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Eishockey

Ein Triumvirat zur Rettung der Falken

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Rainer Maurer, Franz Böllinger und Atilla Eren kaufen GmbH-Gesellschafter-Anteile

Von Stephan Sonntag
Die neuen Falken-Gesellschafter (von links): Rainer Maurer, Atilla Eren und Franz Böllinger sowie der HEC-Vorsitzende Timo Dietz (rechts).
Foto: Marc Thorwartl
Die neuen Falken-Gesellschafter (von links): Rainer Maurer, Atilla Eren und Franz Böllinger sowie der HEC-Vorsitzende Timo Dietz (rechts). Foto: Marc Thorwartl  Foto: Veigel, Andreas

Das monatelange Rätselraten ist beendet, die Falken-Investoren stehen fest: Rainer Maurer, Franz Böllinger und Atilla Eren haben die Gesellschafteranteile an der Falken GmbH gekauft, die bisher komplett im Besitz des Heilbronner EC waren. Das neue Triumvirat hat sich zum Ziel gesetzt, die Zukunft des Heilbronner Eishockeys zu sichern. "Es ist eine Rettungsaktion sowohl für den HEC als auch für die Heilbronner Falken, die es uns erlaubt, die schier erdrückenden Altlasten hinter uns zu lassen", erklärte Eren.

Der GmbH-Geschäftsführer, der nun in Personalunion auch Gesellschafter ist, stellte klar: "Ich besitze nicht die Majorität der Anteile, könnte meine Entlassung als Geschäftsführer also nicht verhindern, wenn meine Kollegen diese wollen." Die Zeichnung der Anteile sei auf ausdrücklichen Wunsch der beiden anderen Investoren erfolgt. "Es ist absolut üblich, dass der Geschäftsführer Anteile am Unternehmen erwirbt, um damit auch seine Verbundenheit auszudrücken", erklärte Böllinger. "Atilla Eren genießt unser volles Vertrauen", betonte Maurer.

Im ersten Schritt wird das Gesellschafter-Trio für rund 150 000 Euro den Stammverein HEC entschulden. Der zweite Schritt umfasst die Rekapitalisierung der Falken-GmbH. Die Höhe dieses Investments wurde nicht genau beziffert. Maurer dämpfte aber allzu kühne Erwartungen: "In Heilbronn wird künftig nicht Milch und Honig fließen. Von einer Verdopplung oder auch nur 50-prozentigen Erhöhung des Etats kann keine Rede sein. Es geht darum, der GmbH mal wieder Luft zum Atmen zu verschaffen."

Die neuen Falken-Gesellschafter (von links): Rainer Maurer, Atilla Eren und Franz Böllinger sowie der HEC-Vorsitzende Timo Dietz (rechts).
Foto: Marc Thorwartl
Die neuen Falken-Gesellschafter (von links): Rainer Maurer, Atilla Eren und Franz Böllinger sowie der HEC-Vorsitzende Timo Dietz (rechts). Foto: Marc Thorwartl  Foto: Thorwartl, Marc

Null statt Minus

Die bestehenden Verbindlichkeiten mussten bisher bereits für die Lizenzierung in der DEL 2 durch Sponsoren abgesichert werden. Eine konsequente Weiterentschuldung plus die Einleitung einer sportlichen Trendwende durch eine Etaterhöhung war unter diesen Umständen nicht gleichzeitig realisierbar. Statt mit einem Minus können die Falken nun von einer Nullstellung aus in die neue Spielzeit gehen. Und zwar unabhängig davon, ob die in der DEL 2 oder in der Oberliga bestritten werden muss. "Unser Engagement ist unabhängig vom sportlichen Erfolg zu sehen. Der Anspruch lautet Profi-Eishockey. Einen Betriebsunfall Abstieg würden wir verkraften", erklärte Böllinger.

Ins sportliche Tagesgeschäft wollen sich weder Böllinger noch Maurer einmischen. "Wir sind keine Mäzene oder Gönner à la Klaus-Michael Kühne beim Hamburger SV", betonte Böllinger. Der Geschäftsführer der Böllinger-Group mit Hauptsitz in Bad Friedrichshall, die im Autozulieferer-Bereich und Prototypenbau tätig ist, stellte klar, dass er als Privatperson investiere. Gleiches gilt für Eren und für Maurer, der Geschäftsführer des Heilbronner IT-Dienstleisters N3K ist. Das Sponsoring beider Unternehmen bleibt vom Anteilskauf unberührt. "Ich gehe davon aus, dass N3K wegen meines Investments sein Sponsoring nicht einstellt", sagte Maurer augenzwinkernd. Unisono betonten die neuen Gesellschafter die Bedeutung der Sponsoren - und der Fans. "Unser Engagement ist nicht rein finanziell. Es geht auch darum, die Marke Heilbronner Falken weiterzuentwickeln, sie attraktiver für Sponsoren und Zuschauer zu machen", erklärte Böllinger.

Kooperationsvertrag

Als Leitmotiv nannten die Gesellschafter die Nachwuchsförderung. Über einen Kooperationsvertrag wird die GmbH den HEC in der Jugendarbeit unterstützen. Das verlangen schon die Statuten des Verbands. "Das ist aber auch eine Frage der sozialen Verantwortung", sagte Böllinger. Schließlich treiben 180 Kinder und Jugendliche regelmäßig Sport beim HEC. "Es ist beeindruckend, mit wie viel persönlichem Engagement und Emotion dort im Umfeld ehrenamtlich gearbeitet wird", betonte Maurer. Den beiden erfahrenen Unternehmern ist sehr wohl bewusst, dass ihr Investment eher keine finanzielle Rendite abwerfen wird. "Eine schwarze Null wäre ein Erfolg", sagte Maurer, der vor allem auf eine "emotionale Rendite" hofft.

Einen Fünf- oder gar Zehnjahresplan zauberte das Gesellschafter-Trio nicht aus der Tasche. "Jetzt stand erst einmal die Rettung im Vordergrund. Wir wollen, dass es vernünftig in die Zukunft geht", sagte Maurer.

 

Neue Basis

Ein Kommentar von Stephan Sonntag

In den vergangenen Wochen wurden ja schon Unkenrufe laut, dass es womöglich gar keine Investoren gebe, oder dass sich die Interessenten aufgrund der angespannten sportlichen Lage der Heilbronner Falken wieder zurückgezogen hätten. Die Kritiker dürften jetzt erst einmal verstummen, vor allem da Geschäftsführer Atilla Eren als einer der drei neuen Gesellschafter keineswegs Arbeitsplatzsicherung betreibt - die im Übrigen ganz schön teuer wäre.

Das Trio hat nachvollziehbar dargelegt, dass mit dem Anteilskauf der einzige Profisport in Heilbronn gerettet und auf einer neuen tragfähigen Basis zukunftsfähig gemacht werden soll. Wenn Atilla Eren als Geschäftsführer bisher wahrlich keine sportlichen Erfolge verzeichnen konnte, so muss ihm aber zumindest attestiert werden, dass er zwei Mitstreiter gefunden hat, die zusammen mit ihm bereit sind, ein aus unternehmerischen Gesichtspunkten verrücktes Investment einzugehen.

Allein diese Herzensentscheidung ermöglicht es jetzt dem Heilbronner EC aber, allein überlebensfähig zu sein, ohne bei einer Insolvenz der Falken-GmbH mit in den Abgrund gerissen zu werden. Die GmbH sollte in die Lage versetzt sein, sportlich wieder erfolgreichere Tage einläuten zu können. Und das gesamte Heilbronner Eishockey steht vor möglichen Investoren in eine neue Eishalle als stärkerer potenzieller Ankernutzer da.

 
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