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Ex-Falke Richard Gelke: „Habe lange gebraucht, um Abstieg zu verdauen“

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Stürmer Richard Gelke kehrt am Freitag mit den Selber Wölfen zum Oberliga-Spitzenspiel an seine alte Wirkungsstätte nach Heilbronn zurück. Für den 33-Jährigen gehören die Falken in die DEL2. 


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Richard Gelke war gerade im Auto auf dem Rückweg aus Tschechien, als er am Mittwoch mit der Heilbronner Stimme am Telefon sprach. „Ist ja ein Katzensprung“, sagte der 33-Jährige angesichts der gerade mal knapp zehn Kilometer Entfernung nach Selb.

Seit 2019 steht der Eishockey-Profi in Diensten der Selber Wölfe. Am Freitag (19.30 Uhr) kehrt der Stürmer zum Oberliga-Spitzenspiel nach Heilbronn zurück, wo er insgesamt sieben Saisons lang das Trikot der Falken trug.

Herr Gelke, ist für Sie ein Spiel in Heilbronn noch etwas Besonderes? Oder business as usal?

Richard Gelke: Nein, ich freue mich immer darauf, in Heilbronn zu spielen. Aufgrund der unterschiedlichen Ligazugehörigkeit ist das letzte Mal ja schon einige Jahre her.

 

Gab es im Vorfeld schon Kontakt zu Falken-Spielern?

Gelke: Ich habe mit Corey Mapes geschrieben, mal gehört, wie es ihm geht. Ansonsten ist ja in Heilbronn kaum noch jemand, mit dem ich noch zusammengespielt habe. Abgesehen von Jeroen Plauschin natürlich, der ja vergangene Saison noch mein Teamkollege in Selb war.

Richard Gelke hat nach langer Verletzungspause und dem DEL2-Abstieg den Spaß am Eishockeyspielen wiedergefunden.
Richard Gelke hat nach langer Verletzungspause und dem DEL2-Abstieg den Spaß am Eishockeyspielen wiedergefunden.  Foto: IMAGO/Mario Wiedel

Rückkehr nach Heilbronn: Richard Gelke freut sich auf das Spitzenspiel gegen die Falken

Mit neun Siegen aus bislang zehn Partien in der Oberliga-Süd-Runde sind die Selber Wölfe überzeugend in die Saison gestartet. Hätten Sie das erwartet?

Gelke: Ich habe schon in der ersten Trainingswoche gemerkt, dass wir ein gutes Tempo im Spiel haben und auch die Chemie in der Truppe passt. Dass wir kaum ein Vorbereitungsspiel gewonnen haben, war einfach der Tatsache geschuldet, dass wir sehr hart gearbeitet haben. Die bisherigen Erfolge sind die Belohnung für den Aufwand, den wir täglich betreiben.

 

Wie lange hat es gedauert, den DEL2-Abstieg zu verdauen?

Gelke: Es war sehr, sehr schmerzhaft. Ich hatte ja schon den Aufstieg 2021 miterlebt. Daher fühlte sich es an, als ob das Projekt gescheitert wäre. Ich wollte es auch lange gar nicht wahrhaben, habe wirklich bis zum letzten Spiel in den Playdowns daran geglaubt, obwohl ich ja selbst durch meine Sprunggelenksverletzung gar nicht mitwirken konnte. Ich habe lange gebraucht, um den Abstieg zu verdauen.

 

Trotz Wechselgedanken bleibt Gelke Selb treu und blickt optimistisch nach vorn

Hatten Sie überlegt, den Club zu verlassen, um in der DEL2 zu bleiben?

Gelke: Ich habe mich tatsächlich erstmals nach anderen Optionen umgeschaut, weil die Enttäuschung so tief saß. Als die Verletzung ausgeheilt war, ging es aber auch mental wieder bergauf und ich habe mich entschieden zu bleiben.

 

Welche Rolle spielte bei der Entscheidungsfindung die Neustrukturierung in der Clubführung? Am 1. November übernimmt Stefan Weber die Geschäftsführung, Frank Hördler die Sportliche Leitung. Bislang hatte Sven Gerike beide Ämter in Personalunion ausgeübt. 

Gelke: Die Neubesetzungen der Ämter standen bei den Vertragsgesprächen noch gar nicht fest. Es wurden im Club aus meiner Sicht aber die richtigen Stellschrauben gedreht und ein Umbruch eingeleitet. Die Neuverteilung ist aus meiner Sicht der richtige Weg.

 

Ist der direkte Wiederaufstieg Pflicht?

Gelke: Wir wollen natürlich oben mitspielen, aber müssen jetzt nicht mit der Brechstange zurück in die DEL2. Es soll nachhaltig, etwas aufgebaut werden, mit vielen jungen und entwicklungsfähigen Spielern.

 

Wie haben Sie die Situation der Heilbronner Falken im Sommer verfolgt, denen zunächst die Lizenz für die neue Saison verweigert worden war?

Gelke: Ich habe sechseinhalb Jahre in Heilbronn gespielt und es hat mich schon traurig gemacht, weil ich weiß, wie viele Menschen dort mit Herzblut dabei sind. Für den Wirtschaftsstandort Heilbronn ist das eigentlich eine Schande.

 

Neue Eishalle in Heilbronn könnte langfristig professionelle Strukturen sichern

Immerhin besteht jetzt in Heilbronn eine konkrete Perspektive auf eine neue Eishalle.

Gelke: Das Thema kenne ich ja noch aus meiner Zeit als Falken-Spieler, insofern hoffe ich einfach, dass das jetzt wirklich umgesetzt wird. In einer Stadt mit dieser Wirtschaftskraft sollte es möglich sein, in der DEL2 zu spielen. Hier in Selb ist nach meinem ersten Jahr die Halle innerhalb von zwei Jahren umfangreich modernisiert worden. Da muss ich sagen: Hut ab!

 

Sie sind jetzt 33 Jahre alt – denken Sie schon darüber nach, was nach der aktiven Karriere kommen könnte?

Gelke: Ich genieße gerade, dass ich wieder spielen kann. Mit meiner Freundin Christina habe ich mir im Sommer einen Kaffeeanhänger gekauft. Damit haben wir uns einen gemeinsamen Traum erfüllt, aber eben auch ein zweites Standbein geschaffen. Man kann uns unter dem Namen „Rica Coffee“ für Firmenevents oder Hochzeiten buchen.

 

Bringen Sie den Kaffeeanhänger mit nach Heilbronn?

Gelke: Nein, da muss ich mich aufs Spiel konzentrieren (lacht).

Zur Person

Richard Gelke ist in Reutlingen geboren, aber in Weißwasser aufgewachsen, wo er auch mit dem Eishockeyspielen begonnen hat. Im Alter von 13 Jahren wechselte er ins Sportinternat nach Berlin. Zwei Jahre später ging er zu den Jungadlern Mannheim, mit denen er in der Deutschen Nachwuchsliga dreimal deutscher Meister wurde. Zwischen 2010 und 2013 sowie zwischen 2015 und 2019 trug der Stürmer 289 Mal das Falken-Trikot. 

 

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