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Schwimmen

Bente Fischer liebt die Reize der Heimat

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Die Sportlerin liebt ihr Umfeld in Neckarsulm und setzt nicht wie die momentan bei der Weltmeisterschaft in Ungarn schwimmende Anna Elendt auf die USA. Fischer ist bei den Finals in Berlin aktiv.

Brust ist die technisch anspruchsvollste Stilart der Schwimmer. Bente Fischer wird bei den deutschen Meisterschaften über 100 Meter Zweite.
Foto: imago-images/Camera4
Brust ist die technisch anspruchsvollste Stilart der Schwimmer. Bente Fischer wird bei den deutschen Meisterschaften über 100 Meter Zweite. Foto: imago-images/Camera4  Foto: Tilo Wiedensohler via www.imago-images.de

Ein Lächeln zum Zeichen ihrer tiefen Zufriedenheit. Fix die langen nassen Haare schütteln, dann legt sich Bente Fischer ein weißes Handtuch über ihre Schultern. Im Wasser ist sie wenigen Minuten zuvor an ihre Grenze gegangen, an Land spürt sie keine Erschöpfung, vielmehr eine enorme Vorfreude auf mehr. "Beim Anschlag hatte ich das Gefühl, mein Rennen fängt jetzt erst an. Das bringt mir positive Freude auf die 200 Meter am Sonntag."

Ihr gelingt ein idealer Auftakt

Bente Fischer ist am Freitag bei den Finals in Berlin ein idealer Auftakt gelungen. In 1:09,43 Minuten wird sie deutsche Vizemeisterin über 100 Meter Brust - ihre schnellste Zeit in diesem Jahr. Auf jener Strecke, auf der Anna Elendt vier Tage zuvor Vizeweltmeisterin in Ungarn geworden ist und über die erste Brust-Medaille einer Deutschen seit 2005 strahlt. In die Hauptstadt fliegt die 20-Jährige bestenfalls am Wochenende, wo es dann auch zum Duell mit Bente Fischer kommen würde - über die Paradestrecke der Neckarsulmerin. Zwei junge Frauen, zwei unterschiedliche Erfolgswege. "Wir haben noch nie so intensiv gesprochen", sagt die 24-Jährige von der Sport-Union über ihre Kontrahentin. Eine Gratulation im Wasser, ein Smalltalk, mehr ist bisher nicht drin gewesen.

Wie auch. Anna Elendt lebt in den USA. Die nationale Nummer eins und Rekordhalterin studiert seit zwei Jahren an der University of Texas und trainiert in der großen Gruppe von Carol Capitani, einer anerkannten Fachfrau. Sie hat Anna Elendt zu einem noch härteren Training animiert. Das zahlt sich nun aus.

Bente Fischer erlebt ihre Jugendjahre als Kader-Triathletin der Sport-Union, konzentriert sich erst mit 16 aufs Schwimmen. Unter Neckarsulms australischem Cheftrainer Matt Magee, dessen fachliche Expertise gleichfalls unumstritten ist, schafft die 24-Jährige binnen eines Jahres den Sprung auf die internationale Ebene. 2021 startet Fischer bei den Europameisterschaften, im April packt sie bereits im Vorlauf von Eindhoven die Qualifikation für die EM im August in Rom.

Die Staaten sind keine Option

Doch die Zahl der sportlichen Auswanderer steigt. Zuletzt vermeldet Brustschwimmerin Kim Herkle ihren Wechsel in die Staaten. "Das ist gerade ein Trend. Schade! Ich verstehe es zwar, für mich ist das aber keine Option", meint Fischer.

Die Reize der Heimat sind nach dem Abitur 2016 größer. "Weil ich das Gefühl gehabt habe, dass in Neckarsulm was Gutes entsteht. Für mich hat das nur Vorteile. Hier ist ein tolles Team, meine Familie, hier sind meine Freunde." Die Region als Wohlfühloase. Die Verbundenheit zum Unterland als Quelle fürs Selbstbewusstsein.

Bente Fischer macht es stolz, das Urgestein der multikulturellen Trainingstruppe zu sein. Die Neuen fragt die Lehramtsstudentin immer wieder nach dem Scheuerberg, jenen Hügel, auf den sie im Training blicken. "Es ist mir wichtig, dass die Leute die Region schätzen", sagt Bente Fischer, "unsere Aussicht im Bad ist einzigartig. Allein das motiviert einen jeden Tag."

Auch Anna Elendt ist ein Familienmensch - trotz der riesigen Entfernung von Frankfurt nach Texas ist Mama Melanie eine enge Bezugsperson geblieben. Den amerikanischen Lebensstil und die Trainingsmethodik hat sie aber längst verinnerlicht. Am Finaltag der Finals in Berlin wird sie nach ihrem Überraschungs-Silber von Ungarn im Rampenlicht stehen, nicht Bente Fischer. Ein Problem hat das Mitglied des Sporthilfe-Perspektivteams damit nicht. Sie geht kontinuierlich ihre eigenen Schritte, und es geht ihr gut dabei.

An diesem Samstag startet Bente Fischer über 50 Meter Brust und 200 Meter Lagen. Nebenstrecken, um im Wettkampfmodus zu bleiben. "Ich höre viel auf meinen Körper, weiß auch, wann die Grenze ist. Fühle ich mich mal schlecht, gehe ich in die Natur oder mit meinen Schwestern spazieren. Die Familie ist mein Rückzugsort." Und wenn sie am Montag heim nach Amorbach kommt, wartet dort der zehn Monate alte Loki. Bente Fischer ist eine begeisterte Katzen-Mama.

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