Red Devils Heilbronn verpassen im Derby die Überraschung
Erst im letzten Kampf des Bundesliga-Kampfes zwischen den Roten Teufeln und dem ASV Schorndorf entscheidet sich das spannende Kräftemessen.

Zwischen Matten aufräumen und Gesprächen mit Fans, bringt es Eduard Popp auf den Punkt: „Es ist enger gewesen als erwartet. Dass es so offen wird, damit hat wohl keiner gerechnet“, sagt der Schwergewichtler, der auch mit für die Organisation verantwortlich ist. Mit drei klaren Saisonerfolgen tritt der ASV Schorndorf als Favorit in der Römerhalle an. Doch am Donnerstagnachmittag entscheidet der Favorit das Bundesliga-Derby in der Gruppe Süd erst im letzten Kampf für sich. Ein 15:11, das zeigt: „Schorndorf hat sich richtig strecken müssen“, sagt Red-Devils-Cheftrainer Adam Juretzko.
Juretzko: "Zu verlieren ist keine Schande"
Dem 53-Jährigen gelingt diesmal die Überraschung nicht. In der Klasse bis 80 Kilo verliert er. Ahmet Yilmaz ist ihm technisch überlegen. Der Mann, der die Qualifikation zu den Olympischen Spielen in Paris nur knapp verpasst hat, macht aus einem 11:11 nach neun Duellen den 15:11-Erfolg für den ASV und lässt sich von seinen Mannschaftskollegen feiern. Adam Juretzko aber sagte: „Ich habe keine Angst, ringe gegen jeden. Zu verlieren ist keine Schande, Yilmaz ist ein Topmann.“
Treffen zweier alter Bekannter
Dann sind noch Zwei gewesen, die sich bestens kennen. Eine längere Umarmung zur Begrüßung, eine kürzere Bemerkung zur Frisur. Denn Jello Krahmer trägt nun Rasta. Eduard Popp bevorzugt Millimeterschnitt. Unzählige Trainingseinheiten haben die Griechisch-Römisch-Asse in und außerhalb der Nationalmannschaft gemeinsam gerungen. Der Schorndorfer ist Popps Nachfolger geworden, nachdem sich der Olympia-Fünfte von Rio im Februar 2023 international aus dem Ringerszene verabschiedet hat.
Es ist also auch eine Frage der Ehre auf der Matte gewesen. Und Krahmer hat sich nur mit 2:0 durchgesetzt. Weil Eduard Popp nicht nur ausreichend Erfahrung mitbringt, sondern auch klug agiert, um in der Bodenlage zu bestehen, macht er es dem 28-Jährigen nicht leicht. Dennoch wird es seine erste Niederlage gegen Krahmer. „Dennoch bin ich im Reinen damit“, sagt Eduard Popp.
Filchakov reckt nach Weltklasse-Kampf die Faust
Auf Niveau eines WM-Finales steht das Duell bis 86 Kilo zwischen Yaroslav Filchakov und dem zweimaligen Olympia-Medaillengewinner Akzhol Makhmudov. Der Ukrainer im Trikot der Roten Teufel hat das Plus, mehr Kraft zu haben, da der Kirgise für gewöhnlich bis 77 Kilo antritt. Dieses nutzt er – und gewinnt in dem hochklassigen Kampf mit 1:1 nach sechs Minuten aufgrund der letzten Wertung. Als Zeichen der Freude reckt er freudig die Faust in Richtung der 350 Zuschauer in der Römerhalle. „Es ist mein erster Kampf gegen ihn gewesen und ich wollte vor allem eines: gewinnen“, sagt Yaroslav Filchakov. Dem 28-jährigen WM-Dritten gefällt es in Heilbronn, wo er aufgrund der dichten Folge von drei Kämpfen für mehr als eine Woche untergebracht ist. Er sagt: „In Deutschland ist alles schön und sauber.“ In seiner Heimat, in Charkiw, ist der Alltag des Nationalmannschaftsathleten seit Beginn des russischen Angriffskrieges unruhig und unsicher. Immer wieder passiert es, dass während des Trainings eine Bombe einschlägt. „Während meiner Kämpfe schaffe ich es, das irgendwie auszublenden“, sagt Yaroslav Filchakov, „danach aber bin ich in Sorge um meine Familie und Freunde.“
In der Römerhalle hat er gebannt verfolgt, wie sein Mannschaftskollege Ramazan Ramazanov weiterhin ungeschlagen bleibt. Gegen Shamil Ustaev sammelt er Wertung um Wertung und bringt drei wichtige Mannschaftspunkte ein.
Für den wichtigen Ausgleich zum 11:11 sorgt Red Devil Gadzhimurad Alikhmaev mit seiner technischen Überlegenheit gegen das deutsche U 23-Talent Stas David Wolf. Damit macht er das Finale für Adam Juretzko erst möglich.
Red Devils Heilbronn - ASV Schorndorf 11:15
61 kg Freistil (FS): Recep Topal - Georgios Scarpello 12:2 PS, 3:0; 66 kg Griechisch-Römisch (GR): Abdolmohammad Papi - Luis Alberto Orta Sanchez 0:8 PS, 0:3; 71 kg FS: Hossein Alizadeh - Dawid Wolny 3:4 PS, 0:1; 75 kg GR: Alexander Zentgraf - Ruslan Kudrynets SS, 0:4; 75 kg FS: Ramazan Ramazanov - Shamil Ustaev 16:4, 3:0; 80 kg GR: Adam Juretzko - Ahmet Yilmaz 0:18 TÜ, 0:4; 80 kg FS: Gadzhimurad Alikhmaev - Stas David Wolf 17:1 TÜ, 4:0; 86 kg GR: Yaroslav Filchakov - Akzhol Makhmudov 1:1 PS, 1:0; 98 kg FS: André Timofeev - Ertugrul Agca 1:6 PS, 0:2; 130 kg GR: Eduard Popp - Jello Krahmer 0:2 PS, 0:1.
„Es ist enger gewesen als erwartet. Dass es so offen wird, damit hat wohl keiner gerechnet.“
Eduard Popp

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