Bad Skid: Aus Massenbach hinaus in die Frisbee-Welt
Deutschlands Elite ist mit den Bad Skid, dem Herrenteam der Ultimate-Frisbee-Abteilung des TSV Massenbach, in der Region zu Hause und hofft bei der Klub-Weltmeisterschaft in Cincinnati auf einen Coup.

Mal saust die weiße Kunststoffscheibe am Montagabend hoch durch die Erligheimer Abendluft, mal nur Zentimeter über die künstliche Grasnarbe des Kesseläcker Sportplatzes. Meist landet sie am Ende ihrer Flugphase jedoch in den Händen eines jungen Mannes. Das ist ein gutes Zeichen. Jedenfalls für die Spieler von Bad Skid, die Flug- und Fangphasen immer wieder mit Anweisungen oder Motivationsrufen begleiten. Es wird gescherzt und gelacht, doch sobald die 175-Gramm-Frisbee in der Luft liegt, herrscht gewisse Anspannung. Das hat seinen Grund.
Standortbestimmung in Bologna
Über die Osterfeiertage gibt es für Bad Skid, das Herrenteam der Ultimate-Frisbee-Abteilung des TSV Massenbach, beim internationalen Einladungsturnier im italienischen Bologna die erste Standortbestimmung. Die zweite folgt im Juni in London, ehe der deutsche Meister, der den nationalen Titel zuletzt zehnmal in Serie errang, Ende Juli nach Cincinnati aufbricht. Dort kommt es bei den World Ultimate Club Championships (WUCC), der Klub-WM, zum Kräftemessen mit der Welt-Elite. Viel besser geht es nicht.
Zurzeit laufen die Vorbereitungen: Reise- und Übernachtungsplanungen müssen koordiniert, die Gültigkeit von Impfnachweisen kontrolliert und Visa-Anträge gestellt werden - das Team um Spielertrainer Holger Beuttenmüller ist gut ausgelastet. "Wenn wir wieder ins Viertelfinale kämen, wäre das ein großer Erfolg", sagt Beuttenmüller. Der Spielertrainer und Europas Spieler des Jahres von 2018 betreibt die Flying-Disc-Sportart seit rund 15 Jahren auf höchstem Niveau.
Viel laufen und noch mehr Reaktion
Die Ursprünge des körperlosen Sports, dessen Feld und Regeln Ähnlichkeiten zum Basketball und American Football aufweisen, liegen in Nordamerika. Auf dem rechteckigen Spielfeld (100 x 37 Meter) befindet sich an der kürzeren Seite je eine Endzone, in die das Spielgerät von der angreifenden Mannschaft geworfen und dort gefangen werden muss. Dafür gibt es einen Punkt. Wer 15 erzielt oder nach 100 Minuten in Front liegt, gewinnt.

Weil sich der Besitzer der Scheibe nach dem Fangen nicht fortbewegen, sondern seine Position nur mit dem aus dem Basketball bekannten Sternschritt verändern darf, sind im Angriff hohe Laufintensität und beim Verteidigen Antizipations- und Reaktionsschnelligkeit gefragt. Zehn Sekunden hat der Besitzer der Scheibe Zeit, sie an einen seiner sechs Mitspieler weiterzuspielen. Der Gegner zählt die Zeit währenddessen hörbar herunter, darf seinem Gegenüber das Spielgerät jedoch nicht entreißen.
Es braucht keinen Schiedsrichter
Das Besondere: Gespielt wird selbst auf höchstem Niveau ohne Schiedsrichter. Denn der "Geist des Spiels" stellt die wichtigste Regel dar, nach der Fair Play und Respekt Grundvoraussetzungen sind.
Seit Ende der 1970er hat sich das Spiel von den Vereinigten Staaten ausgehend weltweit etabliert. Im Zuge der Frisbee-WM 2000 in Heilbronn entstand in der Region eine größere Begeisterung. Der Zusammenschluss von Spielern aus Bad Rappenau, Heilbronn, Massenbach, Gemmrigheim und Bönnigheim mündete 2007 im Team Bad Skid, das seitdem national dominiert.
Viel Eigeninitiative erforderlich

Die achttägige Klub-WM, bei der Mannschaften aus allen Erdteilen antreten, findet nur alle vier Jahre statt und ist daher selbst für den Abonnement-Meister etwas Besonderes. Dafür werden von der 25-köpfigen Gruppe weder Kosten noch Mühen gescheut: "Wir haben zwar einige kleine Sponsoren und der Verein unterstützt uns", erzählt Holger Beuttenmüller, "doch das Meiste zahlen wir aus eigener Tasche". Bei der WM 2018 landeten die Massenbacher als beste europäische Mannschaft auf Rang sieben.
Gerade die internationalen Turniere und die Klub-WM seien immer ein Ansporn, denn "die Teams aus Nordamerika sind international dominant. Routine bildet sich dabei aber irgendwie nie heraus", sagt Beuttenmüller. Anschließend gibt er wieder Anweisungen und dirigiert die nächste Übungseinheit. Damit die Kunststoffscheiben auch in Bologna und Cincinnati möglichst regelmäßig in den Händen der Bad-Skid-Akteure landen.


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