Beginn einer neuen Zeit: Padel etabliert sich in Heilbronn

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Deutsch-Spanier Miguel Morales Krück gewinnt das Eröffnungsturnier im Sportivo Heilbronn. Enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tennis Bund hat Vor- und Nachteile.

Stellten sich am Sonntag der Konkurrenz im Turnier der Herren 250: Julian Hauck (links) und Thomas Benner aus Kochertürn.
Stellten sich am Sonntag der Konkurrenz im Turnier der Herren 250: Julian Hauck (links) und Thomas Benner aus Kochertürn.  Foto: Berger, Mario

Eine große Uhr liegt auf einem Sitzelement, mit der Anzeige Richtung Hallendecke, und passt bestens zum wuseligen Treiben in der Halle des Sportivo in Heilbronn-Frankenbach. Wo einst Tennisplätze waren, sind in den vergangenen Wochen Padel-Courts entstanden. Auf einer Couch vor einem der Glas- und Gitterkästen liegt die Juli-Ausgabe des Magazins des Deutschen Tennis Bundes (DTB), auf dessen Titelseite zu lesen ist: "Padel ist im Kommen". Heft und Uhr scheinen die neuen Zeiten anzuzeigen: Der boomende Rückschlagsport ist in Heilbronn angekommen, hat am Wochenende bei einem Eröffnungsturnier der Cupra German Series Padel-Größen ins Unterland gebracht.

Miguel Morales Krück sieht Potenzial in Deutschland

"Was Miguel hier auf dem Platz gemacht hat, hat es in Deutschland noch nicht gegeben", sagt Frauen-Bundestrainerin Jimena Gonzalez aus Flein und schwärmt vom Auftritt des in Barcelona lebenden Miguel Morales Krück, der am Samstag das Herren-1000-Turnier an der Seite von Nationalspieler Patrick Mayer aus Ubstadt-Weiher gewonnen hat. Der Spanier mit deutschem Vater ("Ich bin in Bad Soden aufgewachsen und mit vier Jahren nach Barcelona gezogen") spielte zum zweiten Mal ein Turnier in Deutschland. Das dürften nun rasch mehr werden.

Der 21-jährige Padel-Profi habe kürzlich die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen - und könnte mit seinem Wissen und Können Padel in Deutschland noch schneller noch populärer machen. Miguel Morales Krück, er spielte erstmals mit 13 Jahren Padel, ist sich sicher: "Die Popularität von Padel in Deutschland kommt von alleine - die Leute müssen es nur spielen können." So wie in der Region seit Jahren auf dem einen Platz des TC Schwaigern, den beiden Courts in Kochertürn und den nun sieben nagelneuen Hallenplätzen in Heilbronn. "Die sind super geworden", versichert der Profi.

Mehr als ein Kraftsport: Taktik und Teamgeist sind gefragt

68 Spielerinnen und Spieler waren an den zwei heißen Turniertagen in vier Kategorien am Start, darunter Nationalspielerin Patricia Grove. Die 30-Jährige aus Köln wird gesponsert ("Klamotten und auch Geld"), betreibt Padel aber als Hobby und weiß: "Man wird sofort süchtig." Vor vier Jahren habe die Doktorandin der Sportpsychologie an der Deutschen Sporthochschule einen Schnupperkurs gemacht. Was die ehemalige Fußball- und Tennisspielerin nachhaltig fasziniert: "Man hat von Beginn an Spaß. Es ist Teamsport und eine coole Rückschlagsportart. Es ist viel Taktik gefragt, es geht nicht alles über Kraft. "

Das Damen-500-Turnier gewinnt Patricia Grove am Sonntag mit Luciana Renic aus Schwetzingen gegen die derzeit vermutlich beste deutsche Spielerin Corina Scholten (Köln) sowie Chiara Kampschulte (Espelkamp) mit 7:5, 6:2. Ein Padel-Match dauert 60 bis 90 Minuten. Dabei läuft Musik. In der Box, wo mit leichteren und weicheren Bällen als im Tennis gespielt wird, gibt es keine Diskussionen. Gespielt wird im K.o.-System mit Nebenrunde, jeder hat so am Wochenende drei Matches gespielt. Auffallend viele Spanier, Brasilianer, Argentinier und Chilenen sind darunter.

Sportart tut sich im Ausland bislang leichter

Patricia Grove spielt oft Padel-Turniere im Ausland, gerade in Belgien sowie den Niederlanden und sagt: "Die anderen Länder sind weiter." Die Verbandsstrukturen seien anders, offener. Und es gebe nicht so viele Auflagen. Doch Padel hat mit dem DTB, dem größten Tennisverband der Welt, einen starken Förderer, oder? Jein, findet Patricia Grove: "Padel muss aufpassen, dass es nicht der kleine Bruder des Tennis bleibt. Aber warum nicht die Möglichkeiten des DTB nutzen?"

Für Bundestrainerin Jimena Gonzalez, die am Sonntag mit der Spanierin Estela Garin Dritte geworden ist, ist der Fall klar: "Padel ist eine eigene Sportart." Der DTB hatte sie Anfang Januar als Referentin zum internationalen Kongress nach München eingeladen. Überall auf der Welt ist klar: Padel ist im Kommen. Auch im Sportivo Heilbronn hat eine neue Zeit begonnen.

 

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