"Ärgerlich": TSV Weinsberg verliert einen Punkt gegen TuS Altenheim
Der erhoffte Befreiungsschlag bleibt aus. Durch ein 26:26 in der heimischen Weibertreuhalle gegen Aufsteiger Altenheim tritt BW-Oberligist TSV Weinsberg in der Tabelle weiter auf der Stelle. Nach einem guten Start verliert der TSV die Linie.

Marc Krammer stand nach Spielschluss einfach nur da. Ein, vielleicht zwei Minuten lang. Alleine. Mitten in der eigenen Hälfte des Feldes. Der Blick leer, die Hände in die Hüfte gestemmt, der Gesichtsausdruck irgendwo zwischen Ärger und Unverständnis. Man musste den Torhüter des TSV Weinsberg gar nicht auf seinen Seelenzustand ansprechen, denn dem 32-Jährigen ging es nach dem 26:26 (12:12) gegen den TuS Altenheim genauso wie seinem Trainer. Und Oliver Heß hatte das Heim-Remis gegen den Aufsteiger aus Neuried bereits kurz und bündig zusammengefasst: "Es ist definitiv ein verlorener Punkt, da müssen wir gar nicht drumherum reden."
Erneut gelang dem BW-Oberligist aus der Weibertreustadt vor 221 Zuschauern nicht der erhoffte Befreiungsschlag, mit dem zugleich der Anschluss an die komfortableren Mittelfeldplätze der Tabelle hätte gehalten werden können. Die zweiten Punkteteilung der Saison war − ganz anders als das 29:29 am zweiten Spieltag gegen den TVG Großsachsen am selben Ort − trotz den jüngsten Niederlagen gegen Blaustein und Herrenberg eher ein Rückschlag als ein Schritt nach vorne. "Wir hatten uns viel vorgenommen und wollten nach der frühen 8:4-Führung hier zu Hause ein geiles Spiel abliefern", sagte Heß. Doch am Ende waren die Gesichter lang, die Punkte geteilt und von einem "geilen Spiel" konnte man zumindest aus Weinsberger Sicht auch nicht wirklich sprechen.
TSV lässt sich einschläfern
Zu viele Fehler im eigenen Spiel und vor allem eine katastrophale Chancenverwertung, waren gegen erst etwas abwartend, später allerdings munter mitspielende Gäste aus dem deutsch-französischen Grenzgebiet der Knackpunkt gewesen. "Wir haben uns von ihrem langsamen Angriffsspiel brutal einschläfern lassen", analysierte Heß, "das ist für uns eigentlich total unüblich". Dennoch war die TSV-Abwehr am Samstagabend noch das geringste Problem. Krammer und Maximilian Brösch taten zwischen den Pfosten ihr Bestes, die 6:0-Deckung ließ sich nur selten aus der Reserve locken und die von Heß angesprochene Vier-Tore-Führung schien die Partie bereits nach rund 15 Minuten in die erwartete Richtung laufen zu lassen.
Doch sieben Minuten später war der TSV völlig ohne Not aus dem Tritt gekommen und es stand 9:9. Viele überhastete Abschlüsse, dazu mindestens ein halbes Dutzend Aluminiumtreffer und mehrere technische Fehler hielten die Gäste im Spiel. Was die Weinsberger rückblickend teuer zu stehen kam, war besonders die Qualität der eigenen Würfe, denn gegen die forsche 5:1- beziehungsweise 3:2:1-Deckung der Gäste hatten die Weinsberger zunächst gute Lösungen gefunden. "Normalerweise spielen sie 6:0, aber wir wussten schon vorher, dass auch ein 5:1 möglich ist. Daher haben wir es ganz gut gemacht", befand auch Heß. Doch vor allem Moritz Wahl und Maximilian Schulze, die beide ein ordentliches Spiel machten und letztlich einmal mehr beste Werfer ihres TSV waren, wandelten bei ihren Abschlüssen zwischen Genie und Wahnsinn.
Auf einmal Passagier statt Pilot
Neben Altenheims Linksaußen Philip Kugler gehörte Sven König zu den besten Akteuren auf dem Feld. Er brachte den TSV Weinsberg gleich dreimal in Führung, als das Spiel beim Stande von 9:9, 15:15 und 22:22 auf der Kippe stand. Nach den ersten 18 geworfenen Toren hatte Weinsbergs Trainer Oliver Heß eine erste Auszeit genommen, die den TSV vom Passagier wieder zum Piloten werden lassen sollte, letztlich aber völlig verpuffte.
Altenheims David Teufel hatte kurz danach Glück, dass sein rüdes Einsteigen gegen Schulze nur mit zwei Minuten und nicht mit einer Roten Karte geahndet wurde (24.). Doch die Szene verdeutlichte, dass der Drittletzte der Tabelle längst im Spiel angekommen war. "Wir haben in der ersten Hälfte relativ spät ins Spiel gefunden", hatte Gäste-Trainer Stefan Bayer erkannt. "Aber ich finde es gut, wie meine Mannschaft das Spiel und den Abstiegskampf generell angenommen hat."
Gastgeber finden zu selten zu ihrem Tempospiel
Angenommen hatten das Spiel auch die Gastgeber. Sie wollten, sie mühten sich. Aber sie konnten an diesem Abend einfach nicht. Nach der Pause wechselten Momentum, Führung und Siegchancen munter hin und her. Zwischenzeitlich lagen die Gäste mit zwei Toren in Front, dann zogen die Weinsberger ihrerseits auf zwei davon. Doch immer dann, wenn der Bann gebrochen schien, landete ein Weinsberger Ball im Hintertor-Netz, am Aluminium oder Zwei-Minuten-Strafen gegen Leo Magdic und Maximilian Schulze sorgte für unerwartete Unterzahl.
"Wir sind nach der Pause auch nicht mehr so in unser Tempospiel gekommen", sagte Oliver Heß schließlich leicht zerknirscht und schob ein kurzes "ärgerlich" hinterher. Es war das Wort, mit dem sich aus Sicht des TSV Weinsberg der gesamte Abend recht treffend zusammenfassen ließ.
TSV Weinsberg: Krammer; Brösch − Darancik, Wahl (6), Reichert (6), Schulze (7), Hrnjic, Pech; Ströbel, Hofacker, Heim (1), Schrempf, S. König (6/4), Magdic.
Erfolgreichste Werfer TuS Altenheim: Philip Kugler (7/1 Tore), Florian Heidt (5).
Schiedsrichter: Dr. Dirk Baustert/Sebastian von Briel.
Siebenmeter: TSV Weinsberg: 4/4; TuS Altenheim: 3/6.
Zeitstrafen: 3/3.
Zuschauer: 221.
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