Aufstieg ist perfekt: Neckarsulm spielt nächste Saison erstklassig
Dass es am Samstagabend beim 38:20 der NSU-Handballerinnen gegen Koblenz/Weibern noch einmal ein Schützenfest gab, ist nur eine Randnotiz. Viel wichtiger: Die Zweitliga-Frauen der NSU haben den Aufstieg perfekt gemacht.
Samstagabend. 19.27 Uhr. Ein historischer Moment für die Neckarsulmer Sport-Union. Als die Schlusssirene durch die mit 1260 Zuschauern bis unters Dach gefüllte Ballei tönt, ist die Erstklassigkeit Gewissheit. Lange mussten sich die Neckarsulmerinnen gedulden.
Doch nach dem 38:20 gegen Koblenz/Weibern ist ihnen der vorzeitige Aufstieg am 25. Spieltag auch rechnerisch endgültig nicht mehr zu nehmen. Und dann herrscht Ausnahmezustand in der Ballei.
Die schnellste an der Mangum-Sektflasche ist Topscorerin Alena Vojtiskova. Keiner bleibt trocken. Auch Coach Emir Hadzimuhamedovic nicht: „Heute ist alles - fast alles - erlaubt“, sagt er, als im der Sekt übers Gesicht rinnt.
Bereits Minuten vor den Feierlichkeiten recken die Neckarsulmer Anhänger einen Banner in die Höhe. „Wir sind dabei, 1. Liga, eure Fans“. Und dass das so ist, machen beide Parteien beim 21. Sieg schon früh klar. Schon als die Mannschaft einläuft, bebt die Ballei. Mit stehenden Ovationen wird der Ligaprimus von seinen Fans empfangen. Wie sich die Neckarsulmerinnen eine solche Kulisse erarbeitet haben, das beweisen sie gleich in den ersten Minuten. Hurtig spurten sie zu einem 4:0 (4. Minute).
Nur kurz leistet der wegen finanzieller Probleme bereits als Zwangsabsteiger feststehnde Gast bis zum 3:5 (7.) Gegenwehr. Was von der Sport-Union bis zur 22:9-Pausenführung über ein 12:4 (15.) dann folgt, ist – trotz zahlreicher Wechsel - absolutes Schaulaufen für die 1. Liga.
Auch im zweiten Durchgang war der Torhunger der Neckarsulmerinnen noch lange nicht gestillt. Koblenz fügte sich kampflos in sein trauriges Schicksal. Die Neckarsulmer Auszeit in der 51. Minute – ein taktisches Kalkül, um einen neunminütigen Dauerapplaus einzufordern. Er wirkte. 38 Tore in einem Spiel – wiederholte Bestleistung der Sport-Union. Und bei der schallenden Aufstiegssause doch nur eine Randnotiz.
Irgendwann sind sie dann alle baden gegangen. Spielerinnen, Trainerteam, Betreuer – keiner bleibt verschont. Alle werden sie, falls nötig liebevoll, aber bestimmt in die Kabine der Ballei gezerrt. Deren Duschbereich ist mit einem aufblasbarem Planschbecken zum Whirlpool umfunktioniert worden. Ungelegen kommt das bekleidete Zwangswaschen nach dem vorzeitigen Aufstieg in die 1. Bundesliga niemandem. Es ist ja schon auf dem Feld feucht-fröhlich zugegangen.
Er dauert lange, der Tag des Aufstiegs. Feiern. Trinken. Feiern. Mit Sponsoren. Kreisläuferin Kathrin Fischer fasst in Worte, was alle denken: „Einfach nur geil.“
Kommentar von Dominik Knobloch
Nur der Anfang
Neckarsulm jubelt über den Aufstieg in die 1. Liga. Dort werden die Herausforderungen vielfältig.

Die Neckarsulmer Handballerinnen feiern sich. Völlig zurecht. Weil sie als Kollektiv Großes geleistet haben. Nicht nur in ihrem dritten Jahr in der 2. Bundesliga, aber dort ganz besonders. Die NSU ist als einziger Verein mit dem klar kommunizierten Ziel Aufstieg in die Saison gegangen. Und hat geliefert. Auf beeindruckende Weise. Auch, weil sich der Club enorm entwickelt hat. Auch, weil es die Verantwortlichen verstanden haben, das Team als Leuchtturm in der Region zu präsentieren und das Sponsorenpotenzial zu nutzen. Auch, weil der Trainer und das Team zu einer Einheit geworden sind – und immer wieder verlockende Angebote der Konkurrenz ausgeschlagen haben.
Und doch ist der Aufstieg erst der Anfang einiger Veränderungen. In Liga eins warten auf den einzigen Erstligisten in der Region happige Aufgaben – und das nicht nur auf dem Feld. Die sportliche Qualität der Mitbewerber ist hoch, es wird Niederlagen geben. Damit umzugehen, ist ein Lernprozess – besonders nach dem Hoch der vergangenen Monate. Auch die Ballei muss weiter wachsen, um dem gestiegenen Fan-Interesse gerecht zu werden.
Der Neckarsulmer Kader ist bereits mit drei Zugängen verstärkt worden. Sie müssen in die homogene Truppe, deren Stärke stets auch der Zusammenhalt ist, integriert werden. Der Spagat zwischen Werte wahren und noch mehr Professionalität aufbauen, ist schwierig. Noch dazu, weil die Handballer der Neckarsulmer Sport-Union keine ausgelagerte Abteilung sind.
Doch noch bleibt Zeit. Um mit Besonnenheit zu agieren.
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