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Das Ende war von langer Hand geplant

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Carolin Ingelfinger verabschiedete sich 2007 nach fünf Weltmeistertiteln im 2er Kunstradfahren zusammen mit Katja Knaack vom Sport "Wir hatten das Glück, aus der Überzeugung heraus und mit dem maximalen Erfolg aufzuhören", sagt Carolin Ingelfinger.

Heimspiele in der Sulmtalhalle waren selten, umso mehr genossen Carolin Ingelfinger (unten) und Katja Knaack die Auftritte beim Großen Weinpreis.
Foto: Archiv/Veigel
Heimspiele in der Sulmtalhalle waren selten, umso mehr genossen Carolin Ingelfinger (unten) und Katja Knaack die Auftritte beim Großen Weinpreis. Foto: Archiv/Veigel  Foto: Veigel

Sie hat abgeschlossen mit dem Sport. Mit der Vergangenheit. Einfach so. Ohne Reue. Trotzdem ist Carolin Ingelfinger dem Kunstradfahren weiter verbunden. Ganz locker, ohne Zwang - als Beobachterin. In den vergangenen Jahren moderierte die Erlenbacherin noch den Großen Weinpreis in ihrer Heimat.

"Ansonsten beobachte ich es eher aus der Ferne oder werde bei Projekten um Rat gefragt", sagt die 35-Jährige. Denn die Prioritäten haben sich verschoben, der Lebensmittelpunkt auch. Carolin Ingelfinger wohnt inzwischen in Stuttgart, arbeitet dort als Projektleiterin bei der Messe.

Die Abschiedsgala fand 2007 in Erlenbach statt

Fünf Mal wurde sie von 2002 bis 2006 zusammen mit Katja Knaack Weltmeisterin im Zweier-Kunstradfahren, drei Mal (2002 bis 2004) war das Duo Unterländer Sportler des Jahres. Doch das sind nur noch Erinnerungen. Nette Erinnerungen.

Nach der WM 2006 kam das Karriereende, 2007 gaben die beiden in der heimischen Sulmhalle ihre Abschiedsgala. Damals hatte Ingelfinger bereits mit dem Studium begonnen, Sportmanagement und Betriebswirtschaftslehre. Es blieb immer weniger Zeit für den Sport. Beim Abschied wurde zwar die eine oder andere Träne vergossen, doch Wehmut gab es keine.

"Katja und ich waren in der komfortablen Lage, nicht plötzlich aufhören zu müssen", erzählt Ingelfinger. Das Ende war von langer Hand geplant. "Wir haben uns den Slot schon zwei Jahre vorher gesetzt", sagt Ingelfinger. "Wir hatten dann das Glück, aus der Überzeugung heraus und mit dem maximalen Erfolg aufzuhören. Wir hatten eine gute Zeit und haben viel mitgenommen. Wir hatten für uns das Gefühl, dass wir am Ziel sind, und wir wollten selbst entscheiden, wann wir aufhören. So konnten wir uns in Ruhe dem widmen, was danach kam."

Ingelfinger profitiert immer noch von sportlichen Tugenden

Sie profitiert aber noch im Berufsleben von sportlichen Tugenden der Vergangenheit. "Es gibt ein paar Dinge, die einen immer begleiten werden. Dazu gehören Ehrgeiz, Struktur, Stressresistenz, Durchsetzungsvermögen und Organisationstalent. Es stellen sich auch immer die Fragen, wo will ich hin, wie komme ich dahin", sagt Ingelfinger.

So ging sie dann auch nach dem Diplom 2009 den geraden Weg. Nach einem Praktikum arbeitete sie zunächst für den Sportartikelhersteller Adidas als Freie Mitarbeiterin. 2010 hatte Ingelfinger ihren ersten festen Job - beim VfB Stuttgart im Marketing, später in der Arena im Businessbereich. Nun ist sie eben bei der Messe Stuttgart gelandet und hat "dem Sport auch beruflich den Rücken gekehrt. Ich bin darüber selten so froh gewesen, wie in diesen Tagen", sagt Ingelfinger.

Sie sieht, wie die Vereine mit der Corona-Krise zu kämpfen haben. Auch die Messe ist davon betroffen. "Aber wir haben eine ganz gute Basis aus den vergangenen Jahren", sagt Ingelfinger, die das Kämpfen gewohnt ist. "Wir sind optimistisch, dass wir einiges puffern können."

Einige Kontakte von früher sind noch geblieben

Die große Frage ist, wie lange die Krise anhält. Wie viele arbeitet die Erlenbacherin derzeit im Homeoffice. Fit hält sie sich grundsätzlich mit Functional Fitness unter anderem in der Betriebssportgruppe. So ganz ohne Bewegung geht es eben nicht. Und dann denkt sie doch noch einmal an die gute alte Zeit zurück. "Es war schon ein extrem gutes Team mit Katja, den Trainern Rolf Halter und Harald Weiß. Eigentlich war es im gesamten RSV Erlenbach ein toller Zusammenhalt. Aber auch die Nationalmannschaft war eine gute Truppe. Das sind schon Dinge, an die man gerne zurückdenkt. Und natürlich an die Erfolge."

Trotzdem stellt sie klar: "Aber in der Erlenbacher Sulmtalhalle hat bei uns auch nicht immer die Sonne geschienen." Im Sport gibt es eben auch Reibereien. Einige Kontakte sind auch nie abgebrochen. So steht sie in ständiger Verbindung zu Katja Knaack, die in Magstadt lebt. Auch mit anderen ehemaligen Sportlern hat sie noch losen Kontakt. "Wir haben uns zur WM in Stuttgart Ende des Jahres verabredet", sagt Ingefinger. Auch da wird dann sicherlich die Vergangenheit ein Thema sein. Ganz entspannt, ohne Reue. Falls die WM überhaupt stattfinden kann.

 
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