Heilbronner Falken werden gefeiert wie Könige
Die Fans bereiten den Heilbronner Falken trotz der mit 0:4 glatt verlorenen Serie gegen die Frankfurter Löwen einen stimmungsvollen Abschied. Da fließen selbst bei gestandenen Männern Tränen.

Um 22.22 Uhr am Mittwochabend wurde es noch einmal laut im Eisstadion am Europaplatz. Für einen kurzen Moment stellte sich die Frage, ob vielleicht nicht doch die Heilbronner Falken dieses vierte Spiel der Halbfinal-Serie gegen die Frankfurter Löwen gewonnen hatten. Ob die Falken vielleicht doch ein fünftes Duell an diesem Freitag erzwungen hatten. "Hier regiert der HEC", skandierten die Anhänger lauthals auf den noch vollen Rängen. Doch wie Könige fühlten sich allenfalls die Männer mit den schwarzen Final-Shirts nebenan aus Frankfurt. Das Team der Falken fühlte sich in der Szenerie ein Stück weit verloren.
Das 3:7 in eigener Halle besiegelte das Aus einer langen DEL2-Saison, die aus Sicht der Falken gerne noch ein Stück länger hätte dauern dürfen. "Wir hätten heute nicht verlieren müssen", sagte Simon Thiel später am Abend, als er - noch immer in voller Montur - mit einem Saison-Abschluss-Bier in der Hand auf der Spielerbank Platz genommen hatte. Tatsächlich waren die Falken in diesem letzten Spiel der Serie so nah dran wie nie am ersten Sieg gegen den Favoriten, hatten zwischenzeitlich zum 3:3 ausgeglichen und waren im zweiten Drittel das bessere Team. Trotzdem trafen die einmal mehr brutal effektiven Frankfurter noch zum 4:3.
Die abschließenden zweieinhalb Minuten stehen alle Zuschauer im Stadion und klatschen

Um 22.01 Uhr aber war das Schicksal der Falken endgültig besiegelt, dabei war die 50. Spielminute gerade erst angebrochen. "Das 3:5 war unser Genickbruch", sagte der junge Thiel. Die Fans auf den Stehplätzen zeigten Feingefühl, trugen ihr Team mit Gesängen durch die letzten Minuten mit zwei weiteren Gegentreffern. Die abschließenden zweieinhalb Minuten standen alle Zuschauer in der Eishalle und begleiteten die Spieler und den Verein mit rhythmischem Klatschen bis zum bitteren Ende. Es war ein Zeichen des Respekts und des Dankes für eine Saison, wie es sie in Heilbronn schon lange nicht mehr gegeben hatte.
"Mit ein bisschen Abstand werden wir sicher stolz auf die Saison sein", meinte Kapitän Christopher Fischer, der bei der letzten Halbfinal-Teilnahme der Falken vor 14 Jahren auf dem Eis gestanden hatte. "Im Moment ist da Leere, und die Enttäuschung überwiegt." Mit einem glatten 0:4 hatte das Team von Trainer Jason Morgan auf keinen Fall aus der Serie gehen wollen. Das tat weh. Als die Mannschaft später ein zweites Mal, von den Fans gefordert, aufs Eis ging, schlichen sie wie geprügelte Hunde aus der Kabine, Spieler wie Justin Kirsch und Brock Maschmeyer, für den es nach vier Jahren das letzte Spiel für Heilbronn war, mit Tränen in den Augen.
Co-Trainer Christoph Schubert will im August genau so weitermachen

"Ich habe auch eine Träne verdrückt", gestand Fischer, der sich wie viele Teamkollegen am liebsten erst einmal eingebuddelt hätte. "Aber diese Fans haben verdient, dass wir nochmal rauskommen. Sie wollen feiern." Fischer und Co. war nicht wirklich danach. "Wir sind als Einheit zusammengewachsen. In dem Moment, wo es vorbei ist, weißt du: Genau so wird es nie wieder sein." Ein emotionales Ende. Auch wenn Co-Trainer Christoph Schubert in einer spontanen Rede vor den Anhängern betonte, dass "90 Prozent der Jungs" bleiben.
Mit Blick auf die Stimmung im Stadion übte Schubert den Schulterschluss mit den Fans, sagte an die Anhänger und auch ans eigene Team gerichtet: "Lasst uns im August genau so weitermachen." Aufbauen auf einer DEL2-Saison, in der die vorab gesteckten Ziele über den Umweg Pre-Playoffs am Ende sogar noch übertroffen wurden. "Wir haben eine super Saison gespielt, darauf können wir stolz sein", sagt Timo Ruf mit einem Tag Abstand. Für den Interimsgeschäftsführer endet mit dem Aus auch seine Amtszeit. Am Sonntag steht der letzte Akt an: Um 15 Uhr steigt das Saison-Abschluss-Fest. Diesmal feiern alle mit.
Wie die Fans die Saison bewerten

"Es war eine unglaubliche Saison. Die Fans wissen zu schätzen, wie wir gekämpft haben", bilanzierte Trainer Jason Morgan, nachdem die Anhänger sein Team auch nach der Schlusssirene noch gefeiert hatten. "Wir können als Fans mit der Saison voll zufrieden sein. Wir haben Landshut und Dresden als Tabellenzweiten rausgehauen und jetzt gegen ein Spitzenteam verloren", resümierte etwa Oliver Häuser, der das Spiel im roten Falken-Trikot verfolgt hatte, die Spielzeit stellvertretend für mehrere Fans. "Wer vor der Saison mehr erwartet hätte, hat wenig Ahnung vom Eishockey."
Auch bei Reiner Schmidt hatten der Halbfinaleinzug und die Neun-Siege-Serie mehr Gewicht als der Sweep der Löwen. "Die Ergebnisse in der Serie waren ein wenig zu hoch, aber wir können aus der Saison viel mitnehmen." Das Team habe sich trotz des 0:4 gewehrt und gekämpft.

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