Falken schaffen keine zweite Überraschung und stehen vor dem Aus
Heilbronn unterliegt im vierten Oberliga-Halbfinalspiel vor Rekordkulisse den Hannover Scorpions mit 1:4. Die Serie könnte am Sonntag nun vorbei sein.

Die Falken haben vor der Saison-Rekordkulisse von 3068 Zuschauern im Stadion am Europaplatz noch einmal ihre Herzen aufs Eis geworfen. Möglicherweise das letzte Mal für diese Saison. Denn das vierte Oberliga-Halbfinalspiel gegen die Hannover Scorpions ging mit 1:4 (0:1, 0:1, 1:2) verloren. "Wir hätten eine unserer Überzahlsituationen nutzen müssen", sagte Falken-Trainer Frank Petrozza, der aber betonte: "Ich bin stolz auf die Mannschaft. Die Jungs haben alles gegeben." Die Niedersachsen können mit einem Sieg in Spiel fünf am Sonntag (18 Uhr) ins Finale einziehen.
Frühe Führung für die Gäste
Beide Teams starteten mit offenem Visier, es ging hin und her, zunächst allerdings ohne klare Chancen. Die Atmosphäre in der Halle war dennoch beeindruckend."Steht auf, wenn ihr Heilbronner seid", hallte es bereits nach ein paar Minuten durchs Eisstadion. Alles stand und klatschte.
Die erste echte Gelegenheit war dann gleich drin. Patrick Klöpper und Travis Oleksuk düpierten die Falken-Defensive und letzterer tunnelte schließlich Patrick Berger im Heilbronner Tor zur 1:0-Gästeführung (7. Minute).
Die Heilbronner zeigten sich unbeeindruckt, suchten den schnellen Ausgleich, spielten vor dem Tor aber immer wieder zu umständlich. Paradebeispiel war die 14. Minute, als Niklas Jentsch zwei Mal in Folge keinen Abnehmer in der Mitte fand. Allerdings hatten auch die Scorpions noch einige gute Gelegenheiten - allen voran Dylan Wruck. In Summe war die Führung für die Gäste verdient, die mit weniger Risiko agierten als in den bisherigen Partien und mehr Wert auf die Defensivstabilität legten.
Es geht hitzig zu auf dem Heilbronner Eis
Gleich zu Beginn des Mitteldrittels sorgte Ex-Scorpion Thomas Supis für die emotionale Verschärfung des Geschehens auf dem Eis und auf den Rängen. Der Falken-Verteidiger fuhr nach einem Abschluss noch gegen Hannovers Goalie Gerald Kuhn. Das lässt im Eishockey kein Team unbestraft. Marcus Götz rächte seinen Keeper. Beide gingen nach ihrem Gefecht auf die Strafbank.
Von nun an wurde es deutlich ruppiger. Pontus Wernerson Libäck knallte Justin Kirsch in die Bande und bekam dafür eine berechtigte große Strafe (33.). Die Rache folgte in der 38. Minute. Davis Koch haute Zwillingsbruder Linus Wernerson Libäck um und durfte ebenfalls für fünf Minuten raus. Die Fans waren in Rage. Es flogen Gummihühner, Becher und kleine Schweinchen von der Tribüne. Hallensprecher Steffen Schnizer bat die aufgebrachten Anhänger inständig, keine Gegenstände zu werfen. Der Verband kann in solchen Fällen erhebliche Geldstrafen aussprechen.
Ein bisschen Eishockey wurde zwischendurch auch gespielt. Ein Tor gab es auch. Erneut für die Gäste. Kirsch bediente in einer Kontersituation Steven Raabe. Der Verteidiger schloss mit einem wuchtigen Schuss unhaltbar für Berger zum 2:0 ab (28.).
Am Ende geht es dann ganz schnell
Die Falken verteidigten die Unterzahl wegen der Pontus-Strafe zwischenzeitlich sogar in doppelter Unterzahl tapfer. In den letzten 44 Sekunden des Drittels gelang ihnen dann selbst in doppelter Überzahl allerdings immer noch kein eigener Treffer. Ebenso wenig in den ersten 76 Sekunden des Schlussabschnitts mit zwei Mann mehr. Und auch nicht in den rund 90 Sekunden mit einem Mann mehr. Aber dann, als wieder Gleichzahl auf dem Eis herrschte, ging es ganz schnell: Bullygewinn, Abschluss, Tor. Malte Krenzlin - der Ersatzkapitän für den verletzten Freddy Cabana - hatte zum 1:2-Anschluss getroffen (44.).
Jetzt witterten die Gastgeber Morgenluft. Die Hoffnung war wieder da, der Bann gebrochen. Entsprechend verbrannten die Falken fortan alles, was noch an Sprit in den Tanks steckte. Die Fans unterstützten mit verbalem Zusatztreibstoff von den Rängen. Das war erheblich nützlicher als Becherwürfe. Doch das zweite Tor wollte nicht fallen, zum wiederholten Male auch nicht in Überzahl. Hannover blieb in der Disziplin ebenso erfolglos. So langsam lief den Heilbronnern aber die Zeit davon und die Tankanzeige stand längst auf Reserve. Bevor es in die letzten zwei Minuten ging, entschieden die Gäste mit einem Konter die Partie. Allan McPherson bediente Pascal Aquin, der Berger zum 3:1 überwand (58.). Der Empty-Net-Treffer von Koch zum 4:1-Endstand (60.) hatte nur noch statistischen Wert.
Tor: Berger, Kapteinat; Abwehr: Mapes - B. Jiranek, Pavlu - Supis, Krenzlin - Kuschel; Angriff: L. Wernerson Libäck - Uski - P. Wernerson Libäck, Jentsch - Just - V. Jiranek, Verelst - Detig - Hecht, Dell, Tschwanow.
Tore: 0:1 (7.) Oleksuk, 0:2 (28.) Raabe, 1:2 (44.) Krenzlin, 1:3 (58.) Aquin, 1:4 (60.) Koch
Schiedsrichter: Lukas Voit, Zsombor Palkövi.
Strafminuten: 13/17. Zuschauer: 3068.
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