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Fußball

Als Uli Hoeneß 150 Mark auf den Tisch legte und Mitglied beim SV Rohrbach/Sinsheim wurde

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Seit 30 Jahren ist Uli Hoeneß, der frühere Präsident des FC Bayern München, Mitglied beim SV Rohrbach/Sinsheim. Den Ausschlag dafür gab eine Vereinszeitung. Jürgen Bauer, Mitbegründer des "SV-Magazin", erinnert sich.

So sah die Vereinszeitung aus, in der das Interview mit Hoeneß 1989 erschien.
So sah die Vereinszeitung aus, in der das Interview mit Hoeneß 1989 erschien.  Foto: Jürgen Bauer

Der Name reicht für ein Raunen. Mehr muss nicht sein. Und obwohl die Fußballer des SV Rohrbach/S. genau wissen, welch prominentes Mitglied sie da haben, war es ein besonderer Moment, als Uli Hoeneß vor kurzem bei der Winterfeier des Vereins aufgerufen wurde.

Der langjährige Präsident des FC Bayern München, der im November alle seine Ämter beim deutschen Rekordmeister aufgegeben hatte, sollte geehrt werden: für 30-jährige Vereinstreue beim aktuellen Kreisligisten. Doch Hoeneß war nicht da. "Es war zu erwarten, dass er den weiten Weg für eine Urkunde und eine Ehrennadel nicht auf sich nimmt", sagt Jürgen Bauer, der Uli Hoeneß beides in der nächsten Woche schicken möchte.

Den kleinen Vereinen die großen näherbringen

Dem einstigen Schriftführer und Jugendtrainer der Rohrbacher ist es zu verdanken, dass Hoeneß, der zu der Zeit noch Manager des FC Bayern war, dem Verein vor inzwischen drei Jahrzehnten beigetreten ist. Damals, verrät Bauer, sei das Interesse an der Bundesliga weitaus geringer, die Stadien vielleicht halbvoll gewesen.

Mit der Vereinszeitung "SV-Magazin", hatten sich Bauer als Mitbegründer und Co. einem Prinzip verschrieben: "Wir wollten den kleinen Vereinen die großen näherbringen - und umgekehrt." Also warum nicht gleich groß denken, fragten sich die Macher.

Interview-Audienz bei Hoeneß bekommen

Und so schickte der Bayern-Fan das Vereinsmagazin an die Säbener Straße 51 in München. Dabei beließ es Bauer aber nicht: "Wir haben dann immer wieder hartnäckig nach einem Interviewtermin bei Uli Hoeneß' Sekretärin Karin Potthoff gefragt." Und sie wurden belohnt: Am 6. November 1989, einem Montag, bekamen die Kraichgauer morgens eine Audienz, durften Hoeneß für das "SV-Magazin" interviewen. "Er war damals schon ein Visionär", sagt Bauer.

Bei dem rund 45-minütigen Gespräch im Büro des Managers ging es auch um ein neues Stadion, wenngleich angesichts des geringen Interesses in kleineren Dimensionen gedacht wurde.

Ein Bild aus vergangenen Tagen: In seinem Büro an der Säbener Straße trug sich Uli Hoeneß am 6. November 1989 ins Buch des SV Rohrbach/S. ein.
Fotos: Jürgen Bauer
Ein Bild aus vergangenen Tagen: In seinem Büro an der Säbener Straße trug sich Uli Hoeneß am 6. November 1989 ins Buch des SV Rohrbach/S. ein. Fotos: Jürgen Bauer  Foto: Jürgen Bauer

Der Weltmeister von 1974 zeigte sich dabei auch angetan davon, dass der SV Rohrbach/S. als kleiner Verein mit seinen damals 350 Mitgliedern mit viel Engagement über seine Vereinszeitung, die damals in der Auflage von 700 Stück erschien, viel Eigenwerbung betrieb.

Sympathie mit Vereinsbeitritt bekunden

"Toll, wie ihr das alles macht - ich ziehe den Hut vor euch und eurer Arbeit", meinte Hoeneß anerkennend. Ihm habe zudem die Idee gefallen, den Kontakt zwischen Bundesligaclubs und kleinen zu fördern. Da sah Bauer seine Chance gekommen. "Kurz bevor wir uns verabschiedeten, fragte ich ihn, ob er nicht seine Sympathien für unsere Öffentlichkeitsarbeit mit einem Vereinsbeitritt bekunden möchte."

Hoeneß habe sich nach dem Jahresbeitrag erkundigt. 1989 betrug der 30 Mark. Daraufhin legte er 150 Mark auf den Tisch und sagte: "So, das müsste für die nächsten fünf Jahre ausreichen", erinnert sich Bauer. Nach Ablauf der fünf Jahre beteiligte sich der Bayern-Manager am Lastschriftverfahren und bekommt seitdem jährlich den Beitrag abgebucht.

"Heute sind das 50 Euro im Jahr", sagt Bauer. Zudem habe Hoeneß früher Pakete mit Fanartikeln oder kostenlose Eintrittskarten für den Jahresausflug geschickt.

Der Kontakt bestand die ganzen Jahre weiter

Der Kontakt habe die ganzen Jahre weiter bestanden - wenn auch ein wenig einseitig. Zuletzt habe er Hoeneß vor ein paar Jahren im Stadion in Hoffenheim gesehen. "Er wusste sogar noch meinen Namen", freut sich Jürgen Bauer. Nur allzu gerne würde er Hoeneß mal nach Rohrbach locken, das ist ihm all die Jahre nie gelungen. Ihm schwebt das 100-jährige Bestehens des SV Rohrbach/S. 2027 vor. "Und wenn ich ihn dafür am Tegernsee abholen muss."


Viele prominente Mitglieder beim SV Rohrbach/S.

Diese Urkunde erhält Uli Hoeneß in den nächsten Tagen per Post.
Diese Urkunde erhält Uli Hoeneß in den nächsten Tagen per Post.  Foto: Jürgen Bauer

Uli Hoeneß ist nicht das einzige prominente Mitglied, auf das der SV Rohrbach/S. mit Stolz verweisen kann. Auf ähnliche Art und Weise hat die damalige Redaktion des "SV-Magazin" vor allem in den Neunziger Jahren bekannte Persönlichkeiten wie Fritz Walter (Weltmeister 1954 und Ehrenspielführer der Nationalmannschaft), Helmut Grashoff (einst Manager von Borussia Mönchengladbach), Sportreporter-Legende Rudi Michel, Schlagersängerin Cindy Berger, Wolfgang Overath (Weltmeister 1974), Nationalspieler Rolf Rüssmann, Sängerin Joy Fleming oder Sportmoderator Ulli Potofski als zahlende Vereinsmitglieder gewinnen.

Einige davon sind inzwischen verstorben. Den noch lebenden Mitgliedern wird weiterhin monatlich die Rohrbacher Vereinszeitung zugestellt.

 
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