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Württembergliga: Quartett startet unter verschiedenen Vorzeichen

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Vier Teams, vier Ziele, vier Herangehensweisen, vier Probleme: Zum Start der Handball-Württembergliga sind die Vorzeichen bei den Teams aus der Region unterschiedlich.

Mit vier Mannschaften aus der Region startet am Wochenende die neue Saison in der Handball-Württembergliga. Bei den Männern wollen sich die SG Schozach-Bottwartal und der SKV Oberstenfeld möglichst schnell möglicher Abstiegssorgen entledigen. Bei den Frauen des TV Flein und der Sport-Union Neckarsulm II lautet das Zauberwort Flexibilität.

Henning Fröschle, Trainer der SG Schozach-Bottwartal, kann auf der Arbeit der Vorsaison aufbauen. Der Kader der SGSB ist zusammengeblieben.
Henning Fröschle, Trainer der SG Schozach-Bottwartal, kann auf der Arbeit der Vorsaison aufbauen. Der Kader der SGSB ist zusammengeblieben.  Foto: Veigel, Andreas

SG Schozach-Bottwartal war lange vergeblich auf Spielersuche

Sie wollten, aber konnten lange nicht. Henning Fröschle hätte seinen Kader gerne an einigen Stellen verstärkt. „Doch es fehlen Spieler auf dem Markt“, musste der Trainer der SG Schozach-Bottwartal feststellen. Vor allem nach einem Shooter auf Württembergliga-Niveau hat man lange gesucht, weil sich die SG in der Vergangenheit schwer tat, Tore aus dem Rückraum zu erzielen. Vereinzelt hätten Vereine den Luxus, ihr Team mit A-Jugend-Spielern auffüllen zu können, doch vielerorts habe Corona dafür gesorgt, dass Karrieren beendet, pausiert oder aber einfach beim alten Verein fortgesetzt würden.

Trainer Henning Fröschle erwartet eine „knackige Runde“

Erst kurz vor dem Saisonstart konnte Fröschle über alte Kontakte aus seiner Zeit beim TSV Schmieden dann doch noch Rückraum-Spieler Fabian Baldreich reaktivieren. „Er ist körperlich gut in Form, aber wir werden ihn schrittweise an die Mannschaft heranführen“, sagt Fröschle, der kein (Verletzungs-)Risiko eingehen möchte. Ansonsten ist sein Kader zusammengeblieben, so dass der Trainer auf die Arbeit der Vorsaison aufbauen kann. „Es wird eine ganz schwere, knackige Runde“, prophezeit Fröschle, „das wird den anderen Teams aber auch so gehen“.

Bei der SGSB soll mit allen Mitteln ein zäher Abstiegskampf vermieden werden. Dafür wurde an der defensiven 5:1-Verteidigung gefeilt. Denn: „Es gibt fünf bis sechs Mannschaften in der Liga, die nehmen unsere 6:0-Verteidigung auseinander.“ Daher mussten Alternativen her.
In der fünftklassigen Württembergliga sieht er mit dem TV Oeffingen eine „eingeschworene Truppe“ und mit der HSG Ostfildern einen ambitionierten Aufsteiger – der zugleich auch das wohl prominenteste Gesicht der Liga beheimatet. Ex-Nationalspieler Manuel Späth hat sich nach seinem offiziellen Karriereende wieder seinem Jugendverein angeschlossen und dürfte für den ein oder anderen Hingucker sorgen.

Potenzial am Kreis soll diesmal maximiert werden

Weil die SG als Tabellenelfter der Vorsaison auch „noch Potenzial am Kreis“ hat, bleibt abzuwarten, ob die 2021/2022 drittschlechteste Offensive der Liga in dieser Spielzeit oft genug über Tor-Erfolge wird jubeln können. „Weder ein gutes Kreisläufer-Spiel noch starke Werfer aus dem Rückraum zu haben – beides geht eigentlich nicht“, sagt Henning Fröschle und lacht. Mit Baldreich konnte er wenigstens auf einer der beiden Baustellen kurzfristig noch Abhilfe schaffen.

Kader der SG Schozach-Bottwartal

Tor: Thomas Fink, Jan Oßmann. Rückraum: Fabian Baldreich, Fynn Fröschle, Lukas Gallus, Tom Gehringer, Niklas Hug, Jan Kürschner,
Ante Pavlak. Außen: Johannes Csauth, Maxim Gries, Felix Linder, Christian Zluhan. Kreis: Levi Fröschle, Jonas Keller.
Trainer: Henning Fröschle. Co-Trainer: Ahmet Cizmecioglu. Torwart-Trainer: Dirk Bellon. Sportlicher Leiter: Christoph Hauser.

 

Das Vater-Sohn-Duo ist gesprengt: Marc Pflugfelder (Mitte) läuft weiterhin für den SKV auf, sein Vater Thomas hat den Trainer-Posten aber abgegeben.
Das Vater-Sohn-Duo ist gesprengt: Marc Pflugfelder (Mitte) läuft weiterhin für den SKV auf, sein Vater Thomas hat den Trainer-Posten aber abgegeben.  Foto: Berger, Mario

Beim SKV Oberstenfeld ist der Co- jetzt Chef-Trainer

Tabellarisches Niemandsland nennt man die Region wohl, in der der Sport- und Kulturverein aus Oberstenfeld in der Vorsaison eingelaufen ist. Platz acht von 14, zehn Siege, zwei Unentschieden, 14 Niederlagen und somit 22:30 Punkte lautet die typische Bilanz eines Teams, dass zu gut für den Abstiegskampf, aber auch zu schwach für die Spitzengruppe der Württembergliga war.
Während das Endergebnis in der Tabelle Mittelmaß darstellte, fanden sich hingegen Extreme in den Mannschaftsteilen. So hatte Oberstenfeld den schwächsten Angriff der Liga, aber die drittbeste Verteidigung aller Teams. Wo setzt man also den Hebel an, um das eine zu verbessern, das andere aber zugleich nicht zu vernachlässigen?

Junge Neuzugänge sollen den Kader personell verbreitern

Diese Frage möglichst präzise zu beantworten, liegt inzwischen in der Verantwortung von Timo Stauch. Der bisherige Co- übernahm das Amt des Chef-Trainers von Thomas Pflugfelder, der kürzer treten möchte. „Ich war seit fast 25 Jahren Trainer und brauchte jetzt eine Auszeit“, sagt Pflugfelder, der seinem Sohn Marc aber weiterhin als Co-Trainer der A-Jugend des SV Kornwestheim assistiert.

Und auch sonst hat sich einiges im Kader getan: Tassilo Heling und Tobias Tauterat haben ihre Karrieren beendet, Elias Castiello (TV Flein), Philipp Goller (TV Mundelsheim) und Din Kandic (TSV Schmiden) haben sich neu orientiert und bei Lars Eisele wurde das Doppelspielrecht beendet. Für Stauch ging es daher zunächst darum, die acht Neuzugänge zu integrieren. Darunter sind mit Paul Wennagel, Luca Klinger, Cedrik Lehmann und Nick Teschke auch vier ganz junge Spieler der Jahrgänge 2003 und 2004.

Trainer Timo Stauch sieht höhere Qualität in der Liga

„Die Liga ist mit den drei Absteigern aus der BW Oberliga stärker geworden“, prognostiziert Stauch, „das ist jetzt nochmal ein ganz anderes Niveau“. Trotz des gesicherten Mittelfeldplatzes aus der Vorsaison bleibt das Saisonziel daher unverändert: Klassenerhalt – und zwar möglichst schnell.

Die entsprechenden Antworten auf die Schwächen im Angriff glaubt Timo Stauch mit mehr Variabilität beheben zu können. Zum einen hat er mit der Mannschaft in der Vorbereitung an neuen Konzepten zur Spielauslösung gearbeitet, zum anderen sei es nun auch möglich, bei auftretenden Verletzungsproblemen flexibler zu reagieren, weil viele Spieler inzwischen auf mehr als einer Position einsatzfähig seien.

Kader des SKV Oberstenfeld

Tor: Tim Schniering, Nick Teschke. Rückraum: Jan Fuhrmann, Anton Heling, Luca Klinger, Cedrik Lehmann, Nikola Milunic, Marc Pflugfelder. Außen: Moritz Knück, Konstantin Schad, Sören Schmid, Christof Ziegler. Kreis: Steven Bollmann, Valentin
Deseife, Paul Wennagel.
Trainer: Timo Stauch. Mannschaftsverantwortlicher: Julian Weresch.

 

Im Vorjahr war Milena Hack, in schwarz gekleidet, noch für die HSG Hohenlohe gegen den TV Flein im Einsatz. Nun trägt sie selbst das grüne Trikot.
Im Vorjahr war Milena Hack, in schwarz gekleidet, noch für die HSG Hohenlohe gegen den TV Flein im Einsatz. Nun trägt sie selbst das grüne Trikot.  Foto: Schmerbeck, Marc

Aufsteiger TV Flein muss bereits zum Start Ausfälle kompensieren

20 Spiele, 16 Siege, dazu die beste Defensive der Liga bei nur zwei Niederlagen – die Verbandsliga-Bilanz des TV Flein las sich in der vergangenen Saison äußerst gut. Kein Wunder, dass das Team von Trainer Tobias Gärttner mit 34:6 Punkten als Meister in die Württembergliga aufstieg. Mit einem kaum veränderten Kader möchte der TVF in dieser Spielzeit auch in der Fünftklassigkeit ein Zeichen setzen.

„Die Liga ist schwer einzuschätzen. Vergangenes Jahr gab es ein großes Gefälle zwischen den Mannschaften. Aber ich hoffe, dass wir für die ein oder andere Überraschung sorgen können“, sagt Tobias Gärttner. Der Trainer hat dazu mit Milena Hack (HSG Hohenlohe) und Alexandra Brendle zwei neue Spielerinnen zur Verfügung, die für mehr Flexibilität im Fleiner Spiel sorgen sollen. „Alex kommt zwar aus einer längeren Pause, ist für uns aber vor allem in der Abwehr eine sehr große Hilfe“, sagt Gärttner über die Linksaußen-Spielerin, die auch im Rückraum eingesetzt werden kann. Noch flexibler einsetzbar ist Milena Hack. „Sie können wir auf fast jede Position stellen“, sagt ihr Trainer.

Langzeitausfälle trüben Eindruck der guten Vorbereitung

Ohnehin ist Flexibilität das Wort der Saison beim TV Flein. Zum einen mit Blick auf das weitere Personal: Zu den Abgängen von Jana Herkert, Marion Schuller und Janina Amon (TSV Hardthausen) gesellen sich die nicht einsatzfähigen Franziska Plieninger, Laura Neutz und Jasmin Baumann. Alle drei laborieren an langfristigen Verletzungen, müssen operiert werden und werden wohl für die gesamte Runde ausfallen. Zum anderen hat sich Gärttner für das eigene Spiel um mehr Abwechslung bemüht: „Wir haben in der Vorbereitung versucht, in der Abwehr zwei Formationen mehr oder weniger gleichwertig spielen zu können.“

Trainer Tobias Gärttner sieht einen Vorteil im Nachteil

Auch offensiv wolle man sich künftig dem Gegner flexibler anpassen können. „Wir hatten sehr gute Trainingsspiele, zwischenzeitlich aber auch immer wieder einen Bruch drin.“ Hundertprozentig zufrieden sei er daher noch nicht, gibt Gärttner zu, blickt aber dennoch optimistisch auf den Saisonstart. „Wir kennen die Liga nicht, aber uns kennt auch keiner“, sieht der Trainer im größten Nachteil auch den größten Vorteil. Wenn alles zusammenpasst, traut der 35-Jährige seinem Team einen Mittelfeldplatz zu. Vorher gehe es aber natürlich darum, schnellstmöglich mit dem Abstieg nichts mehr zu tun zu haben.

Kader des TV Flein

Tor: Vanessa Amon, Selina Pezzi. Rückraum: Jasmin Baumann, Milena Hack, Jannika Mohr, Franziska Plieninger, Luisa Riek, Elena Seiz.
Außen: Alexandra Brendle, Angelina Kny, Leonie Kreis, Fabienne Steller, Nicole Trabert, Hannah Wüstholz. Kreis: Marisa Brenner, Laura Neutz, Isabel Rodrigo.
Trainer: Tobias Gärttner. Torwart-Trainerin: Johanna Schestak. Betreuer: Klaus-Dieter Kupka.

 

Mart Aalderink ist bei der Sport-Union erneut in einer Doppelfunktion tätig: Als Co-Trainer des Bundesliga-Teams und als Cheftrainer der U23.
Mart Aalderink ist bei der Sport-Union erneut in einer Doppelfunktion tätig: Als Co-Trainer des Bundesliga-Teams und als Cheftrainer der U23.  Foto: Veigel, Andreas

Sport-Union Neckarsulm II ist auf Abstellungen angewiesen

Eine wirkliche Planung fällt Mart Aalderink schwer. Das gibt der Trainer der Sport-Union Neckarsulm, die wahlweise als zweite Mannschaft oder als U23 des Bundesliga-Teams firmiert, offen zu. Grund dafür ist sein sehr überschaubarer Kader. Lediglich acht bis neun Spielerinnen zählen zum Stamm der Mannschaft, mit der der 36-Jährige in der Vorbereitung arbeiten konnte. „Es ist eine ungewöhnliche Situation. Aber dann muss man als Trainer auch ein bisschen kreativ sein“, sagt der Niederländer, der sich nicht beklagen möchte und die Situation so nimmt, wie sie aktuell nun einmal ist.

Mart Aalderink muss mit einem Mini-Kader arbeiten

Gruppentraining habe aufgrund der Kaderbreite hin und wieder gemeinsam mit Jugendteams des Vereins stattgefunden, um überhaupt Spielpraxis simulieren zu können, berichtet Aalderink. Vorteile habe die Kleingruppe hingegen bei der individuellen Trainingsarbeit oder speziellen Einzelübungen. Im Ligaspielbetrieb wird es jedoch nicht bei dem Mini-Kader bleiben. Aus dem Bundesliga-Team werden regelmäßig jene Spielerinnen in der Württembergliga zum Einsatz kommen, die in der Ersten entweder wenig Spielzeit bekommen (haben) oder aber nach einer Verletzung zunächst wieder Spielpraxis sammeln sollen.

Svenja Mann und Daphne Gautschi waren aus diesen Gründen in der vergangenen Saison in der fünften Liga aktiv. In diesem Jahr ist etwa die dritte Torhüterin aus dem Bundesliga-Team, Anita Polácková, zwischen den Pfosten fest eingeplant. „Mit ihr haben wir sicherlich eine der besten Torhüterinnen der Liga“, sagt der Trainer.

Saisonziele werden erst nach Weihnachten genau definiert

Durch eine neue Regelung spielen sich Akteurinnen nun jedoch schneller fest und müssen ein Spiel aussetzen, bevor sie wieder für eine andere Mannschaft desselben Vereins auflaufen können. Ein munterer Wechsel, wie ihn beispielsweise Svenja Mann zuletzt betrieb, wird nun nicht mehr ohne Weiteres möglich sein. Einzige personelle Verstärkung ist Cathrine Gerold. Die Linkshänderin soll über Rechtsaußen für Torgefahr sorgen.

Was in dieser speziellen Kader-Konstellation mit Blick auf das sportliche Abschneiden möglich ist, hänge natürlich unmittelbar mit dem Abschneiden des Bundesliga-Teams zusammen, sagt Aalderink. „Wir können erst einmal einen Mittelfeldplatz ins Auge fassen und uns dann nach Weihnachten nochmal über neue Ziele unterhalten.“

Kader der Sport-Union Neckarsulm II

Tor: Anita Polácková*, Hannah Wagner. Rückraum: Nina Engel*, Janina Hess, Laila Ihlefeldt*, Lin Johannsen*, Natalie Mann, Rebecca Schäfer, Amber Verbraeken*. Außen: Cathrine Gerold, Katharina Lemke, Carlotta Remmler. Kreis: Chayenne Mikic, Jessica Straub.
*Spielerinnen sind Teil der Neckarsulmer Bundesliga-Mannschaft
Trainer: Mart Aalderink. Abteilungsleiter: Christian Saup.

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