Freudentränen beim TSV Willsbach trotz Finalniederlage
Der Verein setzt Maßstäbe für die Ausrichtung des Final Four um den Handball-Bezirkspokal. Die Titel gehen nach Bad Wimpfen und Flein.

Kurz nach Spielende kämpfte Marvin Schiedt schwer gegen die Tränen an. Obwohl der 24-Jährige gerade mit seinem TSV Willsbach das Bezirkspokalfinale gegen die klassenhöhere HSG Bad Wimpfen/Biberach mit 25:28 verloren hatte, waren es Tränen der Freude. Von den fast voll besetzten Rängen im Obersulmer Sportcentrum skandierten die Zuschauer im Chor: "Marvin, Marvin".

"Das Wochenende ist so super gelaufen. Wir haben zeigen können, was für ein Potenzial in diesem Verein steckt. Es geht richtig bergauf mit dem TSV Willsbach", sagte Schiedt im Gespräch mit der Heilbronner Stimme, zu dem er sich völlig erschöpft hinsetzen musste: "Sonst kippe ich um." Ihm steckten nämlich nicht nur zwei Handballspiele in zwei Tagen in den Knochen, sondern als Abteilungsleiter und Chef des Organisationsteams war er nahezu rund um die Uhr im Einsatz. "Um drei war ich im Bett, um acht schon wieder in der Halle." Dass erstmals ein Final Four in Willsbach ausgerichtet werden konnte, ist ebenfalls das Verdienst des jungen Abteilungsleiters. Dank seines Engagements wurde vor Saisonbeginn das Harzverbot aufgehoben. "Das war mein erstes großes Ziel, als ich vor zwei Jahren das Amt übernommen habe", sagt Schiedt.
Lobende Worte des Gegners

Dass es seinem Organisationsteam um Simon Köder und Stefanie Vonthien gelungen ist, neue Maßstäbe in der Ausrichtung eines Final Four zu setzen, ließ sich nicht nur an der großen Zuschauerresonanz ablesen. "In der Umkleide stand ein Obstkorb, Riegel und Getränke bereit. Das war toll", lobte Ergin Toskic. Der Wimpfener Trainer bedauerte zwar, dass sein Verein auch bei der vierten Bewerbung um die Ausrichtung nicht berücksichtigt wurde, der historische erste Titelgewinn war aber mehr als ein Trostpflaster. Nicht aber für den erneut knapp verpassten Aufstieg in die Landesliga. "Der Pokal ist sicher kein Ersatz, aber zumindest ein guter Saisonabschluss", sagte Toskic.

Gegen die klassentieferen Willsbacher tat sich sein Team im ersten Durchgang richtig schwer, lag sogar mit 10:12 zurück. Durchaus erstaunlich, da die Willsbacher tags zuvor im Halbfinale beide etatmäßigen Keeper verloren hatten. Miguel Gebhardt musste nach einem Kopftreffer mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus. Daniel Spannagel erhielt wegen eines Kraftausdrucks noch nach Spielende eine Rote Karte und war damit gesperrt. So mussten Co-Trainer Alexander Schenk und A-Jugend-Keeper Robin Doll einspringen. Letzterer trieb mit einigen Glanzparaden in den ersten 30 Minuten die Wimpfener schier zur Verzweiflung. Nach dem Seitenwechsel ging den Gastgebern aber nach und nach die Luft aus, so dass sich der Favorit letztlich verdient durchsetzte. "Wir leben jetzt den Horkheimer Traum von Europa weiter", sagte Toskic in Anspielung auf die im Vorfeld geäußerten großen Ambitionen des klar besiegten Halbfinalkonkurrenten.
Von Europa träumen die Frauen des TV Flein bisher nicht. Doch die selbsternannten Flamingos krönten ihren Aufstieg in die Württembergliga wie erwartet mit dem Pokalsieg. Das Finale gegen die HSG Hohenlohe war dabei deutlich spannender als erwartet. "Wir sind am Zahnfleisch dahergekommen und haben viele Fehler gemacht", sagte Fleins Trainer Andreas Drauz.
Seiz spielt ihre Erfahrung aus
In der Schlussphase spielte Elena Seiz ihre Erfahrung aus und entschied die Partie 55 Sekunden vor dem Ende mit einem Heber aus unmöglichem Winkel. "Ich wusste, einmal im Spiel klappt das", sagte Seiz. Während sich die Grün-Weißen für die nächste Party warmliefen, hielt sich die Enttäuschung bei der HSG in Grenzen. "Unser Ziel war, den Gegner maximal zu ärgern. Das Spiel hätte in jede Richtung ausgehen können. Meine Mannschaft hat toll gespielt", sagte Trainer Manuel Gentner, der sich mit Ende dieses Spiels in eine mindestens einjährige Handballpause verabschiedete.
Stimme.de
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