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Der Name Schmiech verpflichtet: Der 15-jährige Julian Schmiech eifert im Kajak Vater Daniel nach

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Julian Schmiech von der TSG Heilbronn gehört zu Deutschlands besten Kajakfahrern und will sieben Mal Unterländer Sportler des Jahres werden.

 Foto: Seidel, Ralf

Julian Schmiech hat genau hingeschaut im heimischen Keller, der als Kraftraum dient. Dort sind die Souvenirs an die Erfolge des Vaters sichtbar. Dass Daniel Schmiech sechs Mal Unterländer Sportler des Jahres war, das ist dem Sohn präsenter als dem Vater. "Ich hätte jetzt nicht auf Anhieb sagen können, wie oft ich es war", sagt Daniel Schmiech.

Vor mehr als 20 Jahren gehörte Schmiech der Ältere zu den erfolgreichsten Kanuten des Landes. War Junioren-Weltmeister im Zweier-Kajak, Militär-Weltmeister. Der Nachwuchs soll die Schmiech-Dynastie im Kanu fortsetzen. Schon Daniels Vater (Spitzname Eule), der Onkel und Bruder Oliver waren erfolgreich. Jetzt ist die nächste Generation dran, verkörpert von Julian (15), Fabian (9) und Philipp (5).

Weiter als der Vater zum gleichen Zeitpunkt

Julian Schmiech ist mit seinen 15 Jahren schon weiter als sein Vater damals, sagt dieser zumindest. Er gehört zu den Besten des Landes. Am vergangenen Wochenende gewann er für die TSG Heilbronn in Kassel die deutschen Meisterschaften im Kanu-Marathon. Erst im Einzel über 16 Kilometer, tags drauf legte er im Zweier-Kajak mit seinem Würzburger Partner Roan Schulze ebenfalls über 16 Kilometer den nächsten Titel nach.

Nun visiert der Leingartener die Teilnahme an den Olympic Hope Games im Sommer in Bratislava an. "Olympia ist ein Ziel, mit dem man sich motiviert - noch weit weg, aber man hat es im Hinterkopf", sagt der junge Schmiech. Es kommt durchaus häufiger vor, dass der Sohn von Konkurrenten angesprochen wird: "Mein Vater ist schon gegen deinen gefahren", heißt es dann.

Nach Essen oder Mannheim aufs Internat?

Trainingspartner: Daniel (links) und Julian Schmiech.
Fotos: Ralf Seidel
Trainingspartner: Daniel (links) und Julian Schmiech. Fotos: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Julian ist ein Talent, das Begehrlichkeiten weckt. Noch will der Zehntklässler am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium in Heilbronn dem Werben aus Essen oder Mannheim nicht nachgeben, dort könnte er im Internat leben. "Ich will meinen eigenen Rhythmus", sagt Julian Schmiech, der zwölf Stunden wöchentlich trainiert. Zum Teil vor der Schule noch joggt, schulische Hohlstunden im Fitnessstudio verbringt und nachmittags auf dem Neckar bei Heilbronn zu finden ist.

Der Schritt in die Fremde will gut überlegt sein. "Bei mir kam der Knick mit der Sportfördergruppe der Bundeswehr", blickt Daniel Schmiech zurück. Die alte DDR-Schule in Sachen Trainingsgestaltung war nichts für den heute 46-Jährigen. Zu viele Umfänge, dafür nicht intensiv genug: "Das war nix für mich." Klar ist aber auch: Einzelkämpfer fernab der Leistungszentren und Olympia-Stützpunkte haben es mitunter schwerer, weil die Lobby fehlt. Deshalb verbringt Schmiech auch jeden Ferientag in Karlsruhe und Mannheim, arbeitet an sich, gemeinsam mit Landestrainer Volker Lambeck.

Mit dem Haustrainer in Leingarten unter einem Dach

In Leingarten lebt Julian mit seinem Haustrainer unter einem Dach, bei der TSG Heilbronn passen die Trainingsbedingungen auf dem Neckar. Schmiech senior fand erst in der Corona-Zeit zurück ins Boot, weil alle anderen Sportmöglichkeiten von heute auf morgen wegfielen. Am Klingenberger Steg wurde damals heimlich das Boot zu Wasser gelassen: "Es gab ja keine Trainingsmöglichkeiten", sagt Daniel Schmiech, der in Leingarten Geschäftsführer einer Firma für Industrieböden ist.

Beide sind sich als Typen ähnlich. Nur auf dem Wasser nicht. "Alles bis 80 Meter würde ich gegen ihn gewinnen. Dann tut es weh. Dummerweise ist der Kajak-Sprint 200 Meter lang", sagt Daniel Schmiech. "Ich brauche immer etwas länger, mir liegen die langen Strecken eher", sagt der Sohn. Der Vater traut dem Junior in Sachen Karriere viel zu. 30 Prozent seien Talent als Grundvoraussetzung, der Rest dann Fleiß und ein bisschen Glück. "Es sind viele schlaue Bücher geschrieben worden im Kanurennsport, aber vom Prinzip her bleibt es das Gleiche: Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt", sagt Daniel Schmiech.

Schwieriger Übergang in den Aktivenbereich

Um zur internationalen Spitze zu gehören, muss man im Kanurennsport erst mal nationales Top-Niveau erreichen. Schwierig ist dabei der Übergang aus der Jugend in den Aktivenbereich. "Wenn man es bis zum Alter von 20 Jahren nicht geschafft hat, dann wird es schwierig", blickt Daniel Schmiech zurück,

Ein internes Familien-Ziel steht in Sachen Unterländer Sportler-Wahl noch aus. An großen Zielen mangelt es dem Nachwuchssportler nicht. "Natürlich will ich das Ding sieben Mal gewinnen, ist doch klar", sagt Julian Schmiech - und lacht.

 
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