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Bönnigheimer Neustart mit halbem Happy End

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Nach der Trennung von Sven Bühler gibt es mit Interimscoach Dominic Zäh ein Last-Second-29:29 gegen Oftersheim/Schwetzingen. Suche nach einem Nachfolger läuft.

Neue Rolle für Dominic Zäh: Am Samstagabend noch Spielmacher beim Sieg der Verbandsliga-Männer, am Sonntag Interimstrainer der Drittliga-Frauen. Immerhin gelang der erste Punktgewinn der Saison.
Foto: Lina Bihr
Neue Rolle für Dominic Zäh: Am Samstagabend noch Spielmacher beim Sieg der Verbandsliga-Männer, am Sonntag Interimstrainer der Drittliga-Frauen. Immerhin gelang der erste Punktgewinn der Saison. Foto: Lina Bihr  Foto: Lina Bihr

Kaum drin im neuen Job, schon musste sich Dominic Zäh von seinen Spielerinnen herumkommandieren lassen. "Hey, Coach, komm her!" Zäh war ein wenig abseits geblieben, als sich die Oberliga-Frauen des TSV Bönnigheim zum Teamfoto ins Tor gestellt hatten. Aber sie wollten ihn dabei haben, unbedingt. Das durfte Dominic Zäh als klares Zeichen der Anerkennung interpretieren. Lächelnd stellte er sich dazu - es war ja doch noch ein positiver Sonntagnachmittag geworden.

Graner behält am Ende die Nerven

Zäh ist jetzt Interimstrainer beim TSV, weil die Mannschaft mit dem bisherigen Coach Sven Bühler einfach nicht weitermachen wollte. Der völlig verpatzte Saisonstart nach dem Abstieg aus der 3. Liga hatte die Probleme noch zugespitzt. Am Sonntag gab es einen Neustart. Kein Glanz-und-Gloria-Spiel, kein Sieg, aber immerhin ein 29:29 gegen die zuvor mit 4:0 Punkten in die Saison gestarteten Frauen der HG Oftersheim/Schwetzingen.

Weil den Bönnigheimerinnen das Ausgleichstor mit der allerletzten Aktion gelang, einem Siebenmeter, als die Spielzeit schon abgelaufen war, weil Sandra Graner dem Nervendruck standhielt und traf, gab es einen Jubelrausch wie bei einem Sieg. Coach Zäh sah Fortschritte. "Sie haben immer sehr hektisch reagiert, wenn es nicht gut gelaufen ist. Das mussten wir irgendwie aus den Köpfen bekommen." So gut das eben in ganz kurzer Zeit geht. Die TSV-Frauen sollten "an sich glauben, dass sie ihr Spiel durchziehen können".

Nach einem 0:5-Lauf hängen schon die Köpfe

In der ersten Halbzeit habe das "phänomenal" geklappt. 14:12 stand es nach 30 Minuten. Beim 18:14 (37.) schien der TSV Bönnigheim voll auf Erfolgskurs zu sein, doch dann gab es eine 0:5-Tore-Phase. Dann zeigte sich, dass das Team eben kein gefestigtes Selbstbewusstsein ausstrahlt. Die Körpersprache signalisierte Frust. Die Köpfe gingen nach unten. "Das muss man rauskriegen", sagte Dominic Zäh. "Aber der Punkt tut gut - vor allem, wenn man ihn so holt. Das ist vielleicht mehr wert als ein Sieg mit fünf Toren."

Den Handball hat der Interimstrainer Zäh nicht neu erfunden. "Ich hatte zwei Trainingseinheiten." Da gab es keine großen Änderungen. "Die Spielzüge sind alle gleich geblieben. Es gab nur ganz kleine Modifikationen. Es ging vor allem um die Köpfe der Spielerinnen." Seit der nun hopplahopp davon geschickte Trainer Sven Bühler vor der vergangenen Saison sein Amt in Bönnigheim antrat, knirschte es immer mal wieder im Binnenverhältnis zur Mannschaft. Eine Aussprache im vergangenen Winter schien die Wogen geglättet zu haben. Doch schon die Vorbereitung im Sommer lief nicht optimal, der Saisonstart ging dann komplett in die Hose.

Abteilungsleiter Weis konnte nichts mehr kitten

Am vergangenen Montagabend gingen Mannschaft und Trainerteam in media res. Das Ergebnis: eine weitere Zusammenarbeit ist nicht möglich. Das Team sprach sich einhellig gegen Bühler und dessen Co-Trainer Jörg Haug aus.

"Ich wurde noch am Montagabend informiert und bin aus allen Wolken gefallen. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet", sagte Christof Weis. Unter der Woche versuchte der Abteilungsleiter auszuloten, ob nach einer kleinen Emotionenpause vielleicht doch noch was zu kitten wäre. Vergeblich. "Die Fronten sind komplett verhärtet. Es war nichts mehr zu machen", gab Weis ernüchtert zu und griff fortan zum Telefon. Denn es muss ja ein neuer Übungsleiter gefunden werden. Dominic Zäh ist nur für den Übergang vorgesehen. Keine leichte Aufgabe kurz nach Saisonbeginn. "Im Optimalfall finde ich jemanden, der das Amt auch über die Saison hinaus ausübt", sagte Weis. Eines stellte der Abteilungsleiter allerdings auch absolut klar: "Fortan ist die Mannschaft in der Bringschuld, entsprechende Leistungen auf dem Spielfeld abzuliefern."

"Ich muss zurücktreten", grinste Zäh nach seinem Nothelfer-Einstand mit halbem Happy End. "Ich muss ja selbst spielen." Mit den Männern des TSV Bönnigheim. "Wir haben da auch Paralleltermine." Am Mittwoch und Donnerstag sind bei den TSV-Frauen die nächsten Trainingseinheiten. "Im Idealfall ist dann vielleicht schon ein neuer Trainer da", sagte Dominic Zäh.

TSV Bönnigheim: Gerullis, Cotardo, Hamann, Zäh (4), Haiges (1), Graner (5/4), Reichhardt (1), Christel (1), Kynast, Häberlen (3/3), Biedermann, Halupka (7), Kerner (4), Fischer, Grosser (3). Beste Werferinnen HG Oftersheim/Schwetzingen: Kolb (6/1), Zachert (5/2), Patzschke (5). Siebenmeter: 8/7 - 4/3. Zeitstrafen: 6 - 5. Zuschauer: 120

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