die Frauen des TC Oberstenfeld.  Foto: Berger\, Mario

Lorena Schädel aus Neckarsulm hat es in den vergangenen Tagen zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. „Das Video des verrückten Matchs habe ich gesehen“, sagt beispielsweise die Heilbronnerin Mine Cebeci, Turnierdirektorin des Bad Rappenauer Neckar-Cups. „Aber dass die Siegerin aus der Region kommt, wusste ich nicht.“

Mit 6:0, 6:0 hatte Lorena Schädel in der vergangenen Woche bei einem Tennisturnier in Kenias Hauptstadt Nairobi ihr Erstrundenspiel gewonnen, das im Internet viral ging – weil die unterlegene Ägypterin Hajar Abdelkader bei ihren verzweifelten Versuchen, den Ball übers Netz zu bringen, aussah wie jemand, der zum allerersten Mal einen Tennisschläger in der Hand hält. Die 21-Jährige produzierte 20 Doppelfehler.

Lorena Schädel gibt im verrückten Match nur drei Punkte ab

Lorena Schädel, die für die Frauen des TC Bad Friedrichshall die Winterhallenrunde in der Württembergliga spielt und im Sommer für den TC BASF Ludwigshafen in der 2. Bundesliga aufschlägt, gab im gesamten Match lediglich drei Punkte ab; zwei waren Doppelfehler.

Die Frauen des TC Bad Friedrichshall sind im März in der Winterhallenrunde in die Württembergstaffel aufgestiegen (von links): Rosalie Willig, Tanja Winkler, Lara Gysin, Alissa Frey, Kim Gysin, Emma Dumbraveanu, Lea Eitrich und Lorena Schädel.
Die Frauen des TC Bad Friedrichshall sind im März in der Winterhallenrunde in die Württembergstaffel aufgestiegen (von links): Rosalie Willig, Tanja Winkler, Lara Gysin, Alissa Frey, Kim Gysin, Emma Dumbraveanu, Lea Eitrich und Lorena Schädel.  Foto: privat

Bei dem Turnier des Weltverbandes ITF (das ist die dritthöchste Klasse nach der WTA- und der Challenger-Tour), verlor die Lehramtsstudentin das anschließende Spiel gegen die Chinesin Yufei Ren mit 4:6, 3:6 – und wurde mit Anfragen zu dem skurrilen Erstrundenmatch überhäuft, wie Michael Gysin, Trainer des TC Bad Friedrichshall, weiß.

Mitteilung auf der Homepage der Nummer 1024 der Weltrangliste

Die Nummer 1024 der Weltrangliste teilte auf ihrer Homepage mit: „Das besondere Spiel in Nairobi war eine sehr individuelle Erfahrung. Ich habe mich bewusst entschieden, hier kein öffentliches Statement abzugeben und bitte darum um Verständnis.“ Doch es gibt reichlich andere Wortmeldungen zum befremdlichen Auftritt von Hajar Abdelkader, die dank einer Wildcard des Veranstalters starten durfte.

„Das besondere Spiel in Nairobi war eine sehr individuelle Erfahrung. Ich habe mich bewusst entschieden, hier kein öffentliches Statement abzugeben und bitte darum um Verständnis.“

Lorena Schädel

„Frau Abdelkader gab an, über ausreichend Wettkampferfahrung zu verfügen, und die Wildcard wurde ihr auf Basis dieser Informationen ausgestellt“, hieß es in einer Erklärung des kenianischen Verbandes. „Im Nachhinein räumt Tennis Kenia ein, dass diese Wildcard nicht hätte vergeben werden dürfen. Der Verband hat diesen Vorfall zur Kenntnis genommen und wird sicherstellen, dass ein solch äußerst seltener Fall nie wieder vorkommt.“

Beim Neckar-Cup gab es Anfragen, ob man eine Wildcard kaufen könne

Die Details sind befremdlich. Denn der ägyptische Tennisverband bestätigte der BBC, so berichtete die Deutsche Presse-Agentur, dass Hajar Abdelkader nie als ägyptische Spielerin registriert und nicht im Namen Ägyptens für das Turnier gemeldet war. Man habe „weder direkt noch indirekt irgendeine Rolle bei der Nominierung, Genehmigung oder Ausstellung dieser Wildcard“ gespielt, sagte der Technische Direktor des ägyptischen Tennisverbandes, Dia Nabil Loutfy.

„Da wird ein reicher Vater seiner Tochter eine Wildcard gekauft haben.“

Metehan Cebeci

Für Metehan Cebeci, Manager des Männer-Challengers in Bad Rappenau, ist der Fall klar: „Da wird ein reicher Vater seiner Tochter eine Wildcard gekauft haben.“ Was nicht erlaubt ist, aber immer wieder vorkomme. Auch beim Neckar-Cup? „In den ersten Jahren gab es schon solche Anfragen“, sagt Mine Cebeci. „Aber bei uns gibt es weder Antrittsgeld noch gekaufte Wildcards. Wenn so eine Anfrage käme, würde ich sie politisch korrekt abschmettern.“ 

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