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Klettern

Das sind die Heilbronner Kletter-Hoffnungen

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Das Ziel von Amelie Kühne und Helena Waltz vom DAV Sektion Heilbronn heißt Olympische Spiele 2024 in Paris.

Von Stefanie Wahl
Ein Knochenödem plagt Amelie Kühne, doch die Buga-Route ist ein Klacks.
Ein Knochenödem plagt Amelie Kühne, doch die Buga-Route ist ein Klacks.  Foto: Kunz, Christiana

Vorne auf dem Schulheft ist sie drauf. Ausgedruckt. Die genormte Route. Speedklettern. Eine von den drei olympischen Disziplinen bei den Sommerspielen in Tokio 2020. Weltweit sind die Routen identisch. Die Aufgabe ist ebenso simpel wie knifflig. So schnell es geht nach oben, doch schon der kleinste Wackler, Strauchler oder Trittfehler zerstört alle Hoffnungen. Das Cover auf dem Schulheft als sinnvolle Hilfe. "So präge ich mir die Route ein", sagt Amelie Kühne. Im nächsten Jahr steht bei der 17-Jährigen vom DAV Sektion Heilbronn das Abitur an. Am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Neckarsulm. Und weil ihr Direktor, Marco Haaf, äußerst sportaffin ist, unterstützt er das Mitglied der Jugend-Nationalmannschaft aus Untereisesheim jederzeit, wenn ein Lehrgang oder Wettkampf schon mal freitags losgeht.

Auch Helena Waltz hat noch ein Jahr am Wirtschaftsgymnasium Heilbronn vor sich. Doch jede Minute ihrer Freizeit widmet sie dem Klettersport. Und Charly. Das Pferd gehört der 17-Jährigen aus Unterheinriet zwar nicht, aber sie darf es satteln, wann immer ihr der Sinn danach steht. "Verzichten möchte ich auf keine der Sportarten", sagt Helena Waltz. Wie Amelie Kühne hat auch sie ein großes Ziel. Olympia. Na klar. Jetzt, wo das Internationale Olympische Komitee (IOC) Klettern in die große Sportfamilie mit aufgenommen hat, gibt es eine Chance auf den Traum 2024 in Paris - wenngleich es bei den Frauen nur einen Platz geben wird.

Schon als Fünfjährige bei Wettkämpfen dabei

Die Faszination Klettern hat Amelie Kühne schon als kleines Mädchen gepackt. Mit der Familie in die Berge und ran an den Fels, das hat sich bis heute nicht geändert. Helena Waltz startet schon als Fünfjährige bei Wettkämpfen - und geht in die Gruppe ihres Papas Claudius Waltz. "Klettern ist für mich ein ganz natürlicher Bewegungsablauf", sagt die junge Frau, die beim Deutschland-Cup fleißig punktet und hinter der Frankfurterin Lea Büsten derzeit Gesamtzweite der Serie ist. Es läuft diese Saison. Zuversicht spiegelt sich im Gesicht von Helena Waltz. Als Herausforderung 2020 lockt die Jugend-WM.

Eine schwierige Zeit durchlebt hingegen Amelie Kühne. Die Gesamtzweite des Deutschen Jugendcups von 2018, wird von einem Knochenödem geplagt. Krücken, Wettkampfabsagen - wie am Wochenende beim Deutschland-Cup -, Rückschläge. Eine schmerzhafte Erfahrung. "Dass sich die Sache so hinzieht, nervt schon", sagt die Kaderathletin, die auch von der Sporthilfe Unterland gefördert wird.

Zwangspause wegen gesundheitlichen Problemen

Helena Waltz klettert bei Wettkämpfen seit sie fünf Jahre ist.
Fotos: Christiana Kunz
Helena Waltz klettert bei Wettkämpfen seit sie fünf Jahre ist. Fotos: Christiana Kunz  Foto: Kunz, Christiana

Erst seit der vergangenen Woche läuft sie wieder schmerzfrei. Mit Krafteinheiten, besonders für die Finger, hat sich die Untereisesheimerin trotzdem fit gehalten. Um ihr Ziel, den Europacup im Juni in Ostermundingen, nicht aus den Augen zu verlieren. Helena Waltz kennt dieses Gefühl. Sie hat im vergangenen Jahr pausiert. Zwangsweise. Probleme mit den Wachstumsfugen und Sehnenansätzen machen internationale wie bundesweite Starts unmöglich.

Das Kletter-Duo trainiert in der Leistungsgruppe, entwickelt sich bei Marcel Dippon, der auch die Routen auf der Buga geschraubt hat. Die Mädels verstehen sich, tauschen sich auch bei Wettkämpfen über die Routen aus, unterstützen sich gegenseitig.

In ihrem Sport sind sie eine internationale Familie. "Eine große Gemeinschaft eben", sagt Helena Waltz. Als ob es einen Beleg braucht, erzählt Amelie Kühne von ihrer Freundschaft zu Vanda Michalkova. Die Slowakin, die beim Weltcup in München ins Halbfinale geklettert ist, hat schon für vier Wochen in Heilbronn trainiert. Hier profitieren sie von der neuen Boulder-Anlage. Ein Vorteil. Auch, weil ihnen so die zeitintensiven Fahrten nach Stuttgart, wo auch Landestrainer Georg Hoffmann arbeitet, erspart bleiben.

Helena Waltz: "Es wird nie langweilig"

Noch größer als alle Anstrengungen ist die Leidenschaft. Klettern heißt, das Gefühl von Freiheit spüren. Und "zu spüren, dass man seinen Körper unter Kontrolle hat", sagt Amelie Kühne. Helena Waltz fügt hinzu: "Es wird nie langweilig und macht immer Spaß."

 
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