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Lauter Frust bei der TSG Hoffenheim

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Fußball-Bundesligist TSG Hoffenheim verliert in Überzahl 2:3 in Freiburg und hadert nicht nur mit sich selbst. An den vergangenen neun Spieltagen sammelte nur ein Team ligaweit weniger Punkte als die Kraichgauer.

Ein Duell mit Folgen: Freiburgs Maximilian Eggestein ringt hier mit Hoffenheims Andrej Kramaric. Nicht nur in diesem Zweikampfduell hatten die Freiburger das bessere Ende für sich.
Foto: dpa
Ein Duell mit Folgen: Freiburgs Maximilian Eggestein ringt hier mit Hoffenheims Andrej Kramaric. Nicht nur in diesem Zweikampfduell hatten die Freiburger das bessere Ende für sich. Foto: dpa  Foto: Philipp von Ditfurth

In Freiburg steht das neueste Stadion der Bundesliga. In Sachen Kabinen-Schallschutz gibt es bessere Arenen, das ist seit Samstagabend nun auch bewiesen. Weil Pellegrino Matarazzo nach der 2:3-Niederlage seiner TSG Hoffenheim beim SC Freiburg schimpfte, wütete, grantelte, war das im Stadionbauch weithin hörbar. Der Trainer, der an seinem Lautstärkeregler drehte, erklärte seinen Kabinenfrust hinterher wesentlich leiser so: "Es ging um vieles", sprach Matarazzo: "um das komplette Spiel, die Mutlosigkeit der ersten Hälfte." Der Frust aus der Kabine musste auch bei der Pressekonferenz raus: "Wir können keine Handbremse angezogen haben, um ein Bundesligaspiel zu gewinnen. Wir brauchen nicht über Talent zu sprechen, wenn wir es nicht auf den Platz bringen."

Kein Verteidiger agiert stabil

Verdient lagen die Nordbadener im Breisgau nach 55 Minuten mit 0:2 in Rückstand. Erst traf Lukas Höler (37.), dann der Ex-Hoffenheimer Vincenzo Grifo (55.). Die größte Problemzone bleibt die Defensive. Kein TSG-Verteidiger agiert in dieser Spielzeit stabil und fehlerfrei. Immer wackelt einer. Vorm 0:2 verdribbelte sich Florian Grillitsch. Anschließend sah Stanley Nsoki (zusammen mit Anton Stach) gegen Grifo viel zu hüftsteif aus.

Erst als Andrej Kramaric am Samstagmittag in Durchgang zwei mitstürmte gelang offensiv mehr. Zwei lange Bälle von Ozan Kabak und Florian Grillitsch ermöglichten Wout Weghorst (57.) und Maximilian Beier (77.) den 2:2-Ausgleich. "Ich dachte, wir drehen das Ding jetzt", sagte Beier. Nicht nur er glaubte das. Erst Recht, als die TSG die finalen Minuten in Überzahl agierte (Gelb/Rot Manuel Gulde, 82.). Trotzdem ging das Baden-Duell noch verloren. Der Entstehung des Freiburger 3:2-Siegtreffers von Roland Sallai ging aus Hoffenheimer Sicht ein Mittelfeld-Foul von Maximilian Eggestein an Andrej Kramaric voraus. "Wenn ich dramatisch falle, bekomme ich wohl einen Freistoß", haderte der Kroate.

Eggesteins Flanke führte anschließend zum Hoffenheimer K.o.. "Ich würde mich an seiner Stelle auch aufregen", gestand Freiburgs Maxmilian Eggestein lächelnd. Für einen Eingriff per Videobeweis sei es aber "ein bisschen wenig" gewesen. Matarazzo und Co. sahen das natürlich komplett anders. Zwischen vermeintlichem Foul an Kramaric und dem entscheidenden Gegentreffer vergingen noch etliche Sekunden. "Wir müssen es trotzdem wegverteidigen", gab sich Oliver Baumann selbstkritisch. Fehlende Cleverness ist nicht die einzige Baustelle aktuell.

Stürmer Weghorst benennt ein Hoffenheimer Problemfeld

Sommer-Neuzugang Wout Weghorst attestiert dem Team ein Mentalitätsproblem. "Wenn du was willst, ist es immer noch ein Unterschied, ob du echt was willst", sagte er am Samstag. Denn auch Weghorst kann die Tabelle lesen.

Dem eigenen Anspruch und der Europa-Konkurrenz rennen die Hoffenheimer immer mehr hinterher. "Wir wollten an den Freiburgern vorbeiziehen", sprach Kapitän Oliver Baumann. Die sind nun trotz größter Personalsorgen vier Zähler voraus. Teilt man die bisherigen 18 Spieltage in zwei Hälften, so steckt die TSG schon wieder in ihrer alljährlichen Krise, in der sie wie ein Abstiegskandidat punktet. Aus den ersten neun Saisonspielen sammelten die Kraichgauer 18 Punkte.

In der Tabelle der Spieltage 10 bis 18 landen die Kraichgauer auf Rang 17. Sechs Punkte aus neun Spielen, das ist nicht die Bilanz eines Europaanwärters, sondern eines Teams, das nur nicht in Abstiegsgefahr geraten kann, weil im Tabellenkeller ein Schneckenrennen stattfindet. In den vergangenen vier Partien setzte es immer drei Gegentore. "Wenn es nicht besser wird, dann werden wir unsere Ziele nicht erreichen", sagt Pellegrino Matarazzo.

SC Freiburg: Atubolu - Sildillia, Ginter, Gulde, Makengo - Röhl (84. Höfler), M. Eggestein - Sallai (88. Keitel), Grifo (75. Kübler) - Höler (84. Weißhaupt), Gregoritsch.

TSG 1899 Hoffenheim: O. Baumann - Kabak, Grillitsch, Nsoki (90.+1 Bischof) - Kaderabek (60. Skov), Stach, Bülter (60. Bebou) - F.O. Becker (60. Tohumcu), Kramaric - Weghorst, Beier.

Tore: 1:0 Höler (37.), 2:0 Grifo (55.), 2:1 Weghorst (57.), 2:2 Beier (77.), 3:2 Sallai (85.).

Gelb-Rot: Gulde (82./wiederholtes Foulspiel).

Schiedsrichter: S. Stegemann (Niederkassel).

Zuschauer: 33 600.

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