Gegenseitiges Anfluchen als Hoffenheimer Erfolgsgeheimnis
Abgezockt und effizient verbessert die TSG Hoffenheim durch das 3:1gegen Union Berlin eigene Bestmarken und staunt über sich selbst. Doppeltorschütze Andrej Kramaric macht erneut Werbung in eigener Sache.

Der gesungene Auftrag kam aus der Südkurve der Sinsheimer Arena, dort wo die treuesten Fans der TSG Hoffenheim stehen: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“, tönte es durch die ansonsten schon geleerte Sinsheimer Arena nach dem 3:1 in der Bundesliga gegen Union Berlin.Als Tabellendritter reisen die Kraichgauer am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) zum Branchenprimus. Mit fünf Siegen in den ersten fünf Partien 2026 und einer Rekordzahl von 42 Punkten nach 20 Spielen im Gepäck. „Das hätte uns niemand zugetraut zu Saisonbeginn, wahrscheinlich wir selbst auch nicht“, sagte Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker. Die TSG Hoffenheim überrascht Fußball-Deutschland und sich selbst Woche für Woche. Das hat auch viel mit einer Weiterentwicklung zu tun. Es gab zuletzt Hurra-Fußball wie bei den Heimsiegen gegen Hamburg oder Mönchengladbach. Das war beim siebten Heimerfolg in Serie anders.„Berlin hat nicht die Schönheit unseres Spiels getestet“, sagte Christian Ilzer hinterher in kleiner Runde mit den Medienvertretern über den hart erarbeiteten Erfolg. Nur mit Friede, Freude, Eierkuchen gelingt das nicht. Des Trainers Herangehensweise bestand darin, „Energie zu gewinnen, indem wir uns gegenseitig angeflucht haben“.
Hoffenheims Motto dieses Mal: wenige Torschüsse, viel Ertrag
Ein Spitzenteam wie die TSG 1899 gewinnt eben auch dann, wenn es nicht die bessere Mannschaft ist, sondern aus wenig Aufwand (vier Torschüsse bis zur 47. Minute) viel Ertrag generiert, nämlich drei Tore. Eiskalt und effizient trafen zwei Mal Andrej Kramaric, ein Eigentor von Diogo Leite sorgte fürs 3:0. Der Sieg am Samstag war eine Kopie des Hinspiels im September, mit einem 1:0 per Elfmeter und dem 2:0 direkt vor der Halbzeitpause, zwei Hoffenheimer Toren quasi aus dem Nichts. In Berlin hieß es damals 4:2, nun 3:1.„Man sieht, dass wir Schritte gehen, dass wir auch solche Spiele gewinnen, bei denen es in erster Linie nicht darum geht, schön zu spielen, sondern den Kampf anzunehmen“, sagte Grischa Prömel. Vor einem Jahr hätten die Kraichgauer so eine Partie noch sehr sicher verloren.
Und nun? „Die Jungs haben auf alle Phasen im Spiel eine Antwort“, lobte Sportchef Andreas Schicker sein Team, das im Moment Spiel- mit Personalglück kombiniert. Weil Alexander Prass als leicht angeschlagener Matchwinner von unter der Woche (2:0 in Bremen) eine Pause erhielt, durfte sich Bazoumana Touré bei seinem ersten Startelfeinsatz 2026 über zwei Torvorbereitungen freuen. Rekordtorschütze Andrej Kramaric machte erneut mit zwei Toren Werbung für eine Vertragsverlängerung. Gegen Berlin verwandelte er den 15. Elfmeter in Serie. Sein Erfolgsgeheimnis? „Am Ende ist es Erfahrung und Übung.“ Das war auch beim Kopfball-2:0 zu sehen. Geübt habe er solche Szenen „vor 20 Jahren mit meinem Vater daheim im Garten“, wie Kramaric erzählte. Sein kleiner Sohn schaute in der Mixed Zone interessiert zu.
Vertragsverlängerung in Hoffenheim? Gespräche mit Kramaric laufen
Vergangene Woche saß Andrej Kramaric zu einem Gespräch mit Sportchef Andreas Schicker zusammen. „Das war sehr, sehr positiv. Wir wissen sehr, sehr gut, was wir an ihm haben. Die Tendenz ist positiv“, sagte der Österreicher. Die fünf Kramaric-Tore im Januar dürften die Zahlen im neuen Kontrakt eher größer denn kleiner machen, oder? „Ich sage einfach Ja“, stellte Kramaric am Samstag lachend klar, dass er die TSG Hoffenheim nicht nur in die Champions League schießen möchte, sondern dort auch noch Tore erzielen will.
„Die Planungen gehen noch nicht in Richtung Europa, auch die Berechnungen nicht. Da sind wir demütig und vorsichtig“, sagte hingegen Andreas Schicker. Doch angesichts von sechs Punkten Vorsprung auf Rang fünf, deren 15 auf die ersten Teams außerhalb der Europapokalränge, dürfte das nicht lange so bleiben. „Das ist der beste Kader der vergangenen zehn Jahre in Hoffenheim“, sagte Andrej Kramaric.
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