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Warum es vor 40 Jahren zur Live-Premiere der Fußball-Bundesliga im TV kam

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Nebel ermöglichte die Live-Übertragung des ersten Bundesliga-Spiels im Fernsehen am 11. Dezember 1984. Tagessschau und Monitor  mussten dem FC Bayern weichen.

Von Michael Novak
Mönchengladbach mit Norbert Ringels (links) gegen Bayern München um Sören Lerby (rechts) ist im Dezember 1984 die erste Live-Begegnung in der ARD.
Mönchengladbach mit Norbert Ringels (links) gegen Bayern München um Sören Lerby (rechts) ist im Dezember 1984 die erste Live-Begegnung in der ARD.  Foto: imago sportfotodienst

Heribert Faßbender (83) erinnert sich gut an diesen „Meilenstein der Fußballberichterstattung im deutschen Fernsehen“ vor 40 Jahren. Damit spricht der langjährige Sportchef des Westdeutschen Rundfunks (WDR) und Chef der ARD-„Sportschau“ eine Uraufführung an: Am 11. Dezember 1984 wurde mit dem Spiel zwischen Mönchengladbach und Bayern München erstmals eine Bundesliga-Begegnung live und bundesweit im TV gezeigt.

Geplant war dies nicht, geschweige Bestandteil eines vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit dem „Ersten“ und dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) geschlossenen Vertrags – die gerade gegründeten privaten Anbieter RTL und Sat.1 wurden beim Fußball erst später Konkurrenten.

Eine schlechte Laune der Natur in Lodz hatte wesentlichen Einfluss

Wesentlichen Einfluss hatte eine schlechte Laune der Natur: Borussia Mönchengladbach konnte von einem mittwochs bei Widzew Lodz (0:1) ausgetragenen Spiel im Uefa-Cup wegen Nebels nicht aus Polen zurückfliegen, landete erst am Samstag wieder daheim: um 17.15 Uhr, als das vom DFB abgesagte Spiel gegen die Bayern an diesem 10. November 1984 hätte abgepfiffen werden sollen. Die unfreiwillig lange Dienstreise ärgerte Borussia-Präsident Helmut Beyer fast wie der Uefa-Cup-K.o.

In Anspielung auf Vicky Leandros’ Nummer-eins-Ohrwurm sagte Beyer: „Wenn irgendeiner jetzt zu Hause dieses Lied spielt, dieses Theo, wir fahr’n nach Lodz, vergesse ich mich.“ Weil in der so besungenen Stadt alle Hotels ausgebucht waren, reiste der Tross auch noch per Bus nach Warschau. Das Nachholspiel wurde auf Dienstag, 11. Dezember, terminiert. An diesem Tag war keine andere Bundesliga-Begegnung. 

Live-Erlebnis am Bildschirm als Appetitmacher für Stadionbesuch

So stand das Thema „Bundesliga live“ plötzlich auf der Agenda des Treffens zwischen DFB und der TV-Rechte-Kommission von ARD und ZDF. Der Jurist Faßbender war seit 1982 Mitglied dieses Gremiums: „Damals waren DFB-Präsident Hermann Neuberger und Kollegen lange skeptisch. Live-Fußball im TV hatten sie bis dahin nur für Länderspiele, Europacup und DFB-Pokalfinale zugelassen. Noch mehr Fernseh-Live-Übertragungen würden sich nachteilig auf den Zuschauerbesuch in den Stadien auswirken. Das Gegenteil war der Fall. Das Live-Erlebnis am Bildschirm wurde zum Appetitmacher für den Stadionbesuch.“

„Das Live-Erlebnis am Bildschirm wurde zum Appetitmacher für den Stadionbesuch.“

Heribert Faßbender

Stimmungsaufheller hatte der Fußball nach dem enttäuschenden Vorrunden-Aus für die Nationalelf bei der EM 1984 in Frankreich nötig. Durch Tennis mit dem Hype um Boris Becker und eben solchen Live-Events kam zudem bald echte Konkurrenz auf. Nun brachten Wetterkapriolen für den Fußball die unverhoffte Chance, ein attraktives Spiel live zu präsentieren. „Hermann Neuberger entschied für den DFB: Dann machen wir das jetzt mal“, sagt Heribert Faßbender. Überliefert ist ein TV-Honorar von 135 000 Mark.

Anstoß um 20 Uhr, dem unverrückbaren Beginn der Tagesschau

Mit dem Zuschlag von DFB-Seite und der finanziellen Einigung waren noch nicht alle Hürden für den neuen TV-Akt der Bundesliga-Geschichte überwunden, weil der Anstoß um 20 Uhr erfolgen sollte. Punkt acht, unverrückbar Beginn der „Tagesschau“. Heribert Faßbender ordnet die Verlegung der Hauptnachrichtensendung zugunsten der Bundesliga an: „Dass die 20-Uhr-,Tagesschau’ erst in der Halbzeit des Spiels und nur in Kurzform lief, hatte es vorher noch nicht gegeben.“

„’n Abend allerseits“: Heribert Faßbender hatte wesentlichen Anteil daran, dass es am 11. Dezember 1984 erstmals in Deutschland die Fußball-Bundesliga live zu sehen gab.
„’n Abend allerseits“: Heribert Faßbender hatte wesentlichen Anteil daran, dass es am 11. Dezember 1984 erstmals in Deutschland die Fußball-Bundesliga live zu sehen gab.  Foto: Rolf Vennenbernd

Zudem musste „Monitor“ in den späten Abend weichen, weil der Fußball bei einer Abstimmung in der Programmkonferenz mit 5:4 die Oberhand gegen das Politmagazin behielt. So hieß es „’n Abend allerseits“: Vom ausverkauften Bökelberg schickte Kommentator Heribert Faßbender seine Begrüßung in die Wohnzimmer. „Ein spannendes Spiel“ (Faßbender) bekam zusätzliche Brisanz durch die erste Rückkehr von Lothar Matthäus nach seinem Wechsel zu den Münchnern.

Schmähungen und Zugangsverbot für Lothar Matthäus

Zumal der spätere Weltmeister in jugendlichem Leichtsinn geäußert hatte, „so etwas“ wie in Polen „kann nur den Gladbachern passieren“. Woraufhin Borussia-Manager Helmut Grashoff ihm Zugangsverbot für das Clubhaus erteilte und Matthäus mit Schmähungen empfangen wurde. Auf dem Platz gewann Gladbach mit Trainer Jupp Heynckes 3:2. Somit blieb es zum Ende der Hinrunde bei nur zwei Zählern Vorsprung für die Münchner auf Verfolger Bremen und spannend bis zum Saisonschluss.

Erst am letzten Spieltag sicherte sich der FC Bayern die Meisterschaft vor den Hanseaten. Den Sprung auf den dritten Platz feierten an dem fußballhistorischen Abend die Borussen. „Die Videorecorder waren programmiert“, so Torhüter Ulrich Sude: „Nachts um drei“ wurde das Spiel auf Kassette geschaut. Zur Regel wurden Live-Übertragungen aus der Bundesliga aber noch lange nicht.

Titelentscheidung 1986 als weitere Ausnahme

Es gab nur Ausnahmen wie die Titelentscheidung 1986 zwischen Werder und Bayern mit Michael Kutzops Elfmeter-„Fahrkarte“ auf Sat.1. Zur Wochen- Einrichtung wurde das live gezeigte Topspiel erst ab 1991 bei Premiere, auf die Übertragung aller neun Begegnungen eines Spieltags warteten die Fans gar bis zur Saison 2000/01. 

Dichter Nebel hatte 1984 erstmals Bundesliga-Fußball im Fernsehen ermöglicht. Auch in der Bundesliga-Rückrunde wurde die Begegnung mit Borussia Dortmund Ende Februar 50 Minuten vor dem geplanten Anpfiff abgesagt, wieder wegen Nebels – diesmal aber ohne Live-Übertragung.

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