Stimme+
Ringen
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Ohne Bestbesetzung bleibt für die Red Devils Heilbronn die Überraschung aus

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Ringer-Bundesligist Red Devils unterliegt auch im Rückkampf beim KSC Hösbach mit 14:17 und scheidet damit im Playoff-Viertelfinale aus. Zukunftsfragen werden in den nächsten Wochen beantwortet.

Enttäuschte Gesichter: Red-Devils-Cheftrainer Adam Juretzko (rechts) und Freistilcoach Halil Meral (Mitte) sind nach der Niederlage in Hösbach ebenso niedergeschlagen wie die Mannschaft, die auf der Matte alles gegeben hat.
Foto: Stefanie Wahl
Enttäuschte Gesichter: Red-Devils-Cheftrainer Adam Juretzko (rechts) und Freistilcoach Halil Meral (Mitte) sind nach der Niederlage in Hösbach ebenso niedergeschlagen wie die Mannschaft, die auf der Matte alles gegeben hat. Foto: Stefanie Wahl  Foto: Stefanie Wahl

Jetzt muss es flott gehen. Noch eine schnelle Verabschiedung von den Mannschaftskameraden, die Sporttasche schnappen und losfahren. Es sind nur noch wenige Stunden, ehe das Flugzeug abhebt. "Ich hoffe, dass ich rechtzeitig ankomme", sagt Abdolmohammad Papi. Auf einer Reise in den Iran kann so manches Hindernis warten, doch der große Wunsch des 36-Jährigen ist es, das neue Jahr mit der Familie zu feiern.

KSC Hösbach legt vor Rückkampf noch einmal zu

Sein sportlicher Wunsch ist nicht in Erfüllung gegangen. Zwar gewinnt Papi trotz eines 0:5-Rückstandes und diverser Diskussionen wegen Beinarbeit sein Duell gegen Andrej Ginc, doch: Die Red Devils Heilbronn haben am Samstagabend auch den Rückkampf der Viertelfinal-Playoffs beim KSC Germania Hösbach verloren.

Auf das 13:16 in der Römerhalle folgt ein 14:17 im mit 1000 begeisterten Zuschauern ausverkauften Sport- und Kulturpark. Mit dem Einzug ins Halbfinale feiern die Vikings ausgelassen ihren bisher größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. Seit 2020 sind sie in der 1. Bundesliga, nun gehören sie zu den besten vier Mannschaften. Auch, weil sie für die Playoffs nochmals eine knapp fünfstellige Summe investiert haben, um zwei Lizenzen zu ziehen.

Erhoffter Silvesterkracher zündet nicht

Ein Schachzug mit Wirkungstreffer - nicht nur, weil der junge David Weinberg gegen den von Hösbach reaktivierten mehrmaligen Weltmeister aus Armenien Malkas Amoyan chancenlos gewesen ist. "Wenn du Körperkontakt hast, merkst du, was für ein starker Gegner er ist, einfach Weltklasse-Niveau", sagt der Auszubildende für Grafik-Design. Für den jungen Red Devil ändert die hohe Niederlage nichts an seinem Wunsch, mittelfristig eine gesamte Saison in der Bundesliga zu ringen. Über das Aus für diese Saison sagt David Weinberg: "Hösbach hat verdient gewonnen."

Das sieht auch Recep Topal nicht anders. Doch fügt der Türke im Dress der Roten Teufel den entscheidenden Faktor hinzu: "Wenn wir in Bestbesetzung angetreten wären, hätten wir Hösbach geschlagen." Im Hinkampf haben Asse nach Corona-Infektionen gefehlt, im Rückkampf ist die Absage von Taimuraz Friev besonders bitter gewesen.

Dafür haben Athleten wie Alexander Jakob trotz der Weihnachtsfeiertage massiv Gewicht gemacht - und doch hat bereits das öffentliche Wiegen offenbart, dass die Heilbronner auf einen vorzeitigen Silvesterkracher auf der Matte hoffen müssen. Den hat es jedoch nicht gegeben.

Recep Topal will bei den Devils weitermachen

"Der Mannschaft kann ich keinen Vorwurf machen, die haben super gekämpft. Wir haben es nicht geschafft, die besten Leute auf die Matte zu bringen, deswegen sind wir zu Recht ausgeschieden", sagt Adam Juretzko und verhehlt seine Enttäuschung über das erneute Ausscheiden im Viertelfinale nicht.

"Es war schwierig diese Saison, weil sich unsere Gegner gut verstärkt haben", sagt Recep Topal, "daher müssen wir in der nächsten Saison noch stärker werden. Mein Ziel ist es, die Meisterschaft zu holen." Geht es nach dem Vater eines 18 Monate alten Sohnes, verlässt er die Red Devils auch nach nunmehr fünf Jahren nicht. "Heilbronn ist meine zweite Heimat, ich fühle mich sehr wohl, ich mag die warmherzigen Menschen hier."

Rahmenbedingungen verkomplizierten Saison

Den Titel mit den Red Devils zu feiern, ist auch der Wunsch von Adam Juretzko - wohl wissend, dass dafür auch alle Rahmenbedingungen von den Finanzen bis zu den politischen Hintergründen passen müssen. Wie einmal mehr die Visa-Situation der ausländischen Ringer gezeigt hat. Weil der Türke Ahmed Peker in der Klasse bis 57 Kilo für keinen einzigen Kampf von der deutschen Botschaft eine Einreiseerlaunis erhalten hat, "sind wir in der Hinrunde mit nur neun Mann angetreten - und haben dennoch keinen Kampf verloren", spricht Juretzko über ein Hindernis in der Saison.

Ein weiteres: Es hat die Breite und damit die Variabilität gefehlt - besonders, als der Kader durch Verletzungen und im Laufe der Saison auch durch Corona-Infektionen geschwächt gewesen ist. "Wir sind zu leicht auszurechnen", meint Juretzko. Ob der Cheftrainer, der in Witten wohnt, bleiben wird? Das wird der 52-Jährige in den nächsten Wochen und Monaten in Ruhe mit den Verantwortlichen besprechen.

Kampfstatistik zum Viertelfinale

Den Rückkampf der Viertelfinal-Playoffs haben die Red Devils Heilbronn mit 14:17 gegen Hösbach verloren.

57 kg Griechisch-Römisch (GR): Serif Kilic - Dovudzhon Toshev 0:3, PS 0:8

61 kg Freistil (FS): Ibrahim Guzan - Recep Topal 0:3, PS 0:9

66 kg GR: Andrej Ginc - Abdolmohamad Papi 0:2, PS 6:10

71 kg FS: Niklas Dorn - Alexander Jakob 3:0, PS 8:0

75 kg GR: Gevorg Sahakyan - Genzhe Genzheev 4:0, SS (2:27)

75 kg FS: Tim Müller - Ramazan Ramazanov 0:4, TÜ 0:16 (5:20)

80 kg GR: Malkas Amoyan - David Weinberg 4:0, TÜ 16:0 (1:15)

86 kg FS: Johannes Deml - Andreas Walter 2:0, PS 3:0

98 kg GR: Robin Ferdinand - Etka Sever 0:2, PS 1:8

130 kg FS: Robert Baran - Eduard Popp 4:0, TÜ 17:2 (3:39).

Die weiteren Viertelfinal-Ergebnisse:

ASV Schorndorf - Wacker Burghausen 9:14 (0:2)

ASC Mainz - SC Kleinostheim 11:11 (1:1)

KSK Neuss - KSV Köllerbach 12:24 (0:2).

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben