Das Meisterschafts-Gen des Michael Seeger
Der Onkel fünffacher Weltmeister, er selbst vierfacher deutscher Meister und auch seine beiden Kinder heimsen Titel ein. Die Familie von Michael Seeger scheint das Rollkunstlaufen im Blut zu haben. Doch was macht das ehemalige REV Heilbronn-Mitglied heutzutage?

Rund 590 Kilometer trennen Michael Seeger seit einigen Jahren von Heilbronn. Ganz losgelassen hat ihn seine alte Heimat jedoch nicht. Auch, weil er den REV Heilbronn wohl nie ganz loslassen kann. "Er liegt mir noch sehr am Herzen", sagt Seeger über den Verein, dem er mehr als 40 Jahre angehörte. Erst als aktiver Läufer, später als Vorsitzender. Aber auch in Bremen, wo Michael Seeger berufsbedingt seit 2011 wohnt, ist das Leben des 56-Jährigen weiter eng mit dem Rollkunstlauf verknüpft.
Die ersten Rollschuhe
Seegers Mutter, Sigrid Seeger-Losch, lange Zeit Trainerin und internationale Kampfrichterin, nahm ihre beiden Kinder schon früh zum Training mit. "Ich war vielleicht vier Jahre alt, als ich das erste Mal Rollschuhe anhatte", sagt der Diplom-Ingenieur.
Seine Mutter ist bis heute im REV aktiv und gewann 1952 die deutsche Vizemeisterschaft im Paarlauf. Die Meisterschaft scheint im Blut zu liegen: Seeger-Loschs Bruder, Karl-Heinz Losch, hat fünf Weltmeistertitel gefeiert.
Große Fußstapfen also, in die Michael Seeger damals trat. Doch Druck verspürte er deshalb nicht. Genau so wenig wie seine zwei Kinder Michael und Palmira, die ebenfalls erfolgreiche Rollkunstläufer sind. "Die machen sich eher selber den Druck", sagt Seeger, "vor allem bei meiner Tochter ist der Ehrgeiz da, aber das hängt auf keinen Fall davon ab, was in der Familie an Rollsport gemacht wurde."

Beide Kinder sind erfolgreich im Paartanz, während ihr Vater sich für den Paarlauf entschied. Den begann Michael Seeger mit etwa zwölf. "Der REV hatte seine Spezialität schon immer im Paarlauf", sagt er. Vor allem Trainerin Erna Schwarz war da hinterher. "Sobald ein Junge da war, versuchte sie ihn fürs Paarlaufen zu gewinnen." Die Partnerin fand sie in Annette Münzing. "Ich bin ein Rechtsspringer, davon gibt es wenige. Annette sprang genauso, daher gab es gar keine andere Wahl", sagt Seeger und schmunzelt.
Beachtliche Erfolge
Zehn Jahre lang liefen sie zusammen unter den Fittichen von Erna Schwarz. Mit beachtlichem Erfolg. Teilnahmen bei Welt- und Europameisterschaften, viermal wurden sie deutsche Meister und gewannen 1984 den EM-Titel in Hanau - doch Annette Münzing wollte sich nicht zu den goldenen Zeiten von einst äußern.
Seeger/Münzing trainierten bis zu fünfmal die Woche. "Manchmal frage ich mich, auch jetzt bei meinen Kindern, ob ich was verpasst habe - oder ob sie was verpassen", gesteht Seeger. "Aber dann frage ich mich, was hätte ich sonst mit der Zeit gemacht? Wahrscheinlich nichts Produktives." Viel eher schätzt Michael Seeger die Zeit damals. "Ich habe wesentlich mehr erlebt und gesehen als andere in meinem Alter."
Größte Niederlage

1986 kam dann, was Seeger als seine größte sportliche Niederlage bezeichnet: die EM in Nimes. "Wir waren super in Form, hatten eine gute Kür mit schweren Elementen, waren Favoriten", erinnert sich Seeger. "Wir hätten es schaffen können, aber hatten schwere Patzer drin." So wurde es Platz vier - und eine Enttäuschung für beide. Ein Jahr später beendeten Münzing und Seeger die Karriere. "Wir wollten andere Prioritäten setzen." Michael Seeger, damals 23 Jahre alt, konzentrierte sich auf sein Maschinenbau-Studium in Stuttgart.
Seitenwechsel
Heute ist Seeger 1. Vorstand im ERB Bremen. Auf den Rollen steht er manchmal noch. Hauptsächlich ist er jedoch als Wertungsrichter aktiv. Seit 2018 ist er technischer Spezialist fürs Paarlaufen, seit Februar auch für den Einzellauf. "Diese Position gibt es erst seitdem nach dem neuen RollArt-System bewertet wird", sagt er. Als Teil des Technischen Panels begutachtet Michael Seeger, welche Elemente beim Lauf gezeigt werden. "Anfangs war ich kritisch gegen über RollArt", meint Seeger, "aber es ist viel gerechter, subjektive Dinge werden fast eliminiert."
Aber nicht nur das Wertungssystem hat den Rollkunstlauf in den vergangenen Jahrzehnten verändert. "Der Sport ist professioneller geworden", sagt Michael Seeger. Seine Hoffnung für die Zukunft: Dass die Sportart olympisch wird. Endlich.

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