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Geldsorgen: Red Devils Heilbronn stehen vor ungewisser Zukunft

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Der Heilbronner Ringer-Bundesligist überzeugt sportlich auf der Matte, steht aber finanziell auf wackligen Beinen. Die Unsicherheit, wie es weitergeht, ist groß. 

Red-Devils-Cheftrainer Adam Juretzko (rotes Trikot) hilft mit 53 Jahren angesichts der Personalprobleme bei den Heilbronnern aus.
Red-Devils-Cheftrainer Adam Juretzko (rotes Trikot) hilft mit 53 Jahren angesichts der Personalprobleme bei den Heilbronnern aus.  Foto: Bertok, Alexander

Seit der Saison 2017/18 – da noch unter dem Namen VfL Neckargartach – ringen die Red Devils Heilbronn in der Bundesliga, erreichten zweimal das Finale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft, unterlagen aber jeweils Wacker Burghausen. Eine Erfolgsgeschichte auf höchster deutscher Ebene, die schon bald Geschichte sein könnte.

In der aktuellen Saison 2024/25 stehen die Ringer aus der Römerhalle vor den letzten fünf Kampfabenden der Hauptrunde auf Platz vier und damit auf gutem Weg in Richtung Playoffs. 

Bundesliga-Zukunft von Red Devils Heilbronn steht auf wackligen Beinen

Es könnte im schlechtesten Fall die vorerst letzte Reise zum dreimaligen deutschen Meister werden. Auch wenn die Roten Teufel sportlich voll im Plan liegen, steht die Bundesliga-Zukunft auf wackligen Beinen. Es ist das finanzielle Damokles-Schwert, das bedrohlich über der Ringer-Abteilung des SV Heilbronn am Leinbach schwebt..

„In der Vergangenheit wurde wirtschaftlich nicht alles gut gelöst“, sagt Nico Lang. Der 34-jährige Sportmanager und Athletiktrainer hat sich im Frühjahr mit dem EM-Dritten Eduard Popp zusammengetan, um den Bundesligisten langfristig auf ein festes und zukunftsfähiges Fundament zu stellen – Popp als Sportlicher Leiter und Lang in der Funktion des stellvertretenden Abteilungsleiters.

Viele Fragezeichen bei Red Devils Heilbronn aufgetaucht

Intension von Lang war es, mitzuhelfen, die Sportstadt Heilbronn weiterzuentwickeln. Die Ringer aus Neckargartach sah er dafür in einer perfekten Ausgangs-Situation, weil: „Ein Verein da war, der bereits in der Bundesliga aufschlägt und über die nötigen Rahmenbedingungen verfügt – wie einen großen Sponsoren-Pool“, sagt Nico Lang.

Nach einer Einarbeitungsphase stellte der ehemalige Fußballer des FSV Hollenbach und SV Schluchtern jedoch vieles in Frage. „Es war weniger Finanzkraft vorhanden, als erwartet.“ Nach ersten Gesprächen mit Sponsoren stand das enttäuschende Fazit, die Verbundenheit zu den Red Devils sei nicht mehr so groß wie in den Jahren zuvor.

Wenig Bereitschaft aus der Wirtschaft, Ringersport in Heilbronn zu fördern

Die Bereitschaft vieler Unternehmen, den Ringersport in Heilbronn zu fördern, war aus diversen Gründen nicht mehr vorhanden. Und so weisen die Werbe- und Sponsorentafeln rund um die Ringermatte markante Leerstände auf. Doch schon ehe die finanziellen Lücken sichtbar wurden, war klar, „dass wir uns sportlich reserviert positionieren“, sagt Lang und spricht von einer Saison der Konsolidierung mit dem Ziel Klassenerhalt. Alles darüber hinaus wäre ein Bonus. Primär lag der Fokus darauf „Ruhe in die Abteilung zu bringen, Stabilität schaffen.“

Nico Lang glaubt daran, die Saison ohne Minus abzuschließen. „Bisher waren wir in der Lage, finanziell alles zu begleichen, aber nur unter größtem Aufwand aller Ehrenamtlichen im Verein“, sagt Lang. „Sehen wir aber, dass sich keine Besserung einstellt und unsere Kostenneutralität in Gefahr gerät, muss die sportliche Ausrichtung anhand der Frage, was gibt es noch für eine Perspektive für die Plattform Red Devils Heilbronn, neu überdacht werden.“ Der Gau wäre ein Rückzug aus der Bundesliga mit einem Neuanfang einige Ligen darunter. Bis Anfang 2025 heißt es nun, noch den ein oder anderen Geldgeber für die Teufel zu gewinnen.

Klarheit schaffen über den Stellenwert des Ringens in Heilbronn

„Wir arbeiten daran, mit allen Partnern und Einflussgrößen zu sprechen, um zu erfahren, welchen Stellenwert das Ringen in Heilbronn noch hat“, sagt Nico Lang und hofft auf eine zukunftsweisende Weichenstellung. „Wir würden gerne eine Perspektive aufbauen, sportlich wie auch strukturell. Aber: Um das schaffen zu können, benötigen wir jetzt erst einmal eine finanzielle Grundlage, inhaltliche Ruhe und keinen Wirbelsturm, gegen den man ständig ankämpfen muss.“

Ohne die nötige Unterstützung aus dem Umfeld, der Stadt und der heimischen Wirtschaft ist das nicht realisierbar. „Wir ringen in der Bundesliga und brauchen dafür die Hälfte des Etats eines Fußball-Verbands- oder Oberligisten“, sagt Nico Lang. Vielleicht ist es ein gutes Omen, dass der nächste Heimkampf am Samstag, 9. November, dort stattfindet, wo das Geld zu Hause ist. Dann sind die Red Devils Gast der Kreissparkasse Heilbronn und erwarten dort im Rahmen der Veranstaltungen „Unter der Pyramide“ die KG Baienfurt/Ravensburg.

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