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Bestweite von Aliena Juliette Heinzmann ist nicht aus der Luft gegriffen

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Eppingens Dreispringerin Aliena Juliette Heinzmann nutzt das Heim-Meeting, um die Norm für die U 23-EM zu knacken. Ob die 21-Jährige wirklich in Finnland dabei ist, wird sich jedoch erst kurzfristig entscheiden.

Kraftvoll und technisch sauber hat Aliena Juliette Heinzmann auf ihrer Heimanlage in Eppingen eine gute Serie mit 13-Meter-Sprüngen gezeigt.
Foto: Mario Berger
Kraftvoll und technisch sauber hat Aliena Juliette Heinzmann auf ihrer Heimanlage in Eppingen eine gute Serie mit 13-Meter-Sprüngen gezeigt. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Die Selbstverständlichkeit, die in jedem ihrer Worte mitschwingt, unterstreicht den Glauben an das eigene Können. "Natürlich beschäftige ich mich damit, dass ich da hin will. Aber auch nicht mehr", sagt Aliena Juliette Heinzmann. Längst weiß die 21-Jährige, wo Espoo liegt. Allein, weil ihre Eltern Mitte Juli einen Besuch in der zweitgrößten Stadt Finnlands westlich der Kapitale Helsinki planen. "Sie fahren wohl mit einem Van hoch, weil die Flüge schwierig zu stornieren sind", sagt die Tochter. Die Sache mit Espoo hat allerdings noch einen klitzekleinen Haken: Die Dreispringerin weiß erst zwei Wochen vorher, ob sie mit der Junioren-Nationalmannschaft zur U 23-Europameisterschaft nach Espoo fliegen darf.

Persönliche Bestleistung auf 13,32 Meter verbessert

Am Samstagnachmittag hat die Topspringerin des TV Eppingen beim Heim-Meeting im Kraichgaustadion die Basis geschaffen - ist mit einem kraftvollen Hop - Step - Jump auf 13,32 Meter gesprungen. Persönliche Bestleistung und zwei Zentimeter über der Norm-Vorgabe des Verbandes (DLV). Darauf hatten sie und ihr Trainer Peter Bergdolt zuvor gehofft. Nicht nur, weil die Zubringerdaten darauf hingedeutet haben. "Ich wollte es direkt im ersten Wettkampf abhaken, um der Sache nicht hinterher zu springen und den Druck zu haben", sagt Aliena Juliette Heinzmann. "Dass es gleich funktioniert hat, war schon gut. Es zeigt, dass das Potenzial da ist."

Dass die Eppingerin nicht übertreibt, belegt ihre konstante Serie mit drei gültigen Versuchen über die 13-Meter-Marke. Und die ungültigen? "Das waren die Ausreißer. Der leicht übertretene war irgendwo bei 13,50 oder 13,60 Meter." Genau dorthin mag die von der Sporthilfe Unterland geförderte Athletin als nächste Zielvorgabe springen. Der perfekte Zeitpunkt wären die deutschen U 23-Meisterschaften. In Göttingen entscheidet sich Anfang Juli final, wer mit nach Espoo zur EM darf - vorausgesetzt mehr als drei schaffen die Norm.

Die Erfolgs-Mixtur der ehemaligen Fußballerin

Nicht einzig der Sieg zu Hause vor Jennifer-Stefania Dossey (VfB Stuttgart/12,92) verleiht Aliena Juliette Heinzmann wohltuende Lockerheit. "Es ist einfach mega motivierend", sagt die ehemalige Fußballerin, die erst spät zur Leichtathletik gewechselt ist. Zu spüren, dass noch mehr möglich ist, verleiht dem Selbstbewusstsein einen weiteren Schub. Vermengt mit der nötigen Sicherheit und dem erhöhten Spaßfaktor ergibt sich eine Erfolgs-Mixtur. Aliena Juliette Heinzmann drückt es auf ihre Weise aus: "Wenn diese eine Anforderung, die man an sich selber hat, schon mal weg ist, ist man glücklich und beruhigt."

Das gilt auch für den Trainer. Peter Bergdolt weiß um die Pensen, die seine Athletin während der sechs Einheiten in der Woche abspult. "Aliena ist wahnsinnig diszipliniert, macht einiges auch alleine", sagt der Trainer, der nur am Wochenende vor Ort ist. Montags und Mittwochs ist Martin Löwer Ansprechpartner, dienstags ist die Athletin selbst gefragt. "Optimal ist es tatsächlich nicht, gerade beim Krafttraining kann immer mal was passieren", sagt Aliena Juliette Heinzmann. Um Fehlhaltungen zu vermeiden, nutzt sie daher konsequent den Spiegel und übertreibt es nicht. Allerdings: "Ich bin ein Mensch mit schlechtem Gewissen, der lieber durchzieht statt zu sagen dem Körper reicht es jetzt."

Arbeit im elterlichen Betrieb ermöglicht große Flexibilität

Schließlich arbeitet die 21-Jährige als Anlagenmechanikerin im elterlichen Betrieb. Das funktioniert. Nicht zuletzt, weil so mehr Flexibilität in der Planung möglich ist, auch bei Sonderurlauben. "Das geht nicht bei jedem Handwerksbetrieb", sagt Heinzmann. Bei ihren vier Stunden täglich bleibt es für die Halbtagskraft trotzdem nicht. Im Kundendienst lässt sich das nicht verhindern - kein Drama für die Dreispringerin. Im Umkreis wissen die Kunden von ihrer Leidenschaft. "In der Zeitung sehe ich anders aus, als wenn ich in meiner Montur auflaufe", sagt die Kraichgauerin und lacht. Trotzdem kommt es zum Plausch über die Springerei. Aliena Juliette Heinzmann freut sich über die Anerkennung.

Auch am Samstag strahlt sie. Eine große Feier gibt es am Abend jedoch nicht. Weil tags darauf Schwester Larissa geheiratet hat. Da ist Zeit genug zum Tanzen.

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