Kabinenfest mit Cocktails und Pizza, dann folgt die große Veränderung bei der SG Schozach-Bottwartal
Die Frauen der SG Schozach-Bottwartal haben mit einer 35:39-Hein-Niederlage gegen die TSG Friesenheim als Tabellenachter die Saison in der 3. Liga Süd abgeschlossen. Nun steht eine Zäsur mit Folgen an.

Weit hinten reiht sich Michael Walter in den Lindwurm ein. Die Schlange jener, die sich innig umarmen, lachen und nette Worte sagen, ist lang. Alle wissen, die Zeit des Abschieds ist gekommen. Nicht mehr wiederkehrende Momente, denn es steht eine Zäsur an.
Obwohl die Drittliga-Frauen der SG Schozach-Bottwartal gegen die TSG Friesenheim 35:39 (16:19) verloren haben, beenden sie die Saison auf Tabellenplatz acht. Angesichts der Serie schwerer Verletzungen und des damit extrem kleinen Kaders, aber auch der finanziellen Probleme ist das veritabel. Nichtsdestotrotz steht die Mannschaft vor einem enormen Umbruch, über den Michael Walter sagt: „Es werden Spielerinnen aus der zweiten Reihe nachrücken und ihre Stammposition finden. Ob das auf, über oder unter dem Niveau ist, werden wir sehen. Ich gehe davon aus, dass die Mannschaft, wenn sie verletzungsfrei bleibt, eine gute Runde spielen wird. Da ist alles möglich.“
Spielerinnen aus der zweiten Reihe rücken nach
Wie tief der Einschnitt jedoch ist, hat sich bei der Verabschiedung am Samstagabend in Beilstein offenbart, als der Erste Vorstand Sendy Terzic den eigens zum Zehnjährigen kreierten bordeauxroten Jubiläumsschal mit den in Gold aufgedruckten Worten Teamgeist, Leidenschaft und Kampfgeist den Scheidenden umgehängt hat.
Von allem haben Michael Walter, Co Tabea Heidecker, Teammanagerin Denise Geier, den Torfrauen Samia Hornung (Schmiden/Oeffingen), Hanna Krause und Jana Brausch (Degmarn/Oedheim), Hannah Hönig, Paula Hofer (beide Waiblingen), Liv Fiederer, Aylin Bornhardt (Göppingen), Nina Dierolf (Wolfschlugen) und Lisa Löhnig (Karriereende) in dieser Spielzeit reichlich benötigt. „Es war unser schwierigstes Jahr“, sagt Terzic, „aber das Zusammenstehen war Gänsehaut, das Durch-dick-und-dünn-Gehen wie in einer Beziehung haben wir hingekriegt und so die Saison gerettet.“

Wie in einer Beziehung: gemeinsam durch dick und dünn
Es geht weiter mit der SGSB. Allerdings nicht nur mit zwölf Abgängen, sondern auch mit einem „gut und gerne 20 Prozent reduzierten Etat“, der nicht nur das Drittliga-Team betrifft, wie Sendy Terzic sagt. Am Montag sitzen die Gesellschafter aus den fünf Stammvereinen beieinander und verabschieden voraussichtlich den Etat.
Um Sendy Terzic herum wuselt Jana Brausch – mit einer Sofortbildkamera hält sie die kleinen Feier-Szenen fest. Einige von ihnen halten persönliche Reiseunterlagen in Händen. Für Mallorca. Am 7. Mai geht es für die Frauen wie das Männer-Team für vier Tage ab auf die Insel. Zum Feiern.
Ab zum Feiern nach Mallorca
„Das ist für mich ein Highlight“, sagt Hannah Hönig, die in die 2. Bundesliga wechselt, dafür nach Bad Cannstatt umgezogen ist und ihren Job als Operationstechnische Assistenz im Diakonie-Klinikum in Stuttgart auf 80 Prozent reduziert, um den Mehraufwand zu stemmen. Am 1. Juli geht es für die mit neun Toren beste Schützin gegen Friesenheim los. Ihren Vorbereitungsplan hat sie schon. „Da steht jeden Tag Training drauf, das wird eine ganz andere Hausnummer“, sagt die 22-Jährige, die aber nochmal die Herausforderung 2. Liga angehen mag. „Ich habe da Bock drauf“, sagt Hannah Hönig.

Hönig krempelt ihren Alltag für die 2. Liga um
Lust zu feiern haben sie alle gehabt am Samstag. Für ein anständiges Kabinenfest mit Sekt, Cocktails und Pizza hat das Trainergespann Michael Walter und Tabea Heidecker gesorgt. Bei beiden ist künftig die Familie die Nummer eins. Trotz einer Träne bei der Verabschiedung sagt der Papa von Lia (6), Nala (5) und Luna (2): „Ich freue mich sehr darauf, meine Kinder abends ins Bett zu bringen.“ Auch Nina Dierolf hat „ihre Mädels ins Herz geschlossen“. Doch wenn sie das nächste Mal nach Beilstein kommt, dann im Team des Liga-Konkurrenten TSV Wolfschlugen. Weil sie in der Geschäftsstelle des Bundesligisten TVB Stuttgart arbeitet und in Stuttgart wohnt, hat sie künftig weniger Fahrstress.
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