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Unfassbar effektive Falken siegen 6:2 in Ravensburg

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Mit nur 15 Feldspielern und drei gelernten Verteidigern im Kader gelingt den Heilbronner Falken ein sensationeller 6:2-Coup beim Topteam in Ravensburg. Eine hundertprozentige Powerplayquote ist der Grundstein für den unerwarteten Triumph.

Mit dem effektivsten Spiel seit vielen Jahren haben arg dezimierte Falken einen unerwarteten 6:2 (2:0, 2:2, 2:0)-Auswärtssieg bei den Ravensburg Towerstars errungen. Jedes der drei Überzahlspiele nutzte das Team von Cheftrainer Jason Morgan zu einem Treffer. Gerade einmal 21 Schüsse insgesamt Richtung Ravensburger Tor genügten für ein halbes Dutzend Treffer. Praktisch jeder dritte Schuss der Falken war damit drin. Ein eigentlich weltfremder Wert. Die 30 mitgereisten Falken-Fans unter den gut 2000 Zuschauern feierten den zweiten Sieg in Folge in jedem Fall lautstark. 

"Das war ein perfektes Auswärtsspiel der Falken", lobte Ravensburgs Coach Tim Kehler. Morgan stellte nüchtern fest: "Wenn wir uns an den Spielplan halten, dann können wir immer gewinnen." Ein Sonderlob bekamen Goalie Florian Mnich und die "young guns", die jungen Wilden, die erneut maßgeblich zum Sieg beitrugen. 

Schwierige Ausgangslage für die Falken 

Die Vorzeichen deuteten wahrlich nicht auf den ersten Auswärtssieg der Saison hin. Da den Adlern vor dem Derby gegen Schwenningen kurzfristig David Wolf ausfiel, wurde Arkadiusz Dziambor doch nicht für die Falken abgestellt. So bekamen die Heilbronner gerade einmal 15 Feldspieler zusammen und nicht einmal zwei etatmäßige Verteidigerpärchen. Zu Kenney Morrison stellte Morgan dieses Mal Stürmer Stefan Della Rovere. Der eigentliche Regionalliga-Angreifer für die HEC Eisbären, Marco Haas, übernahm offiziell den Defensivpart an der Seite des gelernten Stürmers Julius Ramoser. Tatsächlich spielten die Heilbronner mit fünf rotierenden Verteidigern, Haas kam nicht zum Einsatz.  

Falken-Trainer Jason Morgan hatte am Freitag gut lachen. Seine Defensivtaktik ging in Ravensburg voll auf.
Falken-Trainer Jason Morgan hatte am Freitag gut lachen. Seine Defensivtaktik ging in Ravensburg voll auf.  Foto: Berger, Mario

Angesichts der Ausgangslage verliefen schon die ersten Spielminuten überraschend gut für die Gäste. Ravensburg hatte zwar deutlich mehr vom Spiel, war im Passspiel aber zu ungenau und vor dem Tor nicht entschlossen genug. So hatte die Falken-Defensive relativ leichtes Spiel, die Scheibe schnell zu klären und in kurzen Abständen zu wechseln. 

Fischer bringt sein Team überraschend in Führung 

Offensiv fanden die Falken zwar zunächst nicht statt, aber erst einmal stand ja auch das Toreverhindern auf der Agenda. Als sich Florian Ketterer dann aber eine unnötige Strafe wegen Beinstellens abholte, waren die Gäste zur Stelle. Mit dem ersten Schuss in Überzahl - und gefühlt im gesamten Spiel - traf Christopher Fischer in der zehnten Minute zur überraschenden Führung. Dem DEL2-Spieler des Monats September, Towerstars-Goalie Jonas Langmann, flutschte die Scheibe durch die Schoner. 

Das Tor spielte den Heilbronnern natürlich in die Karten. Die Gastgeber blieben im Offensivspiel umständlich, das galt auch für ihr erstes Überzahlspiel. Die Falken agierten sehr defensiv, lauerten auf Konter. Als durch Strafzeiten auf beiden Seiten vier gegen vier gespielt wurde, bot sich die Gelegenheit, eine einstudierte Variante umzusetzen. Della Rovere schickte Alex Tonge mit einem langen Pass ins gegnerische Drittel, die Towerstars rückten zu langsam nach, Justin Kirsch brauchte die Vorlage des Falken-Goldhelms nur noch über die Linie zu chippen. Das 2:0 für die Falken kurz vor Drittelende. Zwei Treffer bei insgesamt nur fünf Schüssen. Mehr Effektivität ist kaum möglich. 

Im Powerplay klappt bei den Falken alles 

Zu Beginn des Mitteldrittels erzeugten die Ravensburger wieder viel Druck, Heilbronn hielt aber weiterhin gut dagegen. Viele Schüsse wurden geblockt, ansonsten war Florian Mnich zur Stelle. In der 28. Minute hatten die Falken in Unterzahl zunächst Glück, als ein Treffer der Towerstars nach Videobeweis aberkannt wurde. Doch bei einem von Nickolas Latta abgefälschten Ketterer-Schuss war der Falken-Goalie kurz darauf machtlos (29.). 

Das Spiel drohte zu kippen, doch die Falken blieben in Überzahl gnadenlos effektiv. Als Denis Pfaffengut draußen saß, verwertete Luke Volkmann einen von der Bande zurückspringenden Puck zum 3:1 (32.). Knapp vier Minuten später verwandelte August von Ungern-Sternberg ein Traum-Zuspiel von Tonge gar zum 4:1 (36.). Das dritte Überzahltor im dritten Powerplay. Mehr Effektivität ist unmöglich. 

Falken-Goalie Florian Mnich hielt einmal mehr sehr stark.
Falken-Goalie Florian Mnich hielt einmal mehr sehr stark.  Foto: Veigel, Andreas

Einziger Wermutstropfen in den zweiten 20 Minuten war das späte 2:4 von Ravensburgs Goldhelm Charlie Sarault. Der Überzahltreffer war allerdings glänzend herausgespielt und hielt die Sieghoffnungen der Gastgeber am Leben.  "Wir dürfen jetzt nicht von unserem Spiel abkommen, dann können wir hier drei Punkte holen", sagte  Julian Lautenschlager im Interview bei "SpradeTV" mit Blick aufs Schlussdrittel. 

Das 5:2 von Dunham lässt die Bemühungen der Gastgeber erlahmen

Die Towerstars kamen allerdings mit Vollgas aus der Kabine, erhöhten das Risiko und warfen alles nach vorne. Der Druck war immens. Doch ein zweiter, langer Traumpass des Neu-Verteidigers Della Rovere führte Noah Dunham in die Eins-gegen-Eins-Situation gegen Langmann. Der 20-Jährige blieb eiskalt und markierte das 5:2 (44.).  

Dieser Nackenschlag erlahmte die Bemühungen der Ravensburger erheblich. Die Falken spielten weiter in der Endlosschleife Verteidigen - Klären - Wechseln, die Gastgeber fanden dagegen einfach kein funktionierendes Mittel. Entschieden war die Partie dann fünf Minuten vor dem Ende. Tonge war durchgebrochen, aber von Langmann gestoppt worden. August von Ungern-Sternberg war selbstredend sofort zur Stelle, um den Abpraller zum 6:2 unter die Latte zu hämmern (55.). 

 

Tor: Mnich, Andryukhov; Abwehr: Fischer - Leitner, Della Rovere - Morrison, Haas - Ramoser; Angriff: Kirsch - Lambacher - Lautenschlager, Elias - Tonge - Sternberg, Dunham - Volkmann - Hecht. Tore: 0:1 (10.) Fischer, 0:2 (19.) Kirsch, 1:2 (29.) N. Latta, 1:3 (32.) Volkmann, 1:4 (36.) Sternberg, 2:4 (39.) Sarault, 2:5 (44.) Dunham, 2:6 (55.) Sternberg.  Schiedsrichter: Daniel Kannengießer, Alexander Singer. Strafminuten: 8/10. Zuschauer: 2029.

 

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