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Lernwillig, erfolgshungrig und dynamisch lauten die neuen Attribute für den TSV Weinsberg 

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Handball-Regionalligist TSV Weinsberg hat einen nicht ganz freiwilligen personellen Umbruch vollzogen und setzt in der neuen Saison auf die jüngste Mannschaft der Vereinsgeschichte. Ein Spieler ragt heraus. 

Der 17-jährige Alen Hadzimuhamedovic ist die Offensiv-Waffe der Weinsberger und einer der heiß begehrtesten Nachwuchsspieler Deutschlands.
Der 17-jährige Alen Hadzimuhamedovic ist die Offensiv-Waffe der Weinsberger und einer der heiß begehrtesten Nachwuchsspieler Deutschlands.  Foto: Seidel, Ralf

Um zu erkennen, wie groß der Umbruch beim TSV Weinsberg über die Sommerpause war, genügt ein Blick auf den Kader. Zwölf neue Namen finden sich dort im Vergleich zur Vorsaison. Noch deutlicher wird der Grad der Veränderung mit Blick auf das Durchschnittsalter. 20,4 Jahre ist der neuformierte TSV jung im Vergleich zu 24,8 Jahren in der Spielzeit 23/24.

„Das ist die jüngste Mannschaft der Vereinsgeschichte“, sagt Trainer Edin Hadzimuhamedovic, der das Amt für das nach Horkheim gewechselte Duo Oliver und Alexander Heß übernommen hat. Gleich zum Auftakt bekommt es der TSV am Samstagabend (20 Uhr) in der heimischen Weibertreuhalle mit einem der Topteams der Regionalliga zu tun: der SG Köndringen/Teningen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Saisonstart im Überblick:

Was steckt hinter diesem enormen personellen Umbruch?

Der ursprüngliche Plan der Vereinsverantwortlichen sah eine kaskadenartige Veränderung der ersten Mannschaft vor. Die vielversprechendsten Talente aus der baden-württembergischen Meistermannschaft der A-Junioren sollten nach und nach den Sprung in die vierthöchste Liga vollziehen, die seit dieser Saison nicht mehr Oberliga, sondern Regionalliga heißt. Doch die Entscheidung, den Vertrag mit dem langjährigen Kapitän Sven König nicht zu verlängern, löste einen Dominoeffekt aus. Zunächst verlängerten auch dessen Bruder Jan und Max Schulze ihre Verträge nicht. Dann zogen Moritz Wahl und Timon Ströbel ihre mündlich bereits gegebenen Zusagen wieder zurück. Auch Mert Darancik, Felix Reichert und Robin Mahl entschlossen sich zu einem Vereinswechsel. Im Grunde brach dem TSV innerhalb von vier Wochen nahezu das gesamte Grundgerüst weg. Die Heß-Brüder hatten bereits im Herbst erklärt, dass sie in die 3. Liga zum TSB Horkheim wechseln.

Wie hat der Verein auf diese unerwartete Entwicklung reagiert?

Statt zu versuchen, kurzfristig von der Resterampe noch gestandene Spieler nach Weinsberg zu lotsen, setzte der TSV um Abteilungsleiter Marco Horst voll auf die Jugendkarte. Neben den Spielern aus dem eigenen Nachwuchs konnten zudem vielversprechende Talente vom Kooperationspartner SG BBM Bietigheim gewonnen werden. Folgerichtig übernahm mit Edin Hadzimuhamedovic der Mann das Traineramt, der die erfolgreiche Jugend aufgebaut hatte und dem die Spieler blind vertrauen. Mit Stefan Martin als Co-Trainer, der bereits die Bönnigheimer Frauen in die Oberliga geführt hat und Oliver Rieth als Torhütertrainer, der über viele Jahre Bundesliga-Keeperinnen in Neckarsulm geformt hat, hat sich der 47-Jährige klangvolle Namen an seine Seite geholt. „Es ist ein Traum, mit ihnen zusammenzuarbeiten“, sagt Hadzimuhamedovic und zählt explizit auch noch Physiotherapeut Michael Kaluza hinzu.

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Wer soll das junge Team auf dem Spielfeld führen?

Hier sind zwei Namen zu nennen. Erstens Torhüter Stefan Koppmeier, der zweifelsfrei zu den besten seines Fachs in der vierten Liga zählt. „Ich war plötzlich mit Abstand der Älteste im Team“, sagt der 29-Jährige, der eines immer wieder betont: „Wir haben unheimlich viel Spaß zusammen.“ Die zweite Führungsfigur und der neue Kapitän des Teams ist Din Kandic. Der Kreisläufer wirkte in der Vorbereitung fitter denn je, rennt das Spielfeld 60 Minuten rauf und runter. Gerade in seiner offensiven Spielweise erinnert der 24-Jährige an Rico Reichert, der lange in Weinsberg spielte und inzwischen Kapitän des TSB Horkheim ist. Die neue Rolle im Team hat Kandic sofort angenommen und wird seiner Vorbildrolle in jedem Training gerecht.

Welcher Spieler steht im Fokus?

Da gibt es keine zwei Meinungen. Trainer-Sohn Alen Hadzimuhamedovic steht auf dem Zettel ganz vieler Bundesligascouts in Deutschland und Europa. Der 17-Jährige war vergangene Saison mit 106 Treffern in 14 Spielen für die SG BBM Bietigheim Top-Torschütze in der Meisterrunde der A-Junioren-Bundesliga und wurde als U18-Nationalspieler Bosnien Herzegowinas kürzlich ins All-Star-Team des EHF-Turniers in der Slowakei gewählt. Ob als Spielmacher, im linken Rückraum oder von der Siebenmeterlinie – die Tore von Hadzimuhamedovic wird der TSV brauchen.

Wie lief die Vorbereitung?

Nahezu optimal. Der TSV erstaunte mit seinem gnadenlosen Tempospiel über 60 Minuten nicht nur die Gegner, sondern auch die eigenen Fans. Trainer Hadzimuhamedovic tritt aber ganz bewusst auf die Euphoriebremse: „Ich bin begeistert davon, wie meine Jungs arbeiten. Ich warne aber davor, die Testspielergebnisse überzubewerten.“ Als Ziel ist der Klassenerhalt ausgegeben, was angesichts des Verlusts zahlreicher gestandener Viertligaspieler nachvollziehbar ist. Die jungen Weinsberger werden sicher hin und wieder Lehrgeld zahlen müssen. Aber es gilt, was Koppmeier sagt: „Wir werden im Saisonverlauf ganz sicher nicht schlechter.“

Wie wichtig ist das Auftaktspiel?

Mit der SG Köndringen/Teningen kommt gleich ein echter Gradmesser, gegen der TSV in der vergangenen Saison beide Spiele verloren hat. Zu Hause gar mit zehn Treffern Differenz. „Wir können uns ohne Druck gegen eines der besten Teams der Liga messen“, freut sich Trainer Hadzimuhamedovic auf die Partie. Lediglich Leo Magdic wird angeschlagen fehlen. Auf der Gegenseite hat mit Oliver Bührer der torgefährliche Halbrechte kurzfristig den Verein verlassen. „Gegen diesen Gegner werden wie mehr denn je unsere Fans brauchen“, appelliert Hadzimuhamedovic.

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