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Chris Vogler: Ehemaliger Formel-3-Pilot und entschleunigter Zwangs-Insulaner

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So verbringt Motorsportler Chris Vogler aus Heilbronn-Frankenbach die Quarantäne-Zeit auf Mallorca. Feststeht: Er musste einen Gang zurückschalten. Corona hat ihn eingeparkt.

von Dominik Knobloch
Ein Mann aus dem Unterland, der auf Mallorca angekommen ist: Chris Vogler (links) hat natürlich noch immer Spaß daran, einen Porsche 911 Speedster den Asphalt zu jagen, im Vordergrund steht die "Rennerei" für ihn aber nicht mehr.
Foto: privat
Ein Mann aus dem Unterland, der auf Mallorca angekommen ist: Chris Vogler (links) hat natürlich noch immer Spaß daran, einen Porsche 911 Speedster den Asphalt zu jagen, im Vordergrund steht die "Rennerei" für ihn aber nicht mehr. Foto: privat  Foto: privat

Der Porsche 911 Speedster steht noch immer in der Garage. Ruhig schlummern die 510 PS im Schatten einer Abdeckplane auf Mallorca. "Eigentlich sollte der längst zurück in Deutschland sein", sagt Chris Vogler und lacht. Ähnliches gilt auch für den ehemaligen Formel-Piloten aus Heilbronn, der viele Jahre in Frankenbach gewohnt hat. Denn nicht nur der Sportwagen ist zwangsläufig länger als geplant auf der Insel geparkt.

Im Oktober hatte Vogler das Auto in Zuffenhausen abgeholt, selbst nach Toulon zur Fähre gefahren, "dann ab auf die Insel". Dort stand der limitierte Porsche bis Anfang Januar auf dem Gelände von Voglers spanischer Finca. Dann sammelte er mit Vermieter und Copilot Jaime Domenge Sancho Aufschriebe für die Showcar-Klasse der 16. Rally Clasico Mallorca.

Vollbremsung bei seiner ersten Rallye seit 22 Jahren

Chris Voglers erste Rallye seit 22 Jahren sollte Mitte März zu einem speziellen Ende kommen. Denn vor dem dritten und finalen Tag zwang die Regierung zu einer Corona-bedingten Vollbremsung. Abbruch, Shutdown, kein Motorsport mehr. Dass Vogler die Klasse mit einer Minute Vorsprung furios anführte - nicht weiter wichtig. Während der anschließenden Ausgangssperre, die sechs Wochen dauern sollte, zählten ganz andere Dinge.

Sein Gasfuß war Chris Vogler dabei völlig egal. Ohnehin sei das "Leben auf der Insel wie mit gezogenem Stecker". Die Pandemie entschleunigte den Alltag dabei nur noch mehr. Aus dem Haus durfte nur, wer Lebensmittel brauchte oder zum Arzt musste.

Froh über großzügiges Grundstück

Erst vor zwei Wochen trafen Chris Vogler und seine Frau Silvia nach mehr als zwei Monaten wieder Freunde aus Palma bei sich: "Die wohnen dort in der Innenstadt in einer Vier-Zimmer-Wohnung und haben erzählt, dass sie jeden Tag 5000 Schritte durch alle Zimmer durchgelaufen sind - da kriegst du den Koller. Das mag ich mir gar nicht vorstellen." Da war das große Grundstück im Osten, in das sich die Voglers 2019 verguckten und einen Drei-Jahres-Mietvertrag unterzeichneten, angenehmer.

Mittlerweile seien die Maßnahmen aber etwas gelockert und man dürfe zumindest wieder etwas mit dem Fahrrad auf Tour gehen, berichtet Chris Vogler: "Die haben hier ein Stufenkonzept von null bis vier. Jetzt sind wir in der Stufe eins, und wenn bald Stufe zwei kommt, ist auch wieder etwas mehr erlaubt."

Mallorca den Rücken zu kehren, als die Krise aufkam, sei keine Überlegung für die Voglers gewesen: "Ehrlich gesagt, fühle ich mich hier wohler, als wenn ich in Frankenbach in meinem Ein-Familien-Häusle ohne Ausblick hocke."

Gefangen im Paradies

Zuletzt in der Heimat war Vogler an Weihnachten. Dabei hatte der Fahrplan zwischen der gemieteten Finca und dem Unterland für die vergangenen sechs Monate doch etwas anders ausgesehen. "Im Prinzip waren wir so organisiert, dass wir alle vier Wochen mal für einige Zeit in Deutschland sind. Jetzt bin ich halt Zwangs-Insulaner. Aber wenn du im Paradies sitzt und einer schmeißt dir den Schlüssel weg, dann stört dich das nicht unbedingt."

Hochzeit von Sohn Tom auf nächstes Jahr verschoben

Auch die Hochzeit von Sohn Tom auf dem Buga-Gelände wird Chris Vogler im Juni nicht verpassen, weil sie auf nächstes Jahr verschoben werden musste. Aus der Geschäftsleitung der Neckarsulmer Softwareschmiede ist Chris Vogler ebenfalls seit eineinhalb Jahren raus. Dringendes Tagesgeschäft gibt es nun nicht mehr. Auch die "Rennerei" langsam in den Hintergrund driften zu lassen, ist für das einstige Motorsport-Talent, das im Formel-Sport selbst Rennen noch hinter dem Eisernen Vorhang ebenso gefahren ist wie in der DMV TCC oder im Lamera-GT-Cup, kein großes Problem: "Die Rallye war natürlich ganz nett, das hat mir Spaß gemacht. Aber ich werde nächstes Jahr 60 - und wie hat es ein guter Freund schon vor Jahren zu mir gesagt: ,Chris, du wirst älter, aber nicht schneller"."

Mit Elektro-Auto und Fahrrad unterwegs 

Damals wollte Vogler das noch nicht hören, heute ist er längst entschleunigt. Fährt auf seiner Insel ganz gemäßigt Elektro-Auto und Fahrrad. "Die Insulaner sagen immer tranquillo. Auch jetzt noch, wo sie wegen des ausbleibenden Tourismus schwer zu kämpfen haben."

Den Porsche 911 Speedster in seiner Garage hat er seit März nur 30 Kilometer bewegt. "Zum Tanken und das war es dann. Das wäre früher wahrscheinlich auch nicht so gewesen", sagt Chris Vogler und lacht.

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